Der Künstler Bodo Kampmann, der von 1954 bis 1978 an der Werkkunstschule und Kunsthochschule in Braunschweig wirkte, bewegte sich sein Leben lang zwischen den Extremen der gegenständlichen und abstrakten Kunst. Seine Ausdrucksstärke lag dabei in der Reduzierung von Formen auf wenige Konturen, er kondensierte menschliche oder tierische Körper auf das Wesentliche.
Kampmann begab sich also auch in die Tierwelt und reihte sich damit in die Riege jener Künstler ein, die nach dem Zweiten Weltkrieg vermehrt Tiere in den Blick nahmen.
Rinder und Kühe oder Rindviecher
Der Stier hat in der Mythologie eine fest umrissene Symbolik. Er steht für Kraft, Stärke, Ausdauer, Fruchtbarkeit und Männlichkeit. In Kampmanns Werk kommen einige Stiere vor.
Hervorzuheben ist hier ein schlanker, aber doch starker Stier aus dem Jahr 1953, mit dem Kampmann gleich zu Beginn seiner Karriere in Braunschweig punktete. Die gegossene Plastik ist zzt. in der Ausstellung im Städtischen Museum gleich in zwei Ausführungen zu sehen. In einer Pressemitteilung zu Kampmanns Amtsantritt hieß es: „Besonders vielseitig präsentiert sich Bodo Kampmann mit seinen Kunst‑, Gold- und Silberschmiedearbeiten sowie mit zwei klar durchgeformten Plastiken. Besonders die Bronze des stehenden Stiers, an Mataré erinnernd, weist sein Talent aus.“ Mit Ewald Mataré verglichen zu werden, gleicht einem Ritterschlag in puncto Metallplastik.

Auch Kühe gehören zu Kampmanns Motivrepertoire. Sie werden gerade nach dem Krieg gern als Symbol für friedliche Zeiten verwendet. „Kühe als biblisches Zeichen für die fetten Jahre sind ein Bild für Wohlstand und Frieden.“ Besonders ausdrucksvoll ist diese träge, voluminös wirkende Kuh aus zwei Kupferblechen, die auf einer hellen Holzplinte befestigt ist. (1. Foto oben)
Hähne und Hühner oder Federvieh
Sie spielen im Werk von Bodo Kampmann eine große Rolle und tauchen in seinem Lebenswerk einige Male auf. Als uraltes Sinnbild des Lichts und der Auferstehung gilt der Hahn als ein wichtiges christliches Symbol.
Der in Braunschweig bekannteste Hahn ist der auf der Petrikirche an der gleichnamigen Straße. Der dreieinhalb Meter hohe und zwei Meter lange Hahn zählt zu den Wahrzeichen Braunschweigs, denn beinahe jedermann kennt ihn.
Das Besondere an dem eindrucksvollen, nach Westen blickenden Hahn sind sein vergoldeter Kamm und der Sporn. Zwei Monate arbeitete Kampmann zusammen mit einem Mitarbeiter an diesem kupfernen Hahn, bis er am 9. Oktober 1970 auf den 68 Meter hohen Kirchturm gehievt wurde.

Das Huhn von 1959, im Städtischen Museum Braunschweig in der Dauerausstellung zu sehen, ist gestalterisch eine der massiveren Bronzen Kampmanns. Auf einem Foto ist es noch mit Ei zu sehen, im Museum fehlt es. Mit dieser Plastik findet seine Abstraktion mit wenigen anderen Exponaten seinen Höhepunkt. Das Typische eines Huhns ist bei ansonsten absoluter Reduzierung eindrucksvoll herausgearbeitet.
Eulen
Eulen gelten gemeinhin als klug, weise und belesen. Vielleicht hat Bodo Kampmann deshalb diese Vögel für die Fassade einer Schule entworfen. Im Jahr 1957 bestückt er die Volksschule in der Isoldestraßemit den fünf sympathischen Figuren.

Zu einer von Kampmanns ausdrucksstärksten Figuren zählt eine große Eule aus Kupfer. Sie ist formal sehr reduziert – so wenig wie möglich und so viel wie nötig. Das runde Eulengesicht braucht nichts als die Andeutung des Schnabels und die Vertiefungen der Augen.

Löwen
In der „Löwenstadt“ Braunschweig dürfen natürlich die Löwen nicht fehlen. Auch hier hat Bodo Kampmann geliefert, und zwar sogar genau im städtischen Kontext. Er hat nämlich einige Plaketten für „Besondere Verdienste für die Stadt Braunschweig“ entworfen oder wie hier auf dem Foto einen stolzen Löwen für einen Jugendwettbewerb in Wolfsburg.

Weitere Exponate mit Löwen- und anderen Tiermotiven können Besucher:innen der Ausstellung „Bodo Kampmann – Bildhauer und Goldschmied“ entdecken, die noch bis zum 28. Februar zu sehen ist.
Die Monografie über den Künstler Bodo Kampmann von Bärbel Mäkeler ist bei Borek am Dom, im Städtischen Museum am Löwenwall und am Altstadtmarkt sowie im lokalen Bucheinzelhandel für 22 Euro zu erwerben.



