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Jüdische Geschichte anerkannt und gewürdigt

Blick in die Dauerausstellung des Jüdischen Museums. Foto: BLM/Anja Pröhle
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Neue Dauerausstellung „Ein Teil von uns.“ des Braunschweigischen Landesmuseums in der sanierten Außenstelle St. Aegidien“ eröffnet.

Von Brüchen, Blütezeiten und Katastrophen handelt die neu konzipierte Dauerausstellung „Ein Teil von uns. Deutsch-jüdische Geschichten aus Niedersachsen“ des Braunschweigischen Landesmuseums in der Außenstelle St. Aegidien. Wie jüdische Menschen das Leben in einer überwiegend nicht-jüdischen, meist ausgrenzenden und oft feindseligen Gesellschaft erlebt haben, wird durch die Vermittlung persönlicher Geschichten und Schicksale des 18. bis 21. Jahrhunderts in deutlich. Im Zentrum steht weiterhin als einzigartiges Exponat die barocke Inneneinrichtung der ehemaligen Hornburger Synagoge, die 1924 nach Braunschweig gekommen war und bereits damals in der Aegidienkiche ausgestellt worden war. Das Jüdische Museum in Braunschweig gilt als das erste seiner Art im Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Eine Herzensangelegenheit

Einrichtung der Hornburger Synagoge. Foto: BLM/Uwe Brodmann

Einrichtung der Hornburger Synagoge. Foto: BLM/Uwe Brodmann

„Die Sammlungen der Judaica sowie zur jüdischen Kultur des Braunschweiger Landes sind in ihrem Kern in den 1920er Jahren entstanden, als Menschen jüdischen Glaubens ihre Geschichte im Museum anerkannt und gewürdigt sahen. Ähnlich war es ab 1987 mit der Einrichtung des Jüdischen Museums im Braunschweigischen Landesmuseum durch meinen Vorgänger Prof. Dr. Gerd Biegel. Für mich ist die Neueinrichtung der Dauerausstellung zur deutsch-jüdischen Geschichte in Niedersachsen eine Herzensangelegenheit, denn vor diesem Hintergrund sehe ich das Landesmuseum in einer besonderen Verantwortung“, sagte Museumsdirektorin Dr. Heike Pöppelmann zur Wiedereröffnung. Selbstverständlich werden auch Wirkungen und Konsequenzen staatlichen wie individuellen Antisemitismus thematisiert. Gefördert wird die Ausstellung unter anderem durch die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.

1,5 Millionen Euro investiert

Der vom Braunschweigischen Landesmuseum als Zweigstelle genutzte Gebäudekomplex St. Aegidien besteht aus dem romanischen Benediktinerkloster aus dem 12. Jahrhundert sowie dem ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert stammenden Chor des ehemaligen Paulinerklosters. Er wurde unter der Projektleitung des Staatlichen Baumanagements Braunschweig und in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege in rund einjähriger Sanierung für 1,5 Millionen Euro modernisiert.

Unter anderem wurde das Obergeschoss durch einen Aufzug barrierefrei, die nach dem Zweiten Weltkrieg provisorisch errichtete hölzerne Dachkonstruktion im Treppenhaus durch eine neue Massivdecke ersetzt, die inneren Wand- und Deckenflächen denkmalgerecht überarbeitet sowie der Bodenbelag teils erneuert und teils aufgearbeitet. Die Außenansicht des Gebäudeensembles war bereits 2019 saniert worden. Das Kloster St. Aegidien ist das älteste, öffentlich zugängliche Gebäude Braunschweigs.

Chanukka-Leuchter, Tefillin-Beutel und andere Judaica. Foto: BLM/Anja Pröhle

Chanukka-Leuchter, Tefillin-Beutel und andere Judaica. Foto: BLM/Anja Pröhle

Die Kuratorinnen von „Ein Teil von uns.“, Dr. Felicitas Heimann-Jelinek (Wien) und Dr. Lea Weik (Braunschweig) haben mehrere Jahre an den Sammlungen des Landesmuseums geforscht: „Unsere neue Betrachtungsweise der Sammlungsobjekte brachte bislang unbekannte Erkenntnisse über deren Herkunft zutage. So konnten wir uns den Gegenständen anders nähern und auch die Geschichten ihrer ehemaligen Besitzerinnen und Besitzer erzählen.“ Durch zahlreiche Schenkungen kam über die Jahre eine Sammlung zustande, in der sich sowohl jüdisch-religiöser Kultus als auch deutsche und niedersächsische Kultur widerspiegeln. Insgesamt werden rund 1000 Exponate gezeigt. Die architektonische Gestaltung der neuen Dauerausstellung hat der Wiener Ausstellungsarchitekt Martin Kohlbauer erarbeitet.

Urbanisierung, Technisierung und Landflucht

„Die von prekären Rechtssituationen und Brüchen, Blütezeiten und Katastrophen gekennzeichnete allgemeine deutsch-jüdische Geschichte spiegelt sich vom Mittelalter bis heute auch in Niedersachsen wider. Es gab ein dichtes Netz kleinerer und größerer jüdischer Gemeinden. Urbanisierung, Technisierung und Landflucht führte spätestens um 1900 – so wie vielerorts und auch die nicht-jüdische Gesellschaft betreffend – zur Auflösung vieler landjüdischer Gemeinschaften. Der wirtschaftliche und soziale Wandel führte viele nach Braunschweig, Hannover, Hildesheim oder gar nach Berlin. Diese tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung bescherte dem heutigen Braunschweigischen Landesmuseum ein architektonisches Ensemble und transformierte das jüdische Gotteshaus des südlich von Braunschweig gelegenen Ortes Hornburg in ein Objekt von museal kultureller Bedeutung: die Hornburger Synagoge“, schrieben Dr. Felicitas Heimann-Jelinek und Dr. Lea Weik in einem Beitrag für die Vierjahresschrift „Vier Viertel Kult“ der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.

Fakten:

Ein Teil von uns. Deutsch-jüdische Geschichten aus Niedersachsen
Hinter Aegidien, 38100 Braunschweig

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr
Eintrittspreise (Ticket gilt auch für die Dauerausstellung): Erwachsene 4 Euro, ermäßigt 3 Euro, Kinder von 6 Jahren an 2 Euro.

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