Endlich: Rückkehr nach 80 Jahren

Gastwirt Sven Stöhr, Mumme-Wirt Andreas Beinhorn und Gästeführer Thomas Ostwald testen das Mumme-Bier vom Fass. Foto: der Löwe
Gastwirt Sven Stöhr, Mumme-Wirt Andreas Beinhorn und Gästeführer Thomas Ostwald testen das Mumme-Bier vom Fass. Foto: der Löwe

Das urtüm­liche Mumme-Bier wird wieder in einer Braun­schweiger Gaststätte vom Fass gezapft

Seit wenigen Wochen gibt es in Braun­schweig erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder das berühmte Mumme-Bier vom Fass in einem Lokal, dem „Friedrich der II.“ im Magni­viertel. Eine gemein­same Aktion von Gäste­führer Thomas Ostwald, Mumme-Wirt Andreas Beinhorn und Gastwirt Sven Stöhr hat die Rückkehr nach 80 Jahren ermög­licht. „Das Interesse, das Mumme-Bier zu probieren, ist bei den Gästen groß. Wenn sie es getrunken haben, ist jegliche Skepsis verloren. Die Historie und die Regio­na­lität begeis­tern viele“, sagt Sven Stöhr.

Ist Guiness nachge­macht?

Das Mumme-Bier wird von der National-Jürgens-Brauerei im Auftrag des Mumme-Wirts Beinhorn gebraut. Ausge­schenkt wird es in den Größen 0,25 und 0,5 Liter. Es ist dunkel, etwas zähflüs­siger als Pils, seine Blume ist grobpo­riger und mit 5,4 Prozent auch etwas alkohol­hal­tiger. Und es schmeckt, ist süffig, fast lieblich. Der Legende nach soll sogar das weltbe­kannte irische Guiness 1759 in Dublin seinen Ursprung im Braun­schweiger Mumme-Bier haben. Danach soll ein Braun­schweiger das geheime Rezept unter der Hand an einen briti­schen Offizier verhökert haben. Eine Ähnlich­keit zum Mumme-Bier ist nicht von der Hand zu weisen.

Ersterwäh­nung im Jahr 1390

Mumme-Bier ist erstmals 1390 im Steuer­buch der Neustadt erwähnt worden. Es wurde sogar über die Oker, die Aller und die Weser in andere Städte verkauft. Aber tatsäch­lich wurde lediglich die Mumme selbst, also der Malzex­trakt ohne Alkohol, an Bord von Segel­schiffen mitge­führt, um Skorbut und andere Mangel­er­schei­nungen zu verhin­dern. „Es ist ein Irrglaube, dass Mumme-Bier verschifft wurde. Ein monate­langer Transport in Holzfäs­sern an Bord von Segel­schiffen, ohne dass das Bier ‚umgekippt‘ wäre, war definitiv unmöglich. Es war nicht haltbar“, weiß Thomas Ostwald. Das belegen nicht zuletzt seine Versuche in der hausei­genen Küche.

Ein Glas Mumme-Bier. Foto: privat.
Ein Glas Mumme-Bier. Foto: privat.

Christian Mumme gab es nicht

Und auch mit einer zweiten Mär räumt Hobby­his­to­riker Ostwald auf. Einen Braumeister namens Christian Mumme, der das Bier angeblich 1492 erstmals gebraut haben soll, gab es nicht. Das belegen die Gilde­rollen. Und er wäre ja ohnehin auch einhun­dert Jahre zu spät dran gewesen. Mumme-Bier erfreute sich da längst großer Beliebt­heit. Im 17. Jahrhun­dert gab es in Braun­schweige sage und schreibe 354 Brauer, die Mumme-Bier herstellten. Aller­dings die meisten im Neben­er­werb.

Broschüre kommt im Mai

Seit vielen Jahren beschäf­tigt sich Thomas Ostwald mit der Mumme. Seine in der Stadt­bi­blio­thek und im Stadt­ar­chiv gesam­melten Fakten und Dokumente veröf­fent­lichte er bereits 2019 vor dem Hinter­grund seiner Erleb­nis­füh­rungen als Mumme-Braumeister. Die kosten­lose Broschüre wird in zweiter Auflage Ende April, Anfang Mai wieder in der Tourist-Info Braun­schweig und im „Friedrich der II“. kostenlos erhält­lich sein.

Braue­reien ausge­bombt

Das Mumme-Bier verschwand in der Nachkriegs­zeit für viele Jahrzehnte vollkommen vom Markt, weil die beiden Braue­reien, Steger mit seinem ehema­ligen Mumme-Haus am Alten Petritore und Nettel­beck mit seinem Mumme-Haus am Bäcker­klint, dem Bomben­hagel des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fielen. Steger braute noch bis 1954 Bier, aber kein Mumme-Bier mehr. Nettel­beck hatte sein Rezept bereits 1954 an die Firma Basilius verkauft.

Bald auch Mumme-Korn?

Basilius begann aber erst 1996 wieder, Mumme-Bier nach altem Rezept brauen lassen. Es gab das malzige und dunkle Bier aber nur in Flaschen, vom Fass lediglich bei der Mumme-Genuss­meile im November und auf dem Weihnachts­markt beim Mumme-Wirt Andreas Beinhorn. „Mumme-Produkte sind gefragt. Aktuell bin ich im Gespräch mit der Sülfelder Gutshof-Brennerei, um einen mit Mumme verfei­nerten Korn herstellen zu lassen“, berichtet Andreas Beinhorn.

Längst gibt es eine Fülle anderer Mumme-Spezia­li­täten von diversen Anbietern. Mumme-Boltchen, Mumme-Mettwurst, Mumme braten, Mumme-Käse, Mumme-Senf und mehr. Es ist also nur folge­richtig, dass es endlich auch Mumme-Bier wieder in einer hiesigen Gaststätte vom Fass gibt. Diese Tradition hat Braun­schweig zu lange gefehlt.

Das könnte Sie auch interessieren