Bodo Kampmann und die Tierwelt

Bodo Kampmann, Kuh. Foto: Dr. Dorothee Dersch
Bodo Kampmann, Kuh. Foto: Dr. Dorothee Dersch

Der Künstler Bodo Kampmann, der von 1954 bis 1978 an der Werkkunst­schule und Kunst­hoch­schule in Braun­schweig wirkte, bewegte sich sein Leben lang zwischen den Extremen der gegen­ständ­li­chen und abstrakten Kunst. Seine Ausdrucks­stärke lag dabei in der Reduzie­rung von Formen auf wenige Konturen, er konden­sierte mensch­liche oder tierische Körper auf das Wesent­liche.

Kampmann begab sich also auch in die Tierwelt und reihte sich damit in die Riege jener Künstler ein, die nach dem Zweiten Weltkrieg vermehrt Tiere in den Blick nahmen.

Rinder und Kühe oder Rindvie­cher

Der Stier hat in der Mytho­logie eine fest umrissene Symbolik. Er steht für Kraft, Stärke, Ausdauer, Frucht­bar­keit und Männlich­keit. In Kampmanns Werk kommen einige Stiere vor.

Hervor­zu­heben ist hier ein schlanker, aber doch starker Stier aus dem Jahr 1953, mit dem Kampmann gleich zu Beginn seiner Karriere in Braun­schweig punktete. Die gegossene Plastik ist zzt. in der Ausstel­lung im Städti­schen Museum gleich in zwei Ausfüh­rungen zu sehen. In einer Presse­mit­tei­lung zu Kampmanns Amtsan­tritt hieß es: „Besonders vielseitig präsen­tiert sich Bodo Kampmann mit seinen Kunst‑, Gold- und Silber­schmie­de­ar­beiten sowie mit zwei klar durch­ge­formten Plastiken. Besonders die Bronze des stehenden Stiers, an Mataré erinnernd, weist sein Talent aus.“ Mit Ewald Mataré vergli­chen zu werden, gleicht einem Ritter­schlag in puncto Metall­plastik.

Bodo Kampmann, Stier. Foto: Familienarchiv Kampmann
Bodo Kampmann, Stier. Foto: Famili­en­ar­chiv Kampmann

Auch Kühe gehören zu Kampmanns Motiv­re­per­toire. Sie werden gerade nach dem Krieg gern als Symbol für fried­liche Zeiten verwendet. „Kühe als bibli­sches Zeichen für die fetten Jahre sind ein Bild für Wohlstand und Frieden.“ Besonders ausdrucks­voll ist diese träge, voluminös wirkende Kuh aus zwei Kupfer­ble­chen, die auf einer hellen Holzplinte befestigt ist.  (1. Foto oben)

Hähne und Hühner oder Federvieh

Sie spielen im Werk von Bodo Kampmann eine große Rolle und tauchen in seinem Lebens­werk einige Male auf. Als uraltes Sinnbild des Lichts und der Aufer­ste­hung gilt der Hahn als ein wichtiges christ­li­ches Symbol.

Der in Braun­schweig bekann­teste Hahn ist der auf der Petri­kirche an der gleich­na­migen Straße. Der dreiein­halb Meter hohe und zwei Meter lange Hahn zählt zu den Wahrzei­chen Braun­schweigs, denn beinahe jedermann kennt ihn.

Das Besondere an dem eindrucks­vollen, nach Westen blickenden Hahn sind sein vergol­deter Kamm und der Sporn. Zwei Monate arbeitete Kampmann zusammen mit einem Mitar­beiter an diesem kupfernen Hahn, bis er am 9. Oktober 1970 auf den 68 Meter hohen Kirchturm gehievt wurde.

Bodo Kampmann, Huhn mit Ei. Foto: Familienarchiv Kampmann
Bodo Kampmann, Huhn mit Ei. Foto: Famili­en­ar­chiv Kampmann

Das Huhn von 1959, im Städti­schen Museum Braun­schweig in der Dauer­aus­stel­lung zu sehen, ist gestal­te­risch eine der massi­veren Bronzen Kampmanns. Auf einem Foto ist es noch mit Ei zu sehen, im Museum fehlt es. Mit dieser Plastik  findet seine Abstrak­tion mit wenigen anderen Exponaten seinen Höhepunkt. Das Typische eines Huhns ist bei ansonsten absoluter Reduzie­rung eindrucks­voll heraus­ge­ar­beitet.

Eulen

Eulen gelten gemeinhin als klug, weise und belesen. Vielleicht hat Bodo Kampmann deshalb diese Vögel für die Fassade einer Schule entworfen. Im Jahr 1957 bestückt er die Volks­schule in der Isolde­stra­ßemit den fünf sympa­thi­schen Figuren.

Bodo Kampmann, Eulen. Standort Isoldestraße. Foto: Bärbel Mäkeler
Bodo Kampmann, Eulen. Standort Isolde­straße. Foto: Bärbel Mäkeler

Zu einer von Kampmanns ausdrucks­stärksten Figuren zählt eine große Eule aus Kupfer. Sie ist formal sehr reduziert – so wenig wie möglich und so viel wie nötig. Das runde Eulen­ge­sicht braucht nichts als die Andeutung des Schnabels und die Vertie­fungen der Augen.

Bodo Kampmann, Eule. Foto: Bärbel Mäkeler
Bodo Kampmann, Eule. Foto: Bärbel Mäkeler

Löwen

In der „Löwen­stadt“ Braun­schweig dürfen natürlich die Löwen nicht fehlen. Auch hier hat Bodo Kampmann geliefert, und zwar sogar genau im städti­schen Kontext. Er hat nämlich einige Plaketten für „Besondere Verdienste für die Stadt Braun­schweig“ entworfen oder wie hier auf dem Foto einen stolzen Löwen für einen Jugend­wett­be­werb in Wolfsburg.

Bodo Kampmann, Löwen-Plakette. Foto: Wolf Karnagel
Bodo Kampmann, Löwen-Plakette. Foto: Wolf Karnagel

Weitere Exponate mit Löwen- und anderen Tiermo­tiven können Besucher:innen der Ausstel­lung „Bodo Kampmann – Bildhauer und Goldschmied“ entdecken, die noch bis zum 28. Februar zu sehen ist.

Die Monografie über den Künstler Bodo Kampmann von Bärbel Mäkeler ist bei Borek am Dom, im Städti­schen Museum am Löwenwall und am Altstadt­markt sowie im lokalen Buchein­zel­handel für 22 Euro zu erwerben.

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