Braunschweigs Ehrenbürger, Folge 11: Artur Wiswedel (1913 – 1989)
Artur Wiswedel (geboren am 30. Juni 1913 in Braunschweig; gestorben am 29. März 1989 in Braunschweig) war der Sohn des Inhabers eines Bauunternehmens und Zimmereibetriebs. Nach dem Abitur studierte er Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaften an den Universitäten in Frankfurt am Main und Berlin. Anschließend wurde er zum Dr. jur. promoviert.
Bereits während seines Studiums war Wiswedel erfolgreich im Motorsport aktiv. 1938 und 1939 nahm er mit einem MG TA-Kompressor an Berg- und Rundstreckenrennen teil. Zu seinen Starts im Jahr 1938 gehörten unter anderem das Hamburger Stadtparkrennen sowie Rennen auf dem Schottenring, dem Nürburgring, in Hockenheim, im englischen Brooklands, beim Maloja-Rennen in der Schweiz und beim Ratisbona-Bergrennen. Im folgenden Jahr gewann er zwar noch das Hamburger Stadtparkrennen, fiel bei seinen weiteren Starts jedoch aus. Daraufhin plante Wiswedel, künftig über die Süddeutsche Renngemeinschaft mit zwei Maserati-Kompressorwagen an Grand-Prix-Rennen teilzunehmen. Diese galten damals als Spitzenrennwagen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 verhinderte den Vertragsabschluss.
Schwer verwundet
Zum Militär eingezogen, war Wiswedel von 1942 bis 1944 bei den Panzertruppen an der Ostfront eingesetzt. An Weihnachten 1944 erlitt der Oberleutnant in Ungarn schwere Verwundungen, unter deren Folgen er zeitlebens litt. Seine Kriegserlebnisse veröffentlichte er 1984 in seinem Buch „Gekämpft und überlebt. Erinnerungen eines unbedeutenden Front-Offiziers an die Ostfront 1942–45“.
Nach Kriegsende trat Wiswedel 1946 in das Bau- und Tischlereiunternehmen seines Vaters ein, das er wieder aufbaute. Sieben Jahre später erweiterte er die Firma um eine Bauträger- und Baufinanzierungsgesellschaft zur „Wiswedel KG – Baubetreuung, Baufinanzierung, Türen- und Fensterfabrik“.
1953 begann Wiswedel, sich politisch zu engagieren, und trat in die FDP ein. Für die Partei gehörte er dem Rat der Stadt Braunschweig von 1961 bis 1976 sowie von 1981 bis 1988 an. Von 1974 bis 1976 repräsentierte er die Stadt als Erster Bürgermeister.

Förderer von Wiederaufbauten
Über sein wirtschaftliches und politisches Engagement hinaus hinterließ Artur Wiswedel Spuren in Braunschweig, die bis heute sichtbar sind. Besondere Verdienste erwarb er sich als Förderer des Wiederaufbaus historischer und denkmalgeschützter Gebäude. Zwischen 1972 und 1974 ließ er das durch Bomben stark beschädigte spätbarocke-neuklassizistische Neustadtrathaus wieder aufbauen. Der Bau war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Erweiterung und Umbau des alten Rathauses der Neustadt errichtet worden, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1296 zurückreichen.
1980 folgte der Wiederaufbau der Jakobskapelle, die als ältester Kirchenbau Braunschweigs gilt. Ihr Vorgängerbau war im Krieg weitgehend zerstört worden; lediglich Chor und Südwand waren erhalten geblieben. Nach historischen Vorlagen ließ Wiswedel die Kapelle wieder errichten.
Als Nächstes widmete sich Wiswedel dem Ölper Turm. Er gehörte zu den sieben ehemaligen Wehrtürmen der Braunschweiger Landwehr, die 1376 als äußere Befestigungsanlage der Stadt errichtet worden war. Später diente der Turm als Zollstation und wurde 1642 zur Landwehrschänke ausgebaut. Der denkmalgeschützte Bau erhielt 1830 einen Saalanbau mit Turmaufsatz. Wiswedel erwarb das gesamte Ensemble 1981 von der Stadt und restaurierte es aufwendig. Heute befinden sich dort Wohnungen.
Das letzte von Artur Wiswedel vollendete Projekt war die Restaurierung des Stobwasserhauses in der Echternstraße. Das dreigeschossige, spätbarocke Fachwerkhaus war 1789 für den Lackfabrikanten Stobwasser errichtet worden. In diese Projekte investierte Wiswedel Millionensummen aus seinem eigenen Vermögen.
Sozial engagiert
Neben seiner Tätigkeit im Unternehmen, seinen politischen Ämtern und seinem Einsatz für die Rettung historischer Bauten engagierte sich Wiswedel im Verband der Sozialrentner und Hinterbliebenen, für den Verein körperbehinderter Kinder sowie für die Aktion Essen auf Rädern. Darüber hinaus beriet er zahlreiche Bürger kostenlos.
Am 3. März 1989 verlieh die Stadt Artur Wiswedel für sein vielfältiges Engagement die Ehrenbürgerwürde. Nur wenige Wochen später starb er.




