Moderne Nutzung für das alte Bankhaus

Das ehemalige Bankhaus wird Ende 2027 zu neuem Leben erweckt. Foto: Der Löwe
Das ehemalige Bankhaus wird Ende 2027 zu neuem Leben erweckt. Foto: Der Löwe

Perschmann Property Manage­ment hat das Gebäude Bankplatz 6 erworben und wird es denkmal­ge­recht sanieren.

Eine mutige und überaus anspruchs­volle private Initia­tive wird einen bedeu­tenden Leerstand Braun­schweigs beheben und für Belebung der Innen­stadt sorgen: Das Famili­en­un­ter­nehmen Perschmann Property Manage­ment wird den ehema­ligen Sitz des Oberlan­des­ge­richts am Bankplatz denkmal­ge­recht sanieren und teilweise einer öffent­li­chen Nutzung zugäng­lich machen.

„Wir wollen kein Museum schaffen, sondern das Gebäude mit neuem Leben erfüllen“, sagt Julia Hidde vom Archi­tek­tur­büro HTP Hidde Archi­tekten. Gemeinsam mit ihrem Bruder Justus Perschmann hat sie das Projekt entwi­ckelt und das Baudenkmal vom Land Nieder­sachsen im Jahr 2024 erworben. Die Arbeiten im Inneren haben bereits begonnen. Schon Ende 2027 soll alles fertig sein.

Architektin Julia Hidde und Bauhistoriker Elmar Arnhold erläutern das Projekt. Foto: Der Löwe
Archi­tektin Julia Hidde und Bauhis­to­riker Elmar Arnhold erläutern das Projekt. Foto: Der Löwe

3000 Quadrat­meter überbaute Fläche

Geplant ist ein Urban Office, das den Charme denkmal­ge­schützter Archi­tektur mit zeitge­mäßer Büroqua­lität vereint. „Kleine und größere Unter­nehmen aus den Bereichen Archi­tektur, Ingenieur­wesen, Design und Kommu­ni­ka­tion sollen sich ansiedeln. So ist unser Wunsch,“ sagt Julia Hidde während unseres beein­dru­ckenden Rundgangs durch das altehr­wür­dige Gemäuer samt den massiven Tresor­räumen im Keller. Ziel sei es, Inter­es­sen­ge­mein­schaften Raum für Begegnung und Entwick­lung, für Kommu­ni­ka­tion und fachli­chen Austausch zu geben.

So soll es bald im alten Bankgebäude aussehen. Computergrafik: HTP Hidde Architekten GmbH
So soll es bald im alten Bankge­bäude aussehen. Compu­ter­grafik: HTP Hidde Archi­tekten GmbH

Ein größerer Saal wird interne und externe Veran­stal­tungen, Vorträge und Workshops ermög­li­chen. In den Geschossen laden moderne Lounge­be­reiche zum Verweilen ein. Der Zugang wird künftig nicht mehr nur über den Haupt­ein­gang vom Bankplatz aus, sondern auch über die histo­ri­sche Hofein­fahrt von der Stein­straße erfolgen. Zur Verfügung steht eine überbaute Fläche von rund 3000 Quadrat­me­tern ohne Keller.

Drohenden Dauer­leer­stand verhin­dert

Bauhis­to­riker Elmar Arnhold, der das bauhis­to­ri­schen Gutachten für das Gebäude erstellte, ist angesichts des inspi­rie­renden Vorhabens begeis­tert. „Die Initia­tive der Familie Perschmann ist ein Glücks­fall für die Stadt. Ohne sie hätte dieses bedeu­tende Baudenkmal sicher viele Jahre leer gestanden. Dabei nimmt es eine Sonder­stel­lung in Braun­schweig ein und ist für die Entwick­lung der Stadt histo­risch wegwei­send gewesen. Es war das erste große Bankge­bäude der Stadt und begrün­dete die sogenannte City-Bildung in der Innen­stadt. Denn mit dem Bankhaus entstand auch der urbane Bankplatz“, erläutert Elmar Arnhold, der auch Stadt­teil­hei­mat­pfleger Innen­stadt ist. Für den Bau des Bankhauses war seiner­zeit eine jahrhun­der­te­alte Bebauung im Weichbild Altstadt abgebro­chen worden.

Blick über den Bankplatz nach Westen mit Tankstelle vor dem Bankgebäude, vor 1971. Foto: Stadtarchiv
Blick über den Bankplatz nach Westen mit Tankstelle vor dem Bankge­bäude, vor 1971. Foto: Stadt­ar­chiv

Stil der Neore­nais­sance

„Der histo­ris­ti­sche Neubau von 1853 ist im Stil der Neore­nais­sance gestaltet. Es steht in der Tradition der Archi­tektur Karl Friedrich Schinkels. Der Architekt des Bankhauses, Friedrich Louis Simon, war ein Schüler des berühmten preußi­schen Baumeis­ters“, erläutert Elmar Arnhold. Er verweist in diesem Zusam­men­hang auf einen nicht umgesetzten Entwurf Schinkels für das Berliner Rathaus aus dem Jahr 1817, der große Ähnlich­keiten mit dem ehema­ligen Sitz zunächst der Braun­schwei­gi­sche Bank und später der Braun­schweig Hanno­ver­schen Hypothe­ken­bank (1853 – 1974) aufweist. Danach wurde das Gebäude bis 2022 vom Oberlan­des­ge­richt genutzt.

Karl Friedrich Schinkels nicht umgesetzter Entwurf für das Berliner Rathaus aus dem Jahr 1817. Foto: gemeinfrei
Karl Friedrich Schinkels nicht umgesetzter Entwurf für das Berliner Rathaus aus dem Jahr 1817. Foto: gemein­frei

Bauge­schichte bis ins 13. Jahrhun­dert

Im Zuge seines bauhis­to­ri­schen Gutach­tens wies Arnhold eine bis in das 13. Jahrhun­dert zurück­rei­chende Bauge­schichte nach. Für den Bankneubau wurde zwar ein ursprüng­lich an dieser Stelle stehendes steinernes Patri­zi­er­haus der Familie von Vechelde in der Stein­straße größten­teils abgebro­chen, aber der dreiach­sige Restbe­stand dagegen in das Bankhaus einbe­zogen. Auf den ursprüng­li­chen Keller weisen erhaltene Stein­kon­solen hin, die einst als Auflagen für Eichen­balken gedient hatten. Um das 15. Jahrhun­dert wurden die heute noch erhal­tenen Backstein-Keller­ge­wölbe gebaut. Im Jahr 1900 erfolgte ein Erwei­te­rungsbau im gleichen Stil an der Südstraße. Auch dieser Teil wird saniert.

Umbauten nach 1945 werden entfernt

„Alle Einbauten, die nach 1945 entstanden sind, werden entfernt, um die ursprüng­li­chen Materialen und Raumschnitte wieder erlebbar zu machen. In Abstim­mung mit der Denkmal­pflege wird auch das Dachge­schoss nutzbar gemacht“, beschreibt Julia Hidde das ambitio­nierte Vorhaben. Restau­riert werden sollen auch die noch größten­teils mit Teppich überklebten Holzfuß­böden, sowie der nach Entfer­nung der abgehängten Decken zum Vorschein gekommene Stuck und die noch erhal­tenen Decken­ma­le­reien. Die Sanierung zählt zu den spekta­ku­lärsten privaten Vorhaben in der Stadt. Bereits beim „Tag des offenen Denkmals“ waren alle Führungen ausge­bucht. „Der Löwe – Portal für das Braun­schwei­gi­sche“ wird den Baufort­schritt begleiten und berichten.

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