Der Erfolgstrainer des BTSC verlässt nach zwölf WM‑, zehn EM-Titeln und dem Gewinn von 24 Deutschen Meisterschaften die Kommandobrücke
Für Tanztrainer Rüdiger Knaack hat sich mit dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Braunschweig ein Kreis geschlossen. Der Erfolgscoach der A‑Standardformation des Braunschweiger Tanz-Sport-Clubs ist damit standesgemäß von der Kommandobrücke getreten. Er wird dem Team aber als Berater verbunden bleiben. Seit 1988 hat er nicht nur die Geschicke der BTSC-Standardformation sehr erfolgreich gelenkt, sondern auch dem Formationstanzen weltweit bedeutende Impulse gegeben und auf ein deutlich höheres Niveau gehievt. Weg von der traditionellen Steifheit und hin zu begeisternder Dynamik war das Markenzeichen Knaacks. Der 70-Jährige gilt als Trainerlegende und genießt auch international einen herausragenden Ruf.
36 Jahre im Amt
Nach 36 Jahren verabschiedete sich Rüdiger Knaack mit dem WM-Titelgewinn in der Volkswagen Halle von seiner aktiven Rolle als Cheftrainer. Der letzte Akt geriet dabei hochemotional. Rüdiger Knaack sorgte für Gänsehautmomente im Publikum und bei seinem Team. Seine Worte unterstrichen die enorme Verbundenheit, die sich über die Jahrzehnte zu den Sportlerinnen und Sportlern sowie zum Verein entwickelt hat. Und sie zeigten nochmals, mit wie viel Herzblut er den BTSC vom ersten Tag an trainierte. Symbolhaft für diese Symbiose mag der stets präsente Stofflöwe sein, der als Maskottchen bei allen großen Siegen mit Rüdiger Knaack war.

Viele Auszeichnungen
Rüdiger Knaack gewann in der von ihm geprägten Ära mit der A‑Standardformation zwölf Weltmeisterschaften, zehn Europameisterschaften und 24 Deutsche Meisterschaften. Natürlich hinken Quervergleiche immer, aber mit dieser Bilanz zählt Knaack zu den sportartübergreifend erfolgreichsten Trainern weltweit. Im Fußball sind das weltberühmte Persönlichkeiten wie Sir Alex Fergusson, Carlo Ancelotti oder Pep Guardiola. Für die zahlreichen Erfolge wurden er und seine Standardformation mehrfach mit dem „Silberne Lorbeerblatt“ der Bundesrepublik ausgezeichnet. Für seine Verdienste um den Sport erhielt Rüdiger Knaack auch das Bundesverdienstkreuz, die Sportmedaille der Stadt Braunschweig und jüngst den DTV-Award des Deutschen Tanzsportverbands für sein Lebenswerk.
Bundestrainer Standard
In seiner Laudatio würdigte der DTV-Präsident Tim Rausche vor allem Knaacks Kreativität und seinen Leistungsanspruch. „Rudi, Du hast nicht nur 17 Choreografien entwickelt, die bis auf eine Ausnahme alle zum Erfolg führten, sondern Du hast über Jahrzehnte hinweg das Formationstanzen weiterentwickelt, mit Deinen Tänzerinnen und Tänzern geprägt und diesen stets ein hohes Maß an tänzerischer Qualität abverlangt“, sagte Rausche. Seit dem Jahr 2022 ist Knaack auch Bundestrainer für Standardpaare, zudem fungiert er als Wertungsrichter und engagiert sich in der Ausbildung von Wertungsrichtern.
Dynamik statt Steifheit
Weil er nach einem Autounfall seine eigene Karriere als aktiver Tänzer beenden musste, 1984 war er mit seiner Tanzpartnerin Deutscher Meister im Standardtanzen geworden, nahm der gebürtige Hamburger den Trainerposten in Braunschweig, beim damals ewigen Zweiten hinter Ludwigsburg, an. Gleich seine erste Choreografie, „Phantom der Oper“, veränderte das Standardformationstanzen radikal. „Es war elementar wichtig für mich, eine Qualität zu erzeugen, die Musik und Text verbildlicht. Mit einem roten Faden etwas zu erzählen. Das habe ich in die Richtung entwickelt und weiterentwickelt“, erinnert sich Rüdiger Knaack in einem Interview mit dem NDR an die Anfänge seiner unglaublichen Reise mit dem BTSC.

Großer Motivator
Zu den großen Stärken Rüdiger Knaacks zählte und zählt es, junge Menschen zu motivieren, sich dem Standardformationstanzen als Leistungssport mit Haut und Haar zu widmen. Das bedurfte immer einer gehörigen Portion Überzeugungskraft, denn außer Lorbeeren für Titel gibt es in diesem reinen Amateursport nichts zu holen. Um auf Weltklasseniveau tanzen zu können, bedarf es aber eines Aufwands, wie er dem von gut honorierten Profisportlern nahekommt. Rüdiger Knaacks Erfolgshunger und Ehrgeiz muss also ansteckend sein, sonst wäre ihm die Erfolge über viele Tanzsportler-Generationen hinweg nicht gelungen.
Nachfolger Sven Traut
Die Fußstapfen, in die sein Nachfolger Sven Traut (Düsseldorf) nun tritt, sind groß. Der ehemalige Zehn-Tänze-Weltmeister und aktuelle Bundesjugendtrainer Standard startete seine Mission beim BTSC jedoch vielversprechend mit einem Erfolg beim Bundesligaturnier in Wolfenbüttel. Unterstützt wird Traut von Co-Trainer Felix Teufert, der selbst viele Jahre Teil der A‑Formation war und mit ihr zahlreiche Titel gewann. Er sorgt für Kontinuität.
Ursprünglich nur als Zwischenstation gedacht, wurde Rüdiger Knaack im Braunschweigischen nicht nur sportlich heimisch. Er lebt im Kreis Wolfenbüttel und ist durch familiäre Bindungen dort längst fest verwurzelt. Ein Glück, denn so bleibt Rüdiger Knaacks Einfluss auf die Weiterentwicklung des Braunschweiger Tanzsports erhalten, schließlich ist er auch zweiter Vorsitzender des BTSC.






