Geschichte(n) von nebenan, Folge 6: Tierhändler Bertram stellte von 1894 bis 1899 seine importierten Tiere bis zum Weiterverkauf in der Leisewitzstraße aus
Während einer Stadtteilführung im heutigen Bahnhofsviertel erzählte mir vor Jahren ein Teilnehmer, dass es in dieser Gegend einen Affenfelsen gäbe. Davon hatte ich noch nie gehört, aber ich war neugierig geworden. Am Ende meiner Recherchen stand schließlich, dass Braunschweigs erster Zoologischer Garten von 1894 bis 1899 in der Leisewitzstraße verortet war. Erst viel später folgten der Zoo in Stöckheim (1964 – heute) und ein kleinerer in Querum (1957 – 1966).
„Affenfelsen“ existiert noch
Auf einem Grundstück Leisewitzstraße 4, das von der Campestraße zugänglich war und sich im Besitz der Familie Hauswald befindet, konnte ich in dem großen Gartengelände tatsächlich einen überwachsenen Hügel entdecken. Ob dort tatsächlich Affen kletterten, ist nicht zu belegen. Nachdem ich aber davon im Kreise der Heimatpfleger berichtet hatte, erhielt ich von einem Kollegen eine Ansichtskarte, auf der unter anderem mit einem Bild von Eisbären für den ersten Zoo Braunschweigs geworben wurde.

In der Leisewitzstraße 4 steht noch heute das auf der Karte sichtbare Gebäude. 1928 veranlasste allerdings die damalige Besitzerfamilie Köhling den Rückbau des Turmes und das Gebäude erhielt damit seine heutige Gestalt. Weitere Recherchen im Bauarchiv der Stadt Braunschweig ergaben die spannende Geschichte des Grundstücks.
Gartenreich gestaltet
1872 hatte sich der Privatier Schulz von dem Druckereibesitzer Krampe ein schönes Wohnhaus gekauft, das besonders durch einen hohen Turm auffiel. Vier Jahre später ließ er hinter seinem Haus den Garten umfangreich umgestalten. Es entstanden ein Pavillon, ein Teich und als besonderer Clou ein Hügel, von dem aus er sein Gartenreich überblicken und bewundern konnte. Das ist der bereits erwähnte und noch erhaltene Affenfelsen, durch den auch ein kleiner Gang führt.

Nur von kurzer Dauer
1894 konnte Schulz das Anwesen aufgrund einer schweren Erkrankung nicht mehr halten und musste es verkaufen. Der Tierhändler Bertram aus Hannover übernahm Haus und Garten. Dem Schriftverkehr ist zu entnehmen, dass er mit exotischen Tieren handelte. Er stellte die importierten Tiere bis zum Weiterverkauf in seinem Zoologischen Garten aus. Sein Tiergarten, für das ein Kassenfenster an der rechten Seite des Wohnhauses eingerichtet wurde, bestand aber nur wenige Jahre. 1899 verstarb Bertram, der Zoo wurde geschlossen, das große Grundstück geteilt und mit samt Haus verkauft.
Karl-Heinz Löffelsend ist Stadtteilheimatpfleger des Bezirks Viewegs Garten-Bebelhof.







