„Da fühle ich mich wohl“ als stärkste Motiva­tion

Diskutierten im Haus der Braunschweigischen Stiftungen (von links): Moderator Dr. Ulrich Brömmling, Marlies Grebe (Heimat- und Geschichtsverein für Landkreis und Stadt Holzminden e.V.), Hans-Werner Kalkmann (Kunstverein Bad Salzdetfurth e.V.) und Heino Grewe-Ibert (Triathlon Verband Niedersachsen e.V.). Foto: Haus der Braunschweigischen Stiftungen
Diskutierten im Haus der Braunschweigischen Stiftungen (von links): Moderator Dr. Ulrich Brömmling, Marlies Grebe (Heimat- und Geschichtsverein für Landkreis und Stadt Holzminden e.V.), Hans-Werner Kalkmann (Kunstverein Bad Salzdetfurth e.V.) und Heino Grewe-Ibert (Triathlon Verband Niedersachsen e.V.). Foto: Haus der Braunschweigischen Stiftungen

Wie können Vereine Mitglieder halten und neue dazuge­winnen? – Diskus­sion im Haus der Braun­schwei­gi­schen Stiftungen.

Demogra­phi­scher Wandel. Geändertes Freizeit­ver­halten. Landflucht. Facebook und WhatsApp. Dies sind nur einige von vielen Faktoren, warum Vereine beispiels­weise aus den Bereichen Sport, Heimat­ge­schichte und Kunst mit rückläu­figen Mitglie­der­zahlen zu kämpfen haben. Anläss­lich der Veran­stal­tungs­reihe 2014 im Haus der Braun­schwei­gi­schen Stiftungen referierten Marlies Grebe (Heimat- und Geschichts­verein für Landkreis und Stadt Holzminden e.V.), Heino Grewe-Ibert (Triathlon Verband Nieder­sachsen e.V.) und Hans-Werner Kalkmann (Kunst­verein Bad Salzdet­furth e.V.) über ihre Erfah­rungen bei der Mitglie­der­wer­bung. Zu Tage kamen in den lebhaften zwei Diskus­si­ons­stunden im voll besetzten Sitzungs­raum außer­ge­wöhn­liche und simple Motiva­ti­ons­mög­lich­keiten.

Bei der von Dr. Ulrich Brömmling moderierten Runde mit rund 50 Zuhörern, darunter Mitar­beiter der Braun­schwei­gi­schen Stiftungen und viele Vereins­vor­sit­zende der Region, wurde schnell offen­sicht­lich, dass sich die Zeiten geändert haben. Nach ausführ­li­chen Berichten über ihre Vereins­ar­beit auf lokaler und regio­naler Ebene illus­trierten die drei Referenten eines recht schnell: Neue Wege muss ein Verein gehen, um die Mitglieder bei der Stange zu halten – und neuen Mitglie­dern die ehren­amt­liche Arbeit schmack­haft zu machen.

„Früher wurde auch im Triath­lon­be­reich der Fokus viel zu sehr auf Talent­för­de­rung gesetzt. Das Fit-sein zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt war wichtig“, erklärt Heino Grewe-Ibert, haupt­amt­li­cher Trainer des Triathlon Verbandes Nieder­sachsen. Der Profi­trainer und Diplom-Sozial­päd­agoge ist der Leiter des von der STIFTUNG NORD/LB • ÖFFENTLICHE und dem Triathlon Verband Nieder­sachsen e.V. initi­ierten Vorzei­ge­pro­jektes TRIATH­LON­macht­Schule (TRImaS). An dem Projekt haben seit 2010 insgesamt 52 Grund­schulen im Land Braun­schweig mit 5000 Schüle­rinnen und Schüler teilge­nommen. Grewe-Ibert weiter: „Heute haben wir die Chance, in die Schulen zu gehen. In der Gemein­schaft macht Sport Spaß. Der Sport besitzt die Macht, Kinder positiv zu stärken. Und das ohne Leistungs­druck und den zum Teil hohen Erwar­tungen der Eltern. Unser Ziel ist es, Kinder zu eigen­stän­digen und starken Persön­lich­keiten zu machen.“

Auch der Heimat- und Geschichts­verein für den Landkreis und Stadt Holzminden e.V. mit 230 Mitglie­dern versucht, neue, jüngere Mitglieder für die Vereins­ar­beit zu begeis­tern, indem er inter­es­sante Programme auf die Beine stellt – auch für Jüngere. „Heimat­kunde erhält auch in den Schulen einen immer höheren Stellen­wert. Wir suchen den Kontakt zu Geschichts­leh­rern. Besonders die Archäo­logie hat auch heute noch etwas Abenteu­er­li­ches. Und so bieten wir ein spannendes Grabungs­pro­jekt an, das von einem Archäo­logen betreut wird“, so die erste Vorsit­zende Marlies Grebe. Gerade die aus dem Rahmen fallenden Vereins­an­ge­bote würden die Mitglieder begeis­tern. Grebe: „Durch unsere Weser­rad­tour ‚Landschaft lesen‘ verbinden wir Sport und Kultur. Ein Volks­kundler macht links und rechts des Weges auf die Beson­der­heiten unserer Region aufmerksam. So sehen wir unsere Heimat mit anderen Augen.“ Doch das Gemein­schafts­ge­fühl eines Vereins sei der größte Garant für Konti­nuität bei Mitglie­der­zahlen, mutmaßt Greve. „Da fühle ich mich wohl ist die stärkste Motiva­tion für das Verein­s­en­ga­ge­ment.“ Die Vereins­mit­glie­der­zahlen seien glück­li­cher­weise seit fünf Jahren konstant geblieben, so Grebe, aber „dafür mussten wir auch viel tun“.

„Wir gewinnen Mitglieder durch das, was wir in unseren Ausstel­lungen zeigen. Dabei handelt es sich um sehr hochwer­tige Kunst, die man in unserer Region nicht erwartet“, betont Hans-Werner Kalkmann vom Kunst­verein Bad Salzdet­furth, der 1991 gegründet wurde. „Unsere Lokation ist einfach auch inter­es­sant. Und das breite Spektrum der gezeigten Kunst­formen zieht Mitglieder.“ Aber auch die Künstler selbst träten in den Kunst­verein ein und seien so wichtige Multi­pli­ka­toren. Aber manchmal funktio­niere die Mitglie­der­ak­quise ganz einfach. Kalkmann: „Ich spreche die Kunst­in­ter­es­sierten direkt an. Werdet doch Mitglied bei uns.“

Nächste Veran­stal­tung:
Donnerstag, 24. April 2014, 17 Uhr
Bei knappen Ressourcen möchten Vereine und Stiftungen sicher sein, dass Projekte auch optimalen Nutzen erzielen. Welche Formen der Evalua­tion es gibt, darauf antwortet Dr. Olaf Lober­meier in seinem Vortrag: Evalua­tion – Kleines Handwerks­zeug mit großen Wirkungen.

(Um Anmeldung zur Veran­stal­tung wird gebeten)

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