Eine wunder­bare Win-Win-Situation

Vorlesen schafft Nähe. Foto: shutterstock
Vorlesen schafft Nähe. Foto: shutterstock

Neue Kampagne des Jugend­amts Peine für das Vorlesen: Kinder lernen, Eltern entspannen.

Kinder, denen regel­mäßig vorge­lesen wird, werden in ihrem späteren Leben bessere Bildungs­chancen und damit bessere Berufs­per­spek­tiven haben. Darüber ist sich die Wissen­schaft längst einig. Umso erstaun­li­cher ist es, dass laut einer reprä­sen­ta­tiven Umfrage der Stiftung Lesen erschre­ckende 32 Prozent der Zwei- bis Achtjäh­rigen in Deutsch­land höchstens einmal pro Woche oder gar nie vorge­lesen bekommen. Die daraus entste­henden intel­lek­tu­ellen und auch sozialen Defizite erschweren ihnen schon den Einstieg in das Schul­leben. Dagegen steht im Landkreis Peine jetzt die Initia­tive „Heute schon Ihrem Kind vorge­lesen?“ des Jugend­amts Peine mit unter anderem der Unter­stüt­zung der Erich Mundstock Stiftung.

Das Konzept baut auf der der Kampagne „Heute schon mit Ihrem Kind gespro­chen?“ auf, die das Jugendamt bereits 2018 ebenfalls mit finan­zi­eller Förderung der Erich Mundstock Stiftung erfolg­reich umgesetzt hat. Damals lag der Fokus auf der sensiblen Medien­nut­zung Erwach­sener im Beisein von Kindern. Diesmal wird die Wichtig­keit des Vorlesens für die kindliche Entwick­lung heraus­ge­stellt. Der Impuls kam aus dem Arbeits­kreis Medien­kom­pe­tenz des Präven­ti­ons­rates Peine. Die Koordi­na­tion des dreimo­na­tigen Projekts liegt beim Kinder- und Jugend­schutz des Jugend­amtes im Landkreis Peine.

Vorlesen bringt Nähe

Kampagnenplakat. Foto: Landkreis Peine
Kampa­gnen­plakat. Foto: Landkreis Peine

Vorlesen bringt übrigens nicht nur einen erheb­li­chen Mehrwert für die Kinder. Auch die Eltern profi­tieren. Das Vorlesen verschafft ihnen eine Phase der Entschleu­ni­gung im Alltag, eine Zeit der aktiven Ruhe und Erholung. Dazu verstärkt es die Bindung zu ihrem Kind. Vorlesen vermit­telt den Kindern körper­liche, geistige und seelische Nähe. Sie werden mit dem Gefühl der Gebor­gen­heit, der Aufmerk­sam­keit und gemein­samer Zeit beschenkt. Vorlesen ist eine wunder­bare Win-Win-Situation. Es vermit­telt den Kindern körper­liche, geistige und seelische Nähe.

Die Zielgruppe des Projekts ergibt sich aus den weiteren Ergeb­nissen der Stiftung Lesen. Darin heißt es unter anderem das Kindern tenden­ziell weniger vorge­lesen wird, wenn die Eltern ein niedriges Bildungs­ni­veau haben, die Eltern einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund haben, die Mütter nicht berufs­tätig sind, die Kinder viele Geschwister haben und/oder das Haushalts­ein­kommen niedrig ist. Um möglichst viele Familien zu erreichen, wurde der Kreis der Koope­ra­ti­ons­partner erweitert. Dazu zählen unter anderem auch der Migra­ti­ons­dienst des Caritas­ver­bands, das Lokale Bündnis für Familie und der Kinder­schutz­bund.

Das Konzept umfasst neben Aktionen, Angeboten und Veran­stal­tungen für die Zielgruppe vor allem auch Öffent­lich­keits­ar­beit. Dazu zählt auch die großflä­chige Vertei­lung von Motiv­pla­katen in Kitas und Grund­schulen, bei Kinder­ärzten und Logopäden, in Sport­hallen und Schwimm­bä­dern. Dazu fährt ein mit dem Kampa­gnen­motiv beklebter Linienbus durch Stadt und Kreis. Mit 1000 kostenlos verteilten Pixi-Büchern sollen Eltern nieder­schwellig motiviert werden, ihren Kindern vorzu­lesen.

Mehr als Wissens­ver­mitt­lung

Vorlesen steigert auch die Konzen­tra­tions- und Wahrneh­mungs­fä­hig­keit der Kinder in einer zunehmend von digitalen Einflüssen geprägten Medien­welt. Vorlesen hat neben der reinen Wissens­ver­mitt­lung auch eine nicht zu unter­schät­zende emotio­nale Kompo­nente. „Nur Kinder, die tiefe Wurzeln in einer vertrau­ens­vollen Bindung zu ihren Eltern bilden konnten, entwi­ckeln sich eigen­ständig und selbst­be­wusst“, wird der kanadi­sche Entwick­lungs­psy­cho­loge Dr. Gorden Neufeld in dem Konzept zitiert.

Kontakt:

Landkreis Peine
Jugendamt / Kinder- und Jugend­schutz
Heike Kubow
Burgstr. 1
31224 Peine

Telefon: 05171 /401 1267
E‑Mail: h.kubow@landkreis-peine.de

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