Rüdiger Knaack revolu­tio­nierte das Standard­for­ma­ti­ons­tanzen

Rüdiger Knaack mit der WM-Trophäe 2025. Foto: privat
Rüdiger Knaack mit der WM-Trophäe 2025. Foto: privat

Der Erfolgs­trainer des BTSC verlässt nach zwölf WM‑, zehn EM-Titeln und dem Gewinn von 24 Deutschen Meister­schaften die Komman­do­brücke

Für Tanztrainer Rüdiger Knaack hat sich mit dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Braun­schweig ein Kreis geschlossen. Der Erfolgs­coach der A‑Standardformation des Braun­schweiger Tanz-Sport-Clubs ist damit standes­gemäß von der Komman­do­brücke getreten. Er wird dem Team aber als Berater verbunden bleiben. Seit 1988 hat er nicht nur die Geschicke der BTSC-Standard­for­ma­tion sehr erfolg­reich gelenkt, sondern auch dem Forma­ti­ons­tanzen weltweit bedeu­tende Impulse gegeben und auf ein deutlich höheres Niveau gehievt. Weg von der tradi­tio­nellen Steifheit und hin zu begeis­ternder Dynamik war das Marken­zei­chen Knaacks. Der 70-Jährige gilt als Trainer­le­gende und genießt auch inter­na­tional einen heraus­ra­genden Ruf.

36 Jahre im Amt

Nach 36 Jahren verab­schie­dete sich Rüdiger Knaack mit dem WM-Titel­ge­winn in der Volks­wagen Halle von seiner aktiven Rolle als Cheftrainer. Der letzte Akt geriet dabei hochemo­tional. Rüdiger Knaack sorgte für Gänse­haut­mo­mente im Publikum und bei seinem Team. Seine Worte unter­stri­chen die enorme Verbun­den­heit, die sich über die Jahrzehnte zu den Sport­le­rinnen und Sportlern sowie zum Verein entwi­ckelt hat. Und sie zeigten nochmals, mit wie viel Herzblut er den BTSC vom ersten Tag an trainierte. Symbol­haft für diese Symbiose mag der stets präsente Stofflöwe sein, der als Maskott­chen bei allen großen Siegen mit Rüdiger Knaack war.

Emotionaler Abschied in der Volkswagen Halle. Rüdiger Knaack. Foto. privat
Emotio­naler Abschied in der Volks­wagen Halle. Rüdiger Knaack. Foto. privat

Viele Auszeich­nungen

Rüdiger Knaack gewann in der von ihm geprägten Ära mit der A‑Standardformation zwölf Weltmeis­ter­schaften, zehn Europa­meis­ter­schaften und 24 Deutsche Meister­schaften. Natürlich hinken Querver­gleiche immer, aber mit dieser Bilanz zählt Knaack zu den sport­art­über­grei­fend erfolg­reichsten Trainern weltweit. Im Fußball sind das weltbe­rühmte Persön­lich­keiten wie Sir Alex Fergusson, Carlo Ancelotti oder Pep Guardiola. Für die zahlrei­chen Erfolge wurden er und seine Standard­for­ma­tion mehrfach mit dem „Silberne Lorbeer­blatt“ der Bundes­re­pu­blik ausge­zeichnet. Für seine Verdienste um den Sport erhielt Rüdiger Knaack auch das Bundes­ver­dienst­kreuz, die Sport­me­daille der Stadt Braun­schweig und jüngst den DTV-Award des Deutschen Tanzsport­ver­bands für sein Lebens­werk.

Bundes­trainer Standard

In seiner Laudatio würdigte der DTV-Präsident Tim Rausche vor allem Knaacks Kreati­vität und seinen Leistungs­an­spruch. „Rudi, Du hast nicht nur 17 Choreo­gra­fien entwi­ckelt, die bis auf eine Ausnahme alle zum Erfolg führten, sondern Du hast über Jahrzehnte hinweg das Forma­ti­ons­tanzen weiter­ent­wi­ckelt, mit Deinen Tänze­rinnen und Tänzern geprägt und diesen stets ein hohes Maß an tänze­ri­scher Qualität abver­langt“, sagte Rausche. Seit dem Jahr 2022 ist Knaack auch Bundes­trainer für Standard­paare, zudem fungiert er als Wertungs­richter und engagiert sich in der Ausbil­dung von Wertungs­rich­tern.

Dynamik statt Steifheit

Weil er nach einem Autoun­fall seine eigene Karriere als aktiver Tänzer beenden musste, 1984 war er mit seiner Tanzpart­nerin Deutscher Meister im Standard­tanzen geworden, nahm der gebürtige Hamburger den Trainer­posten in Braun­schweig, beim damals ewigen Zweiten hinter Ludwigs­burg, an. Gleich seine erste Choreo­grafie, „Phantom der Oper“, verän­derte das Standard­for­ma­ti­ons­tanzen radikal. „Es war elementar wichtig für mich, eine Qualität zu erzeugen, die Musik und Text verbild­licht. Mit einem roten Faden etwas zu erzählen. Das habe ich in die Richtung entwi­ckelt und weiter­ent­wi­ckelt“, erinnert sich Rüdiger Knaack in einem Interview mit dem NDR an die Anfänge seiner unglaub­li­chen Reise mit dem BTSC.

Engagiert am Parkett: Rüdiger Knaack. Foto: privat
Engagiert am Parkett: Rüdiger Knaack. Foto: privat

Großer Motivator

Zu den großen Stärken Rüdiger Knaacks zählte und zählt es, junge Menschen zu motivieren, sich dem Standard­for­ma­ti­ons­tanzen als Leistungs­sport mit Haut und Haar zu widmen. Das bedurfte immer einer gehörigen Portion Überzeu­gungs­kraft, denn außer Lorbeeren für Titel gibt es in diesem reinen Amateur­sport nichts zu holen. Um auf Weltklas­se­n­i­veau tanzen zu können, bedarf es aber eines Aufwands, wie er dem von gut honorierten Profi­sport­lern nahekommt. Rüdiger Knaacks Erfolgs­hunger und Ehrgeiz muss also anste­ckend sein, sonst wäre ihm die Erfolge über viele Tanzsportler-Genera­tionen hinweg nicht gelungen.

Nachfolger Sven Traut

Die Fußstapfen, in die sein Nachfolger Sven Traut (Düssel­dorf) nun tritt, sind groß. Der ehemalige Zehn-Tänze-Weltmeister und aktuelle Bundes­ju­gend­trainer Standard startete seine Mission beim BTSC jedoch vielver­spre­chend mit einem Erfolg beim Bundes­li­ga­tur­nier in Wolfen­büttel. Unter­stützt wird Traut von Co-Trainer Felix Teufert, der selbst viele Jahre Teil der A‑Formation war und mit ihr zahlreiche Titel gewann. Er sorgt für Konti­nuität.

Ursprüng­lich nur als Zwischen­sta­tion gedacht, wurde Rüdiger Knaack im Braun­schwei­gi­schen nicht nur sportlich heimisch. Er lebt im Kreis Wolfen­büttel und ist durch familiäre Bindungen dort längst fest verwur­zelt. Ein Glück, denn so bleibt Rüdiger Knaacks Einfluss auf die Weiter­ent­wick­lung des Braun­schweiger Tanzsports erhalten, schließ­lich ist er auch zweiter Vorsit­zender des BTSC.

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