Statt in der Klosterkirche Riddagshausen, der Wirkungsstätte des Namensgebers, findet die Verleihung erstmals an einem anderen Ort statt
Es ist ein unverständlicher Bruch mit einer sinnstiftenden Tradition. Erstmals wird der Abt-Jerusalem-Preis nicht in der Klosterkirche Riddagshausen verliehen. Auch das Kolloquium findet nicht mehr im benachbarten Marketing Management Institut (MMI) statt. Die Stifter, die Evangelisch-lutherische Landeskirche, die Technische Universität, die Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft und die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (SBK), haben sich offenbar vor allem aus Kostengründen für die Verlegung in die St.-Ulrici-Brüdern-Kirche und das Theologische Zentrum entschieden.
Als Gründe werden vor allem die Kosten von mehr als 8.000 Euro für die Raummiete im MMI genannt. Das hätte sicher besser verhandelt werden können. Neben den Kosten sollen auch klimatische Gründe in der Kirche für die Verlegung angeführt worden sein. Es ist nämlich immer noch nicht geklärt, welche Temperatur bei Veranstaltungen einzuhalten ist. Der neue Eigentümer, die SBK, befürchtet negative Auswirkungen auf die Holzeinbauten bei zu hohen Temperaturen.

Wechsel kostet Authentizität
Der Umzug kostet den Abt-Jerusalem-Preis vor allem Authentizität. Die Klosterkirche verankert den Preis sichtbar in der Geschichte der Stadt. Der Bruch mit diesem Ort nimmt der Auszeichnung Aufmerksamkeit im gesellschaftlichen Leben Braunschweigs und passt überhaupt nicht zur Bedeutung, die Klosterkirche und Klostergut für viele Menschen in Braunschweig und im Braunschweiger Land haben. Die neue Adresse mag zentraler sein. Sie erzählt aber nichts darüber, warum dieser Preis selbstverständlich in die Klosterkirche nach Riddagshausen gehört.
Denn der Namensgeber des Preises, Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, war von 1752 an Abt des Klosters und wurde 1789 in der Klosterkirche beigesetzt. Seine Gründungsidee für das Collegium Carolinum, die spätere Technische Universität, verband technische und naturwissenschaftliche Fächer mit den Geisteswissenschaften. An dieses Erbe knüpft der Preis ausdrücklich an. Er zeichnet herausragende Beiträge zum Dialog zwischen Geistes‑, Natur- und Technikwissenschaften aus und soll zugleich die Forschungsregion Braunschweig stärken.

Erste Verleihung 2009
Die Preisidee entstand auf Initiative des damaligen Pfarrers der Klosterkirche, Joachim Hempel, scheiterte jedoch zweimal im Landeskirchenamt. 2001 wurde sie mit Unterstützung des damaligen Landesbischofs Friedrich Weber (1949–2015) und von Professor Joachim Klein, dem damaligen Vorsitzenden der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft, wieder aufgegriffen. Die erste Preisverleihung fand schließlich 2009 statt. Der Abt-Jerusalem-Preis sollte die Verbindung zwischen Jerusalems Wirken, der Universität und dem Kloster sichtbar halten. Gerade deshalb ist es widersprüchlich, wenn der Festakt nun aus der Kirche verlegt wird, in der Jerusalem begraben liegt.
Preisträgerin des Abt-Jerusalem-Preises 2026 ist die Technik- und Wissenschaftsphilosophin Prof. Dr. Dr. Rafaela Hillerbrand vom Karlsruher Institut für Technologie.
