Arbeits­markt und Stadt­fi­nanzen nachhaltig gestärkt

Ferdinand Piëch erhielt die Ehrenbürgerurkunde aus den Händen des damaligen Oberbürgermeisters Gert Hoffmann. Foto: der Löwe
Ferdinand Piëch erhielt die Ehrenbürgerurkunde aus den Händen des damaligen Oberbürgermeisters Gert Hoffmann. Foto: der Löwe

Ehren­bürger der Stadt Braun­schweig, Folge 7: Ferdinand Piëch

Als der damalige Aufsichts­rats­vor­sit­zende der Volks­wagen AG, Prof. Dr. Ferdinand Piëch (1937 – 2019), die Ehren­bür­ger­würde der Stadt Braun­schweig erhalten sollte, folgte reflex­artig Kritik. Die Ratsfrak­tionen der Grünen meinte, dass eine solche Ehren­bür­ger­schaft nur für besondere Leistungen und den heraus­ra­genden Einsatz eines Menschen für die Stadt Braun­schweig verliehen werden sollte. „Unter einem Ehren­bürger oder einer Ehren­bür­gerin stellen wir uns jemanden vor, der persön­lich mit ganzem Herzen und voller Leiden­schaft in und für Braun­schweig wirkt“, hieß es damals zur Verlei­hung im Februar 2014. Zum Glück ließ sich niemand von solchen weit herge­holten Sätzen in Bezug auf den nach Heinrich Nordhoff (1899 – 1968) wohl bedeu­tendsten Lenker des VW-Konzerns beein­dru­cken.

Stadt nachhaltig gestärkt

Piëch erhielt die Ehren­bür­ger­ur­kunde im Februar 2014 aus den Händen des damaligen Oberbür­ger­meis­ters Dr. Gert Hoffmann. Piëch war von 1993 bis 2002 Vorstands­vor­sit­zender der Volks­wagen AG und danach bis zum Jahr 2015 deren Aufsichts­rats­vor­sit­zender. In dieser Zeit machte er sich um die Entwick­lung des Unter­neh­mens­stand­orts Braun­schweig verdient. Unter seiner Leitung wurden das Kompo­nen­ten­werk Braun­schweig und die VW-Financial Services AG als Teil des VW-Konzerns ausgebaut. Ferdinand Piëch steht für positive Verän­de­rungen, die Braun­schweig nachhaltig auf dem Arbeits­markt und bis heute bei den städti­schen Finanzen stärken.

Darüber hinaus engagierte sich Ferdinand Piëch für den Aufschwung Braun­schweigs zum bedeu­tenden Wissen­schafts- und Forschungs­stadt. Insbe­son­dere bei der Ansied­lung des Nieder­säch­si­schen Forschungs­zen­trums für Fahrzeug­technik und beim Ausbau des Forschungs­flug­ha­fens machte er seinen Einfluss entschei­dend geltend. Zusätz­lich brachte er sich beim Bau der Volks­wagen Halle ein. Piëch hatte Freude an der seiner­zeitig so positiven Entwick­lung Braun­schweigs, die er mit unter­stützt hatte. Er brachte das in seiner Dankes­rede anerken­nend zum Ausdruck. Die Ehren­bür­ger­würde wurde ihm als überzeugten Braun­schweiger mehr als verdient zuteil.

Besonders schön in Braun­schweig

Eine Beson­der­heit wurde dabei zusätz­lich berück­sich­tigt, die eine bisher einmalige Beziehung eines Konzern­chefs von Volks­wagen zu Braun­schweig darstellte. Die Familie Piëch nahm von 1997 bis zum Jahre 2002 ihren Wohnsitz in Braun­schweig. Ferdinand Piëch und seine Ehefrau Ursula sprachen über ihre Braun­schweiger Jahre rückbli­ckend als eine besonders schöne und einpräg­same Zeit. Sie unter­stri­chen stets ihre besondere Beziehung und Verbin­dung zu Braun­schweig.

Ferdinand Piëch wurde am 17. April 1937 in Wien als drittes von vier Kindern des Rechts­an­walts Dr. Anton Piëch (1894–1952) geboren. Sein Großvater mütter­li­cher­seits war der Autopio­nier Ferdinand Porsche, der seinen Enkel maßgeb­lich prägte, für den Motor­sport und die Entwick­lung von Automo­bilen prägte. Nach dem Abitur studierte Ferdinand Piëch von 1958 an in Zürich ein Maschi­nenbau. Seine Diplom­ar­beit beschäf­tigte sich mit der Entwick­lung eines Formel-1-Motors abschloss.

Sieger in Le Mans

1963 begann er seine beruf­liche Karriere unter seinem Onkel Ferry Porsche bei der Porsche KG in Zuffen­hausen. Von 1965 an leitete er dort die Entwick­lungs­ab­tei­lung und 1971 wurde er Techni­scher Geschäfts­führer. Sein größter Wurf während der Zeit bei Porsche war der Rennwagen 917, mit dem das Stutt­garter Unter­nehmen beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans gewann (1970).

Von 1972 an arbeitete Ferdinand Piëch bei der VW-Tochter­ge­sell­schaft Audi AG in Ingol­stadt. Dort leitete er die techni­sche Entwick­lung und wurde 1975 zum Vorstands­mit­glied. 1993 wurde Piëch vom Volks­wagen-Konzern, der damals hohe Verluste erwirt­schaf­tete, als Retter nach Wolfsburg geholt und wurde Vorstands­vor­sit­zender. Mit umfang­rei­chen Umstruk­tu­rie­rungs- und Ratio­na­li­sie­rungs­maß­nahmen zur Kosten­sen­kung gelang es ihm, den Konzern zurück in die Gewinn­zone zu führen. Er entwi­ckelte Volks­wagen zu einem Weltkon­zern mit zwölf Marken, darunter VW, Audi, Porsche, Skoda, Seat, Bugatti, Bentley, Lambor­ghini und der Motor­rad­her­steller Ducati.

Ursprung im „Vorwerk“

Bei der Verlei­hung der Ehren­bür­ger­würde wies der damalige Oberbür­ger­meister Hoffmann auf die histo­ri­sche Verbin­dung zwischen Braun­schweig und Volks­wagen hin. Das Volks­wa­gen­werk Braun­schweig ist der älteste Standort der Volks­wagen AG. Es wurde im Februar 1938 als sogenanntes „Vorwerk“ zur Ausbil­dung von Fachar­bei­tern errichtet. Daran erinnert bis heute die sogenannte Vorwerk­sied­lung im Stadtteil Rühme. Später, am 26. Mai 1938, wurde die erste Produk­ti­ons­stätte im damaligen Aller­büttel nahe Fallers­leben gegründet, und es entstand die Stadt des KdF-Wagens (seit 1945 Wolfsburg).

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