Gerd Winner starb am 8. April im Alter von 89 Jahren an seinem Wohnort in Liebenburg
Die Darstellung von Städten hat eine lange Geschichte in der bildenden Kunst. In dieser Tradition war auch der international anerkannte Maler und Grafiker Gerd Winner verankert. Seine Suiten „Berlin I‑IV“ „London Transport“, „London Docks“, „Roadmarks“ oder „New York Times Square“ machten ihn in der internationalen Kunstszene populär. Seine Arbeiten finden sich in so renommierten Sammlungen wie des Museums of Modern Art in New York, des Victoria and Albert Museums in London, der Albertina in Wien, der Nationalgalerie in Berlin oder der Kunsthalle Hamburg und natürlich auch in Braunschweig im Städtischen Museum und im Herzog Anton Ulrich-Museum. Der gebürtigen Braunschweiger starb am 8. April im Alter von 89 Jahren an seinem Wohnort in Liebenburg. Am 24. April wird er in Braunschweig auf dem Katholischen Friedhof beerdigt.
„In den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges wurde Braunschweig, die Stadt meiner Kindheit, zerstört. Die roten Nächte der Feuersbrunst gehören zu den nachhaltigen Eindrücken, die meine Sensibilität für das Phänomen Stadt begründen“, schilderte Gerd Winner in dem im Jahr 2006 von der Stadt Braunschweig herausgegebenen Kunstband „Gerd Winner – Urbane Strukturen Braunschweig. Berlin. New York“ seine lebenslange Faszination und Auseinandersetzung mit Stadtbildern und Stadträumen.
Inventur eines Künstlerlebens
Seine Arbeiten waren groß, bunt, mächtig und in ihrer Ausführung speziell. Gerade in den Anfängen zählten seine Werke zum Genre der Pop Art. Überaus beeindruckend war seine Retrospektive anlässlich seines 80. Geburtstags im Jahr 2016 im Städtischen Museum mit 150 Gemälde, Druckgraphiken, Zeichnungen und Skulpturen aus allen Schaffensperioden. Winner selbst nannte die umfassendste Präsentation seiner Arbeiten „Inventur eines Künstlerlebens“. 131 seiner Werke führt die Homepage des weltbekannten Museums Tate Gallery of Modern Art in London (https://www.tate.org.uk/) auf.
„Wie kein anderer Künstler hat er sich so intensiv und ausschließlich über weit mehr als dreißig Jahren mit der Stadt auseinandergesetzt und gezeigt, dass sie ein unerschöpfliches Reservoir für Bilder ist. Am Anfang Lastwagen, Omnibusse, dann Ansichten von Speichern wie denen der London Docks oder solcher in New York, … und immer wieder das Durchsuchen der Stadt nach ihren Organisationsstrukturen, wie sie sich in ihrer Ausstattung mit vielfachen Zeichen und Gebrauchsspuren darstellt“, beschrieb Lothar Romain, damals Präsident der Universität der Bildenden Künste in Berlin, im Jahr 2005 Winners Arbeiten zur Eröffnung einer Ausstellung in Osnabrück.

Überblendung als Markenzeichen
Nach seiner Schulzeit in der Volksschule Bültenweg und dem Gymnasium Raabeschule ging er zum Studium nach Berlin an die dortige Hochschule für Bildende Künste (1956 – 1962), später folgten prägende Arbeitsaufenthalte in London und New York. 1972 wurde ihm der Deutsche Kritikerpreis für Bildende Kunst verliehen. Weitere Preise folgten. Seit 1964 war Winner als freischaffender Maler und Grafiker in Berlin tätig. Von 1975 bis 2002 wirkte er als Professor für Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste München. Internationale Anerkennung erntete er für seine großen, fotobasierten Siebdruckzyklen zu Berlin, London und New York. Die Überblendung mehrerer Motive wurden Markenzeichen Winners. Bereits bei frühen Arbeiten dienten Kameraaufnahmen als Basis für seine Werke.
Im Jahr 2003 veröffentlichte die Braunschweiger Zeitung den Kunstband „Braunschweig – unsere Stadt“ mit Fotoarbeiten aus Winners Heimatstadt. Auf Initiative von Eckhard Schimpf, damals stellvertretender Chefredakteur, entstand dieses für Braunschweiger hervorragende Buch mit Winners beeindruckenden künstlerischen Darstellungen von Dom, Gewandhaus, Schloss Richmond oder Haus Salve Hospes und Schimpfs Texten. Heute ist es nur noch antiquarisch erhältlich.
„Haus der Stille“ in Bergen-Belsen
Winner befasste sich auch mit sakraler Kunst und Skulpturen. Für die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen schuf er gemeinsam mit seiner ersten Frau Ingwemar Reuter, die 1998 an den Folgen eines Autounfalls starb, das „Haus der Stille“. Weil kein Gebäude des Konzentrationslagers mehr steht, wurde es im Jahr 2000 als Ort der Besinnung eingeweiht. Mit „Jakobsleiter“ (2005) und „Schwerter zu Pflugscharen“ (2018) ist Winner mit zwei Plastiken auf dem Skulpturenweg in Salzgitter-Bad im Rahmen der „Europäischen Straße des Friedens“ vertreten. Im Jahr 2018 wurde Winners Figuration des Heiligen Geistes von der damals noch existierenden Paramentenwerkstatt der von Veltheim-Stiftung in Helmstedt in einen überdimensionierten Altarschmuck verwandelt. In seinem Bild hatte Winner verschiedene biblische Textstellen vereint.
Braunschweig trauert um einen seiner größten Künstler der Nachkriegszeit. Gerd Winner war nicht nur ein herausragender Künstler, sondern auch ein sympathischer, bescheidener, bodenständiger und den Menschen überaus freundlich zugewandter Mann. Er hinterlässt seine Frau Martina und Sohn Marian. Er wird unvergessen bleiben.






