Opern­fes­tival auf Burg Warberg

Neudert spielte die Adelige Lady Harriet alias Martha. Foto: Sebastian Petersen
Neudert spielte die Adelige Lady Harriet alias Martha. Foto: Sebastian Petersen

Nach dem Erfolg mit „Martha“ haben die Planungen für die nächste Auffüh­rung in mittel­al­ter­li­chem Ambient bereits begonnen.

Jeweils 498 Zuschauer sahen Mitte September die zwei Auffüh­rungen der Oper „Martha“ im Innenhof der Burg Warberg im Landkreis Helmstedt. Schon kurz nach Vorver­kaufs­be­ginn hieß es: ausver­kauft. Das Stück von Friedrich von Flotow spielt 1710 in England. Aufge­führt wurde es bei fantas­ti­scher Abend­däm­me­rung im Burgin­nenhof. Einge­fleischte Opernfans waren sich genauso wie junge Menschen nach dem dreistün­digen Spektakel mit inter­na­tio­naler Besetzung einig: Es war eine grandiose Auffüh­rung. Die Planungen für eine neue Oper im nächsten Jahr im Schatten des mächtigen Turms (Bergfried) laufen schon auf Hochtouren.

Von vornherein als komische Oper insze­niert gab die Regis­seurin Karin Seinsche dem 1847 am Theater am Kärnt­nertor in Wien urauf­ge­führten Stück „Martha oder Der Markt zu Richmond“ eine besondere Würze. Der Kern der Geschichte ist schnell erzählt: Die Adelige Lady Harriet und ihre Vertraute Nancy mischen sich als Mägde verkleidet unter das Volk und bieten auf dem Markt­platz ihre Dienste an. Ihr Ziel ist es, sich zu verlieben. Ganz in der Tradition von Tausend-und-eine Nacht-Geschichten kommt es im Wechsel von Spiel und Liebe zu allerhand komischen Verwick­lungen, Gefühls­aus­brü­chen und Wirren.

In der Opern­auf­füh­rung, die von der Braun­schwei­gi­schen Stiftung unter­stützt wurde, sind die Zuschauer Teil der Insze­nie­rung. „Die einmalige 360 Grad Kulisse des Burghofes lässt neben der Bühne immer wieder neue Auftritts­orte der Künstler entdecken. Dieses Gesamt­werk macht die Oper auf  der Burg zu einer fantas­ti­schen Insze­nie­rung in der Region und für die Besucher zu einem beson­deren Erlebnis“, erklärte betont Anna-Magdalena Ernst, Bundes­lehr­an­stalt Burg Warberg e.V.

Einmalig sind die Opern­auf­füh­rungen auf Burg Warberg aber auch, weil stets Kinder und Jugend­liche aus dem Warberger Umland mit auf der Bühne stehen. „Der Kinder­chor Süpplingen wirkt mit, ebenso talen­tierte und preis­ge­krönte Schüler der Kreis­mu­sik­schule Helmstedt, die im Orchester spielen. Aus dem Dorf Warberg sind jedes Jahr Kinder und Jugend­liche als Statisten dabei“, berichtet Anna-Magdalena Ernst.

Für das Publikum gibt es die gesamten 180 Minuten immer Neues zu entdecken. Beispiele: Sänger rangeln unter­ein­ander. Trecker rasen auf die Bühne zu. So schnell vergessen wird den Abend auch nicht Sänger Kyongmo Seong. Einsatz pur. Der südko­rea­ni­sche Bassba­riton, der die Person Plumkett verkör­perte, spielte trotz einer gebro­chenen Schulter.

Das Opern­fes­tival auf der Burg Warberg wird mit einem neuen Stück 2016 fortge­setzt (bereits am 30. Juni und 1. Juli). Welche Oper gespielt wird, geben die Organi­sa­toren im November 2015 bekannt. „Es wird aber wieder eine Oper geben, die sich im Charakter der Burg Warberg und der ländli­chen Umgebung anpassen wird“, verspricht Anna-Magdalena Ernst. Von November an beginnt auch der Vorver­kauf.

Zur Burg Warberg: Eine Wasser­burg Warberg wird erstmalig Anfang des 13. Jahrhun­derts erwähnt. Außer einem breiten Wasser­graben verfügt das kultu­relle Erbe auch heute noch über weitest­ge­hend von außen sichtbare originale hohe Mauern, eine Torbrücke, ein Herren­haus (Palas) und einen großen Turm, der Bergfried. Burg Warberg entspricht damit zu hundert Prozent den Vorstel­lungen späterer Genera­tionen einer mittel­al­ter­li­chen Burgan­lage, obwohl im Innern verschie­dene Um- und Neubauten – besonders in der Renais­sance – statt­ge­funden haben.

Heute ist die Burg Warberg Sitz der Bundes­lehr­an­stalt Burg Warberg e.V., einer privaten Fachschule des Agrar­han­dels. Vor allem Führungs­kräfte des Landhan­dels aus Deutsch­land und Europa erweitern dort ihr Wissen. 47 modern ausge­stat­tete Hotel­zimmer bieten den Seminar­teil­neh­mern Unter­kunft. Es bleibt jedoch der Charme, in einer mittel­al­ter­li­chen Burg zu wohnen. Die Burg Warberg ist darüber hinaus eine Plattform für kultu­relles Leben in der Region. Das Wahrzei­chen ist vollständig restau­riert und verdankt den guten Erhalt der Burga­nalage der konti­nu­ier­li­chen Nutzung verschie­denster Art.

Veran­stal­tungen

Ernte­dank­markt, 4. Oktober 2015, ab 11 Uhr

Konzert Merry Christmas, 5. Dezember 2015, ab 15 Uhr

 

Weitere Infor­ma­tionen und Termine unter www.burg-warberg.de

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