Mehr als elf Kilometer Akten

Wiederaufbau am Augusttorplatz. Foto Stadtarchiv
Wiederaufbau am Augusttorplatz. Foto Stadtarchiv

Das Stadt­ar­chiv gewährt am 7.März einen spannenden Blick hinter die Kulissen

Alle zwei Jahre wird am bundes­weiten „Tag der Archive“ die öffent­liche Aufmerk­sam­keit auf die vielfäl­tigen gesell­schaft­li­chen Funktionen der Archive gelenkt. Das Stadt­ar­chiv Braun­schweig beteiligt sich und öffnet am 7. März von 11 bis 16 Uhr seine Türen für die Bürge­rinnen und Bürger. Der Eintritt ist frei. Angeboten werden um 11.30 Uhr, 13 Uhr und 14 Uhr Führungen durch Ausstel­lung, Magazine und Restau­rie­rungs­werk­statt. Für eine Teilnahme ist eine Anmeldung unter 0531–470 4719 oder stadtarchiv@braunschweig.de erfor­der­lich. Im Lesesaal werden Bücher, Postkarten und histo­ri­schen Stadt­an­sichten zum Verkauf angeboten.

Zerstörter Zuschauerraum des Staatstheaters. Foto: Stadtarchiv
Zerstörter Zuschau­er­raum des Staats­thea­ters. Foto: Stadt­ar­chiv

Jahrhun­der­te­alten Dokumente

Bei den Führungen können Besuche­rinnen und Besucher einen Blick in die Magazine werfen, wo die Schätze des Archivs aufbe­wahrt werden. Dort lagern mehr als elf Kilometer Akten, dazu unzählige Urkunden, Bilder, Zeitungen, Karten und Pläne – dabei versteckt sich auch manches skurrile Objekt in den Regalen. Auch die Restau­rie­rungs­werk­statt, wo die Objekte zur dauer­haften Erhaltung und Aufbe­wah­rung vorbe­reitet werden, wird gezeigt. Dort werden die mitunter jahrhun­der­te­alten Dokumente mit moderner Technik und nach aktuellen wissen­schaft­li­chen Erkennt­nissen restau­riert und konser­viert. Im Lesesaal des Stadt­ar­chivs kann man sich zudem über die Recher­che­mög­lich­keiten infor­mieren, zudem werden histo­ri­sche Postkarten, Stadt­pläne und Literatur zum Verkauf angeboten.

Das Motto des Aktions­tags lautet „Alte Heimat – neue Heimat“. Dieses Thema bietet auch in den Beständen des Stadt­ar­chivs eine Fülle von Anknüp­fungs­punkten, in den Akten finden sich unzählige Geschichten über Migration, Flucht, Ankommen, Verwur­ze­lung und den Wandel von Gemein­schaften. Es warten spannende Funde über Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten oder freiwillig eine neue gesucht haben, über das Bewahren alter Tradi­tionen in der Fremde und das Entstehen neuer Identi­täten und Kulturen.

Die englische Besatzungsmacht verlässt am 24. Januar 1958 Braunschweig. Foto: Stadtarchiv
Die englische Besat­zungs­macht verlässt am 24. Januar 1958 Braun­schweig. Foto: Stadt­ar­chiv

Ausstel­lung zur Nachkriegs­zeit

Dazu passt auch die Ausstel­lung „Neues Gesicht für eine alte Stadt – Braun­schweigs Nachkriegs­jahr­zehnte“, die das Stadt­ar­chiv noch bis Januar 2027 zeigt. Am 12. April 1945 marschierten ameri­ka­ni­sche Soldaten in Braun­schweig ein, die offizi­ellen Vertreter übergaben die Stadt an die US-Armee. Damit endeten in Braun­schweig der Zweite Weltkrieg und die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Diktatur. Dieses Ereignis vor 80 Jahren nimmt das Stadt­ar­chiv zum Anlass, in einer Kabinett­aus­stel­lung die Zeit des Kriegs­endes und Wieder­auf­baus zu betrachten. Im Zweiten Weltkrieg hatten die Alliierten 42 Luftan­griffe auf Braun­schweig geflogen, dabei waren 42 Prozent der Stadt zerstört worden, in der Innen­stadt lag der Zerstö­rungs­grad sogar bei 90 Prozent. Bei dem 1946 begon­nenen Wieder­aufbau standen die Braun­schwei­ge­rinnen und Braun­schweiger vor großen Heraus­for­de­rungen: die Verwal­tung musste neu organi­siert, die Wirtschaft neu belebt und zahllose Flücht­linge und Wohnungs­lose unter­ge­bracht werden. Daneben erwachte auch das gesell­schaft­liche und kultu­relle Leben wieder und die Stadt erhielt baulich ein vollkommen neues Gesicht.

Betreuung und Unterrichtung von Flüchtlingskindern am Sack-Bunker durch Lehramtsstudenten der Kant-Hochschule, 1947/1948. Foto: Stadtarchiv
Betreuung und Unter­rich­tung von Flücht­lings­kin­dern am Sack-Bunker durch Lehramts­stu­denten der Kant-Hochschule, 1947/1948. Foto: Stadt­ar­chiv

Erfor­schung der Famili­en­ge­schichte

Erstmals in diesem Jahr gibt es eine Koope­ra­tion mit der Arbeits­ge­mein­schaft Genea­logie Braun­schweig. Der gemein­nüt­zige Verein bietet allen Inter­es­sierten Unter­stüt­zung bei der Erfor­schung ihrer Famili­en­ge­schichte. Sie können sich ihre alten Dokumente lesen und erläutern lassen, Tipps für ihre Forschung bekommen oder Wege der Inter­net­re­cherche kennen­lernen. Gemäß dem Motto des Archiv­tags liegt ein Schwer­punkt des Beratungs­an­ge­bots auf den Möglich­keiten der Recherche in ehemals von Deutschen besie­delten Gebieten jenseits von Oder und Neiße. 

Blick vom Turm der Andreaskirche auf parkende Autos. Foto: Stadtarchiv
Blick vom Turm der Andre­as­kirche auf parkende Autos. Foto: Stadt­ar­chiv

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