Der „geschichts­ver­ges­sene“ Abt-Jerusalem-Preis 2026

Büste Abt Jerusalems in der Klosterkirche Riddagshausen. Foto: Evangelische Akademie Abt Jerusalem
Büste Abt Jerusalems in der Klosterkirche Riddagshausen. Foto: Evangelische Akademie Abt Jerusalem

Statt in der Kloster­kirche Riddags­hausen, der Wirkungs­stätte des Namens­ge­bers, findet die Verlei­hung erstmals an einem anderen Ort statt

Es ist ein unver­ständ­li­cher Bruch mit einer sinnstif­tenden Tradition. Erstmals wird der Abt-Jerusalem-Preis nicht in der Kloster­kirche Riddags­hausen verliehen. Auch das Kollo­quium findet nicht mehr im benach­barten Marketing Manage­ment Institut (MMI) statt. Die Stifter, die Evange­lisch-luthe­ri­sche Landes­kirche, die Techni­sche Univer­sität, die Braun­schwei­gi­sche Wissen­schaft­liche Gesell­schaft und die Stiftung Braun­schwei­gi­scher Kultur­be­sitz (SBK), haben sich offenbar vor allem aus Kosten­gründen für die Verlegung in die St.-Ulrici-Brüdern-Kirche und das Theolo­gi­sche Zentrum entschieden.

Als Gründe werden vor allem die Kosten von mehr als 8.000 Euro für die Raummiete im MMI genannt. Das hätte sicher besser verhan­delt werden können. Neben den Kosten sollen auch klima­ti­sche Gründe in der Kirche für die Verlegung angeführt worden sein. Es ist nämlich immer noch nicht geklärt, welche Tempe­ratur bei Veran­stal­tungen einzu­halten ist. Der neue Eigen­tümer, die SBK, befürchtet negative Auswir­kungen auf die Holzein­bauten bei zu hohen Tempe­ra­turen.

Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, von 1752 an Abt des Klosters, wurde 1789 in der Klosterkirche beigesetzt. Archivfoto: Der Löwe/Peter Sierigk
Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, von 1752 an Abt des Klosters, wurde 1789 in der Kloster­kirche beigesetzt. Archiv­foto: Der Löwe/Peter Sierigk

Wechsel kostet Authen­ti­zität

Der Umzug kostet den Abt-Jerusalem-Preis vor allem Authen­ti­zität. Die Kloster­kirche verankert den Preis sichtbar in der Geschichte der Stadt. Der Bruch mit diesem Ort nimmt der Auszeich­nung Aufmerk­sam­keit im gesell­schaft­li­chen Leben Braun­schweigs und passt überhaupt nicht zur Bedeutung, die Kloster­kirche und Klostergut für viele Menschen in Braun­schweig und im Braun­schweiger Land haben. Die neue Adresse mag zentraler sein. Sie erzählt aber nichts darüber, warum dieser Preis selbst­ver­ständ­lich in die Kloster­kirche nach Riddags­hausen gehört.

Denn der Namens­geber des Preises, Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, war von 1752 an Abt des Klosters und wurde 1789 in der Kloster­kirche beigesetzt. Seine Gründungs­idee für das Collegium Carolinum, die spätere Techni­sche Univer­sität, verband techni­sche und natur­wis­sen­schaft­liche Fächer mit den Geistes­wis­sen­schaften. An dieses Erbe knüpft der Preis ausdrück­lich an. Er zeichnet heraus­ra­gende Beiträge zum Dialog zwischen Geistes‑, Natur- und Technik­wis­sen­schaften aus und soll zugleich die Forschungs­re­gion Braun­schweig stärken.

Im Jahr 2021 wurde die Heizungsanlage erneuert. Archivfoto: Der Löwe
Im Jahr 2021 wurde die Heizungs­an­lage erneuert. Archiv­foto: Der Löwe

Erste Verlei­hung 2009

Die Preisidee entstand auf Initia­tive des damaligen Pfarrers der Kloster­kirche, Joachim Hempel, schei­terte jedoch zweimal im Landes­kir­chenamt. 2001 wurde sie mit Unter­stüt­zung des damaligen Landes­bi­schofs Friedrich Weber (1949–2015) und von Professor Joachim Klein, dem damaligen Vorsit­zenden der Braun­schwei­gi­schen Wissen­schaft­li­chen Gesell­schaft, wieder aufge­griffen. Die erste Preis­ver­lei­hung fand schließ­lich 2009 statt. Der Abt-Jerusalem-Preis sollte die Verbin­dung zwischen Jerusa­lems Wirken, der Univer­sität und dem Kloster sichtbar halten. Gerade deshalb ist es wider­sprüch­lich, wenn der Festakt nun aus der Kirche verlegt wird, in der Jerusalem begraben liegt.

Preis­trä­gerin des Abt-Jerusalem-Preises 2026 ist die Technik- und Wissen­schafts­phi­lo­so­phin Prof. Dr. Dr. Rafaela Hiller­brand vom Karls­ruher Institut für Techno­logie.

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