Objekt des Monats, Folge 27: Glanzstücke der Erinnerung: Teller, Tassen und eine Vase aus Porzellan zur Hochzeit von Victoria Luise und Ernst August
In diesem Monat jährt sich die Hochzeit von Prinzessin Victoria Luise von Preußen, der einzigen Tochter Kaiser Wilhelms II., und Prinz Ernst August von Hannover bereits zum 113. Mal. Die am 24. Mai 1913 in Berlin gefeierte Verbindung zählt zu den bedeutendsten dynastischen Ereignissen des frühen 20. Jahrhunderts und war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert – politisch, gesellschaftlich und medial. Die Ehe von Ernst August und Victoria Luise war nicht nur ein dynastisches Kalkül, sondern eine Liebesheirat – im Hochadel jener Zeit keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Zugleich beendete sie den seit 1866 schwelenden Konflikt zwischen den Häusern Welfen und Hohenzollern, der auf die preußische Annexion des Königreichs Hannover zurückging. Die Hochzeit hatte damit eine weit über das Private hinausreichende politische Symbolkraft.
Die mehrtägigen Feierlichkeiten entwickelten sich zu einem international beachteten Medienereignis mit über 1.100 Gästen aus den europäischen Herrscherhäusern, darunter das britische Königspaar Georg V. und Mary sowie der russische Zar Nikolaus II. Presse, Fotografen und illustrierte Zeitschriften trugen maßgeblich dazu bei, das Ereignis europaweit bekannt zu machen und zu emotionalisieren.

Souvenirs zur Hochzeit
Ähnlich wie heutige Merchandise-Produkte – etwa die zahlreichen Souvenirs zur Hochzeit von Prinz William und Catherine Middleton im Jahr 2011 – entstanden auch anlässlich der Vermählung von Ernst August und Victoria Luise zahlreiche Erinnerungsobjekte. Die Hochzeit wurde nicht nur als dynastisches Großereignis inszeniert, sondern gezielt auch kommerziell begleitet. Mithilfe der medialen Möglichkeiten der Zeit, insbesondere durch illustrierte Zeitschriften und Fotografien, entstand eine Vielzahl von Andenken, die die Freude über das wieder versöhnte Haus Hohenzollern-Welfen zum Ausdruck brachten und zugleich die Popularität des jungen Paares unterstrichen.
Neben Postkarten mit vielfältigen Motiven des Brautpaares, die für nahezu jeden erschwinglich waren und eine breite Begeisterung in allen Bevölkerungsschichten fanden, waren auch Gedenkmünzen beliebt. Diese wurden nicht nur gesammelt, sondern häufig auch als Schmuck getragen, etwa als elegante silberne Anstecknadeln mit kunstvoll gedrehter Metallfassung. Darüber hinaus entstanden Medaillen mit den Porträts des Paares, die als Anhänger getragen werden konnten und die persönliche Verbundenheit mit dem Ereignis zum Ausdruck brachten.

Erinnerungsstücke aus Porzellan
Auch wurden Stücke aus Porzellan gefertigt, wie zwei Teller und zwei Tassen (Abb. 1), die mit den fotografischen Porträts des Brautpaares dekoriert sind. Die beiden Teller zeigen Victoria Luise und Ernst August jeweils in repräsentativer Büste, ergänzt durch Namenszug und Titel. Auch die Tassen tragen die Bildnisse und greifen die festliche Gestaltung auf.
Ein besonders exklusives Stück stellt eine aufwendig gestaltete Vase dar, die mit einer Porträtfotografie des Brautpaares versehen und in eine ornamental ausgearbeitete Kartusche eingebettet ist (Abb. 2). Goldstaffagen und heraldische Zeichen unterstreichen den repräsentativen Anspruch des Stückes. Die Verbindung von qualitätsvoller Porzellanausführung, heraldischer Symbolik und fotografischem Bildmotiv verleiht der Vase einen eindeutig repräsentativen, nahezu monumentalen Charakter. Wie auch die Teller und Tassendiente sie weniger dem alltäglichen Gebrauch als vielmehr der sichtbaren und dauerhaften Erinnerung an das dynastische Ereignis und die wiederhergestellte Verbindung zwischen den Häusern Hohenzollern und Welfen. Beide Objekte werden in der Sammlung der Richard Borek Stiftung aufbewahrt.






