Schloss Richmond wirkt vernach­läs­sigt

Auf den ersten Blick noch immer ein Aushängeschild. Schloss Richmond. Foto: der Löwe
Auf den ersten Blick noch immer ein Aushängeschild. Schloss Richmond. Foto: der Löwe

Schiefes Tor, morsche Terras­sen­türen, vermooste Treppen, abblät­ternder Lack, bröckelnder Putz und viel Unkraut

Schloss Richmond soll für die Stadt Braun­schweig reprä­sen­tieren und den besten Eindruck bei Besuchern hinter­lassen. Der gegen­wär­tige Zustand wird dem touris­ti­schen Anspruch an das bedeu­tende histo­ri­sche Gebäude jedoch nicht gerecht. Die Stadt sieht dennoch keinen Bedarf für eine deutliche Verbes­se­rung der Situation. „Eine umfas­sende Sanierung von Schloss Richmond ist derzeit nicht geplant und auch nicht nötig“, heißt es in der Antwort der Stadt auf eine Anfrage von „Der Löwe – das Portal für das Braun­schwei­gi­sche.

Braun­schweigs Stadt­mar­ke­ting nennt Schloss Richmond ein „histo­ri­sches Kleinod“. Grund­sätz­lich ist das auch so, aber aktuell ist das Erschei­nungs­bild nicht entspre­chend. Der Pflege­be­darf ist deutlich, Schloss Richmond wirkt vernach­läs­sigt.  

Das Eingangstor ist seit langem beschädigt und würde Reparatur und Farbe benötigen. Foto: Der Löwe
Das Eingangstor ist seit langem beschä­digt und würde Reparatur und Farbe benötigen. Foto: Der Löwe

Ein Bild des Jammers

Das Einfahrtstor ist verbogen, offenbar nach einem Anfahr­schaden. Auf dem Kies des Schloss­hofs hinter­lassen schleu­dernde Autos mutwillig immer wieder tiefe Furchen. Die Treppen­stufen sind grün und rutschig von Algen, Unkraut wächst an vielen Stellen. Am Mauerwerk blättert Farbe ab; Feuch­tig­keit und Risse sind sichtbar. Fenster und Außen­türen sind morsch, im Inneren platzt Farbe von den Türen. Auch die benach­barten, zum Ensemble gehörenden ehema­ligen Kavaliers­häuser bieten ein Bild des Jammers. Sie verrotten.

Das sind keine Details, die an einem derart reprä­sen­ta­tiven und bedeu­tenden Ort für Braun­schweig übersehen werden dürfen. Denn sie prägen den Eindruck, den Besucher von Schloss und Stadt mitnehmen. Wer das Gebäude als „histo­ri­sches Kleinod“ bewirbt, muss sich daran messen lassen, ob es in einem dafür entspre­chenden Zustand gehalten wird.

Auf unsere Anfrage hin erklärt die Stadt, dass immerhin Einzel­maß­nahmen vorge­sehen seien.  Für 2027 kündigt die Verwal­tung die Aufar­bei­tung der Terras­sentür und der Fenster sowie die Sanierung des Sockel­putzes an. Die Sanierung des Würfel­ge­simses an der Außen­fas­sade sei perspek­ti­visch ebenfalls vorge­sehen, voraus­sicht­lich aber erst in etwa drei Jahren. Dring­liche und insbe­son­dere sicher­heits­re­le­vante Mängel würden im Rahmen der Gebäu­de­un­ter­hal­tung zeitnah behoben.

Die Terrassentür Richtung Westen ist in beklagenswertem Zustand. Foto: der Löwe
Die Terras­sentür Richtung Westen ist in bekla­gens­wertem Zustand. Foto: der Löwe

Stadt in der Verant­wor­tung

Zum Zustand des Umfelds erklärt die Verwal­tung, auf den Vegeta­ti­ons­flä­chen liege ein beson­deres Augenmerk. In der Wachs­tums­zeit von Mai bis September könne es dennoch zu stärkerem Pflan­zen­wuchs kommen, der im Rahmen der perso­nellen Kapazi­täten beseitigt werde. Aber es geht nicht um „Pflan­zen­wuchs auf Vegeta­ti­ons­flä­chen“, sondern um Unkraut allen Ecken und Enden, das einfach beseitigt werden könnte. Zurzeit sorgen darüber hinaus häufig Privat­per­sonen für Ordnung und entsorgen Unrat, den Besucher achtlos und respektlos liegen gelassen haben. Wenn Bürger regel­mäßig selbst einspringen müssen, wirft das Fragen zur Pflege des städti­schen Areals auf.

Schloss und Park wurden von 1769 bis 1774 errichtet und aus Augustas Privat­ver­mögen finan­ziert. Augusta von Hannover war die Ehefrau von Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braun­schweig-Lüneburg. Der Park geht auf einen Entwurf des engli­schen Hofgärt­ners Lancelot „Capabi­lity“ Brown zurück; das Anwesen entstand in Anlehnung an den Richmond Park bei London, die Heimat der Herzogin. Gerade die Geschichte macht den Umgang mit dem Ensemble zu einer Frage städti­scher Verant­wor­tung.

Feuchtigkeit dringt ins Mauerwerk. Foto: der Löwe
Feuch­tig­keit dringt ins Mauerwerk. Foto: der Löwe
Kein schöner Anblick: Unkraut und Grünbelag auf den Treppen. Foto: privat
Kein schöner Anblick: Unkraut und Grünbelag auf den Treppen. Foto: privat
Die Innentüren müssten dringend gestrichen werden. Foto: privat
Die Innen­türen müssten dringend gestri­chen werden. Foto: privat

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