Rudolf August bestimmte die Baumannshöhle im Harz zum „sonderbaren Wunderwerk der Natur“
Eine Verordnung des Braunschweiger Herzogs Rudolf August (1627–1704) zum Schutz der Baumannshöhle in Rübeland im Harz aus dem Jahr 1668 gilt für den Autor Steffen Kopetzky als „das erste Gesetz zum Schutz eines Naturdenkmals im Deutschen Reich, vielleicht sogar auf der Welt“. Das schreibt er in seinem Buch „Die Harzreise“, in dem er Heinrich Heines Spuren folgt und an dessen gleichnamigen, 1826 erschienenen Reisebericht anknüpft. „Man kann also durchaus behaupten, dass all die Naturschutzgebiete, Nationalparks und anderen gesellschaftlichen Institutionen, die versuchen, die Schöpfung zu bewahren, hier in Rübeland ihren Anfang genommen haben“, meint Kopetzky.
In Jahrtausenden aufgewachsen
Herzog Rudolf August ließ die Höhle mit einem Erlass vom 10. April schützen, nachdem Tropfsteine beschädigt oder als Souvenirs entwendet worden waren. Der Erlass gilt als erstes Naturschutzgesetz beziehungsweise als früheste bekannte rechtliche Schutzverordnung für ein Naturdenkmal. Er regelte den Zugang zur Höhle und den Umgang mit ihr und bewahrte so die Tropfsteine bis heute vor weiterer Zerstörung. Schon vor mehr als 350 Jahren wurde in der Baumannshöhle deutlich, dass ein Naturraum Grenzen braucht, wenn er für kommende Generationen erhalten bleiben soll.
„… Da man die verschiedenen Stalagmiten (darunter auch der wirklich verblüffend figürlich aussehende ‚Mönch‘) nicht berühren darf, sehen sie eben immer noch genauso aus wie an dem Tag, an dem sie zum ersten Male erblickt worden waren, denn ihre Veränderung, ihr weiteres Aufwachsen, braucht Jahrtausende. Für sie sind wir nur Eintagsfliegen“, formuliert Steffen Kopetzky.
Höhlenzugang gesichert
Herzog Rudolf August bestimmte, dass die Höhle ein „sonderbares Wunderwerk der Natur“ sei, in dem nichts zerstört werden dürfe. Zudem durfte kein „fremdes loses Gesindel“ die Höhle unbemerkt betreten. Um das zu erreichen, setzte er den Rübeländer Bergmann Hans Jürgen Becker als offiziellen Aufseher ein. Er gilt damit als einer der ersten Höhlenführer und Naturschützer weltweit. Da Verbote allein die Besucher nicht abhielten, ließ der Herzog zwanzig Jahre später den Höhlenzugang mit einer festen Tür sichern, um unbefugten Zutritt zu verhindern.
Die Baumannshöhle war schon vor dem Erlass überregional bekannt. 1565 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt; seit 1646 finden organisierte Führungen in der Höhle statt. Damit ist sie die älteste Schauhöhle Deutschlands. Matthäus Merians Werk „Topographia Germaniae“ widmete der Höhle zwei Texte: 1650 erschien einer im Band „Obersachsen“, vier Jahre später ein weiterer im Band „Braunschweig und Lüneburg“. Die Ausgabe von 1654 enthielt auch Kupferstiche. Eine davon zeigt das Innere der Höhle und gilt als die älteste realistische Abbildung des Inneren einer natürlichen Höhle.

Heine war in der Bielshöhle
Heinrich Heines Harzreise führte den Dichter später nach Rübeland. Er besuchte jedoch nicht die Baumannshöhle, sondern die benachbarte Bielshöhle. Steffen Kopetzky schildert diesen Besuch in seiner Harzreise und erinnert an Heines eigenwilligen Blick auf die unterirdische Welt. Heute ist die Bielshöhle für Gäste gesperrt und dient Fledermäusen als wichtiger Rückzugsraum. Auf der gegenüberliegenden Seite ist mit der Hermannshöhle seit 1890 eine zweite Schauhöhle öffentlich zugänglich.
„Ich versah mich mit einem Führer, drei Leuchtern und einer Schürze, die mich vor dem Tropfwasser schützen sollte, und wir stiegen hinab in das feuchte, dunkle Reich. Ein wunderbarer Anblick! Wir wandelten durch eine lange Reihe von unterirdischen Grotten, wo die Natur sich in den seltsamsten Gestalten und Formen versteinert hat. … Es ist eine schauerlich-schöne Unterwelt, und man atmet doch wieder freier, wenn man aus diesen düsteren Klüften heraufsteigt an das goldene Licht des Tages und das freundliche Grün der lebendigen Bäume erblickt“, schrieb Heine über seine Erkundung der Bielshöhle.
800 Meter langer Weg
Heute führt ein rund 800 Meter langer Weg durch die Baumannshöhle. Mehrere hundert Treppenstufen überwinden die Höhenunterschiede zwischen den einzelnen Hohlräumen. Mit etwa 40 mal 60 Metern ist der Goethesaal der größte Raum der Höhle; er öffnet sich wie ein unterirdischer Saalbau. Dort gibt es einen künstlichen See, den Wolfgangsee, und eine Naturbühne für Theater und Konzerte. Der Name erinnert an Johann Wolfgang von Goethe, der die Baumannshöhle auf seinen Harzreisen 1777, 1783 und 1784 besuchte und erforschte.
Fakten
Rübeländer Tropfsteinhöhlen (Harz)
38889 Oberharz am Brocken OT Rübeland
Öffnungszeiten der Baumannshöhle: täglich von 9:30 Uhr bis 15:30 Uhr.
Eintritt inklusive Führung: Erwachsene 10,50 Euro; Kinder von 4 bis 14 Jahren 7,50 Euro.
Die Bücher
Steffen Kopetzky: Die Harzreise. Eine Deutschlanderkundung (gebundene Ausgabe, 2026). Rowohlt Berlin, 23 Euro, ISBN: 978–3‑7371–0256‑8
Heinrich Heine: Die Harzreise (Reclams Universal-Bibliothek, Taschenbuch). Philipp Reclam jun., 4,80 Euro, ISBN 978–3‑15–002221‑4



