Jahr für Jahr widmet sich Historiker Gerd Biegel einer Facette des Memorialorts Kaiserdom Königslutter.
Der Besuch der alljährlichen Silvestervorträge von Professor Gerd Biegel, Gründungsdirektor des Instituts für Braunschweigische Regionalgeschichte und Geschichtsvermittlung an der TU (IBRG), im Kaiserdom Königslutter ist für viele Geschichtsinteressierte lieb gewonnene Tradition. In seinen Vorträgen widmet sich Professor Biegel regelmäßig der europäischen Dimension und Wirkungsmacht eines der bedeutendsten braunschweigischen Geschichtsorte, des Kaiserdoms Königslutter. Der erste dieser Vorträge fand am 4. Dezember 1987 auf Einladung des damaligen Hausherrn, Regierungspräsident Günter Niemann, statt.
Die Frauen um Lothar III.
Im aktuellen Vortrag (31. Dezember, 15 Uhr) erinnert Gerd Biegel noch einmal an ein für das Braunschweigische historisch bedeutendes Jubiläumsjahr. Vor 900 Jahren wurde der Sachsenherzog Lothar von Süpplingenburg (1075–1137) in Mainz zum römisch-deutschen König gewählt. Für die Politik der Welfen im Braunschweiger Land bahnte sich mit den Ereignissen im Umfeld der Mainzer Wahl und den Entscheidungen des bayrischen Herzogs Heinrich des Schwarzen eine Zukunftsentwicklung an, deren Wirkungsmächtigkeit die Geschichte des Landes bis 1918 maßgeblich prägen sollte, zugleich aber spielten die Frauen um Lothar III. eine entscheidende Rolle für die Politik ihrer Zeit. Sie stehen im Mittelpunkt des kommenden Vortrags.
Die Ehefrau Lothars III., Richenza von Northeim (um 1083–1141), wurde zu einer der einflussreichsten Frauen des Hochmittelalters. Sie wird häufig gemeinsam mit ihrem Mann in Urkunden erwähnt. Besondere Bedeutung hatte Richenza als Mutter Gertruds von Süpplingenburg, die mit Heinrich dem Stolzen aus dem Geschlecht der Welfen verheiratet wurde. Damit trug Richenza maßgeblich zur Machtstellung der Welfen bei.
Mutter von Heinrich dem Löwen
Gertruds (1115–1143) historische Rolle ergibt sich jedoch weniger aus ihrer politischen Tätigkeit als aus ihrer dynastischen Schlüsselstellung: Aus ihrer Ehe gingen mehrere Kinder hervor, darunter Heinrich der Löwe (1129–1195), der als Herzog von Sachsen und Bayern die welfische Macht auf ihren Höhepunkt führte. Gertruds Stellung war für Heinrichs Legitimation und seinen Anspruch auf weitreichende Herrschaft von großer Bedeutung, da er sich nicht nur auf das welfische Erbe, sondern auch auf die Abstammung vom Kaiser berufen konnte.
Die anfänglichen Dezembervorträge von Gerd Biegel im Umfeld von Kaiser Lothars Todestag am 4. Dezember sowie der Beisetzung am 31. Dezember 1137 in der noch unvollendeten Stiftskirche St. Peter und Paul fanden wechselnd im Rathaus Königslutter, im Braunschweigischen Landesmuseum am Burgplatz und in größeren Abständen im Kaiserdom statt. Vor allem nach 2001 war aufgrund der umfangreichen Renovierung die Dezembervortragsreihe extern realisiert worden. Von 2008 an fanden die Vorträge dann als Silvestervorträge dauerhaft in dem in neuem Glanz erstrahlenden Kaiserdom jeweils am 31. Dezember statt, lediglich unterbrochen durch die beiden Jahre der Coronapandemie.



