Videoreihe der Heimat­pfleger zur Stadt­ge­schichte

Eines der Videos beschäftigt sich mit dem Altstadtmarkt: Screenshot: der Löwe
Eines der Videos beschäftigt sich mit dem Altstadtmarkt: Screenshot: der Löwe

Kurzvi­deos auf Instagram sollen Geschichte lebendig vermit­teln, jüngere Zielgruppen erreichen und Interesse an der Heimat­pflege wecken

Die Braun­schweiger Heimat­pfleger haben ein Video­pro­jekt gestartet, das auf ihrem Instagram-Kanal (www.instagram.com/heimatpflege.braunschweig/) veröf­fent­licht wird. „Wir haben etwas Neues auspro­biert und kurze Videos zur Braun­schweiger Geschichte gedreht“, berichtet Sabrina Brandes, Stadt­teil­hei­mat­pfle­gerin für Lehndorf/Kanzlerfeld. Sie übernahm die Filmauf­nahmen und den Schnitt der insgesamt 16 Kurzvi­deos. Stadt­hei­mat­pfleger Thorsten Wendt verfasste die Texte und sprach sie ein.

„Wir wollten etwas Zeitge­mäßes auf einem Kanal veröf­fent­li­chen, auf dem wir auch jüngere Braun­schwei­ge­rinnen und Braun­schweiger erreichen und hoffent­lich für ihre Heimat­stadt begeis­tern können. Für viele werden die geschil­derten Fakten neu sein. Vielleicht haben wir bei dem einen oder anderen das Interesse geweckt, sich inten­siver mit der Geschichte unserer schönen Stadt zu beschäf­tigen“, hofft Wendt.

Heimat­pflege sucht Nachwuchs

Zugleich soll das Projekt zeigen, dass Heimat­pflege weit mehr ist als Denkmal­pflege und offen ist für neue Impulse. Hinter­grund ist auch, dass die Heimat­pfleger Nachwuchs­sorgen haben und sich neue Inter­es­sierte für vakante Stellen in mehreren Stadt­teilen wünschen. Die vorge­se­hene Zahl von 41 Heimat­pfle­ge­rinnen und Heimat­pfle­gern wird derzeit nicht erreicht. Inter­es­sierte können sich an Thorsten Wendt (E‑Mail: wendtt@web.de) wenden.

Stadt­teil­hei­mat­pfleger erfor­schen die Geschichte ihrer Stadt­teile in verschie­denen Archiven. Zu ihren Aufgaben gehören außerdem Inter­views mit Zeitzeugen, Veröf­fent­li­chungen in Festschriften, Vorträge, Führungen sowie die Konzep­tion von Ausstel­lungen. Mit ihrem Engage­ment tragen sie wesent­lich zur Identität und zum Image ihrer Stadt­teile bei. Infor­ma­tionen zu den einzelnen Stadt­teilen finden sich zudem im Inter­net­auf­tritt der Stadt.

Stationen der ersten Videotour

Für ihre Videotour starteten Sabrina Brandes und Thorsten Wendt auf dem Wollmarkt. „Nach einer kurzen Einfüh­rung in die Geschichte des Platzes haben wir uns seiner Musik­ge­schichte gewidmet. Dort befand sich einst der Musik­verlag Litolff, und gegenüber produ­zierte die Firma Zeitter & Winkel­mann Klaviere. Außerdem haben wir Videos über die Andre­as­kirche mit Braun­schweigs höchstem Kirchturm, die 1994 wieder aufge­baute Alte Waage sowie über eines der Braun­schweiger Originale, die Harfen-Agnes, gedreht“, berichtet Sabrina Brandes. Harfen-Agnes (1866–1939) war Braun­schweigs letzte Bänkel­sän­gerin. Es gilt als wahrschein­lich, wenn auch nicht als gesichert, dass das Braun­schweiger Original in Königs­lutter Opfer des voraus­ei­lenden Gehorsams im Zusam­men­hang mit Hitlers Eutha­na­sie­er­lass wurde.

Eulen­spiegel, Mumme und Markt­platz

Im Anschluss führte die Tour zum Bäcker­klint und zur Geschichte Till Eulen­spie­gels. Vorge­stellt werden dort die ehema­ligen Standorte des Eulen­spie­gel­hauses und des Mumme­hauses sowie der Eulen­spie­gel­brunnen. Er ist das einzige Bauwerk am alten Bäcker­klint, das die Zerstö­rungen des Zweiten Weltkriegs wie durch ein Wunder überstanden hat. Gestiftet wurde der Brunnen von dem Bankier Bernhard Meyers­feld (1841–1920), dessen Familie nach der Macht­über­nahme der Natio­nal­so­zia­listen Braun­schweig verlassen musste.

Vom Balkon des Altstadt­rat­hauses aus stellen Thorsten Wendt und Sabrina Brandes die Geschichte des Altstadt­marktes vor. Sie erklären unter anderem, wie das ehemalige Rüninger Zollhaus an seinen heutigen Standort gelangte und warum das Gewand­haus seit dem Zweiten Weltkrieg freisteht. Außerdem erfahren die Zuschauer, was viele nicht wissen: Der Marien­brunnen auf dem Altstadt­markt ist eine Kopie. Das Original wurde nach dem Krieg zwar restau­riert, die Schäden erwiesen sich jedoch letztlich als zu groß. Für Eintracht-Fans besitzt der Altstadt­markt noch eine besondere Bedeutung: Vom Balkon des Altstadt­rat­hauses präsen­tierte die Meister­mann­schaft um Achim Bäse, Lothar Ulsaß und Horst Wolter am 3. Juni 1967 nach dem 4:1‑Sieg über den 1. FC Nürnberg die Meister­schale.

Alter Bahnhof als Abschluss

„Als letzter geschicht­li­cher Stopp diente der Alte Bahnhof – Braun­schweigs Tor zur Welt und Ausgangs­punkt der ersten staat­li­chen Eisenbahn Deutsch­lands. Das Video hat trotz eines kleinen Verspre­chers, der den Bahnhof verse­hent­lich um 100 Jahre jünger machte, knapp 100.000 Aufrufe erzielt“, freut sich Sabrina Brandes über den Erfolg der Video­serie. Der Bahnhof wurde natürlich nicht 1938 sondern 1838 eröffnet.

Altstadt­markt: https://www.instagram.com/reel/DZ7z4–NYTb/?igsh=MThtOWY0czg0MWZ0NQ==

Andre­as­kirche: https://www.instagram.com/reel/DZsmi4EtYWw/?igsh=MTA2MWp1eDhvMTRtdQ==

Alter Bahnhof: https://www.instagram.com/reel/DZ8Dy7atgFX/?igsh=MWloZWxrZzRicjc4Mw==

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