Aus dem Stadtarchiv, Folge 9: Von Schimmel, Grotrian-Steinweg und Steinway & Sons
Als Weltmarke „made in Braunschweig“ gilt das Klavierbauunternehmen Schimmel bis heute. Grotrian-Steinweg gehörte noch bis zur Insolvenz im Jahr 2024 dazu. Doch die beiden Unternehmen sind nicht die einzigen, die Braunschweigs guten Ruf unter Pianisten begründeten.
Winkelmann war die Nr. 1
1837 gründete Christian Theodor Winkelmann (1812–1875) die älteste Braunschweiger Klavierbaufirma. Am Wollmarkt produzierte er mit wenigen Mitarbeitern zunächst Tafelklaviere, später auch Flügel und Pianinos. Als 1851 der Wiener Klavierfabrikant Friedrich Zeitter als Teilhaber in die Firma eintrat, stieg die Produktion auf 60 bis 80 Instrumente jährlich, zudem führte er beim Bau der Pianinos Neuerungen wie die Kreuzung der Saiten und die Verwendung eines Eisenrahmens ein. 1963 verkaufte ein Urenkel des Firmengründers Name und Unternehmen an die Kitzinger Klavierbaufirma Seiler.
Die Wurzeln des Klavierbauunternehmens Grotrian-Steinweg legte Georg Friedrich Carl Grotrian (1803–1860). Nach einigen Jahren als Musikalien- und Instrumentenbauer in Russland kehrte er 1856 in seinen Geburtsort zurück und lernte Theodor Steinweg kennen. Dessen Vater hatte 1835 in Seesen eine Klavierbaufirma gegründet, die jetzt in Braunschweig produzierte und in die Grotrian nun einstieg. Schon bald waren die Instrumente aus Braunschweig über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.
Berühmte Gäste im Haus am Bohlweg
Nach seinem überraschenden Tod 1860 trat sein Sohn Wilhelm in das Unternehmen ein und führte es auch weiter, als Steinweg nach Amerika ausgewandert war. Er überarbeitete und verbesserte die übernommenen Steinweg-Modelle, daneben förderten Wilhelm Grotrian und seine Frau Elsbeth das Musikleben der Stadt und unterstützten insbesondere junge Musiker. Im Haus am Bohlweg 48 trugen sich berühmte Gäste wie Clara Schumann, Max Reger, später Richard Strauss, Wilhelm Furtwängler oder Angehörige der Familie Wagner in das Gästebuch ein. Das 1903 entwickelte Kleinklavier Modell 120 erregte in Fachkreisen großes Aufsehen und gilt auch heute noch als eines der besten Klaviere. Erst 1999 endete die fünf Generationen lange Familientradition mit dem Eintritt eines neuen Gesellschafters. 2024 folgte die Insolvenz.
Mitte des 20. Jahrhunderts waren Klaviere der Marke Schimmel die meistgekauften Instrumente der deutschen Klavierbauunternehmen. 1929 hatte Arno Wilhelm Schimmel (1898–1961) die von seinem Vater gegründete Firma wegen wirtschaftlicher Probleme von Leipzig nach Braunschweig verlegt. Schimmel war nicht nur ein guter Geschäftsmann, sondern auch ein begabter Designer, der jedes Detail seiner Instrumente selbst entwarf. Mit Neuerungen wie der Einführung des rastenlosen Klavierrahmens und der extrem kreuzseitigen Saitenbespannung trug Schimmel entscheidend zum Erfolg der neu entstehenden Kleinklaviere bei.

Steinway stammte aus dem Harz
Und auch die Weltmarke Steinway & Sons hat ihre Wurzeln im Herzogtum Braunschweig. Der Tischler Heinrich Steinweg, geboren 1797 in Wolfshagen im Harz, betrieb in Seesen zunächst nebenbei eine Reparaturwerkstatt für Klaviere. Bald machte er sich als Instrumentenbauer einen Namen, und als die Familie nach Amerika auswanderte, gründete er dort das Unternehmen Steinway & Sons. Er selbst nannte sich nun Henry E. Steinway. Im Städtischen Museum Seesen ist der erste Flügel ausgestellt, den Steinway in New York baute – das Gegenstück, das letzte in Seesen gefertigte Instrument, steht in New York im Metropolitan Museum of Modern Art. Die Erfindung des Stahlrahmens zum Aufspannen der Saiten ist einer der Gründe für den großen Erfolg des Seesener Instrumentenbauers.
Die bekannten Pianoforte- und Klavierbauunternehmen haben verschiedene Spuren in den Beständen der Archive hinterlassen. Informationen zu den Firmengründern und Inhabern sowie zur Firmengeschichte finden sich unter anderem im Stadtarchiv Braunschweig. Auch nach dem Weggang der Familie Steinweg nach Amerika blieb William Steinway seiner Heimat eng verbunden. Seine Spenden für die Stadt Seesen, insbesondere die Schulen und die Armenkasse sind im Bestand der Stadt Seesen im Landesarchiv nachzuvollziehen.
Meike Buck ist Mitarbeiterin imStadtarchiv Braunschweig. Der Beitrag erschien zuerst im Buch „Von Asse bis Zucker. Fundamente Braunschweigischer Regionalgeschichte“. Herausgegeben von der Braunschweigischen Landschaft.
Mit dieser Reihe in Kooperation mit dem Stadtarchiv wollen wir unsere Leserinnen und Leser auch auf das Jubiläum zum 1000-jährigen Bestehen Braunschweigs im Jahr 2031 vorbereiten. Anlass dafür ist die Ersterwähnung der Stadt in der Weiheurkunde der Magnikirche von 1031.






