Schloss­platz wird zunehmend zum Brenn­punkt

Kein schöner Anblick hinter der Schlosstreppe. In unmittelbarer Nähe befindet sich Außengastronomie. Foto: privat
Kein schöner Anblick hinter der Schlosstreppe. In unmittelbarer Nähe befindet sich Außengastronomie. Foto: privat

Bedrohung und sexuelle Beläs­ti­gung im Museums­foyer – Anlieger beklagen Gewalt, Drogen­konsum und Verschmut­zung

Ein aktueller Vorfall im Schloss­mu­seum lässt die Debatte über die negative Entwick­lung des Schloss­platzes erneut hochko­chen. Gegen Mittag betrat ein deutlich alkoho­li­sierter Mann das Foyer des Museums. Nach Angaben aus dem Umfeld des Hauses verhielt er sich aggressiv, belei­digte und bedrohte die beiden Mitar­bei­te­rinnen am Empfang mit obszönen Worten und drängte sie mit eindeu­tigen sexuellen Auffor­de­rungen räumlich in die Enge.

Mehrfa­chen Auffor­de­rungen, das Museum zu verlassen oder sich zumindest ruhig im Foyer aufzu­halten, kam der Mann nicht nach. Den Mitar­bei­te­rinnen gelang es, die Polizei zu alarmieren. Die Beamten führten den Mann schließ­lich ab. Beide Frauen standen nach dem Vorfall unter Schock und waren anschlie­ßend nicht mehr arbeits­fähig.

Kinder in Sicher­heit gebracht

Besonders brisant: Zu Beginn des Gesche­hens hielten sich Kinder, die an einem Workshop des Schloss­mu­seums teilnahmen, während ihrer Pause im Foyer auf. Eine Prakti­kantin brachte sie umgehend in den Grünen Salon und damit aus der unmit­tel­baren Gefah­ren­zone. Die Museums­lei­tung entschied daraufhin, das Haus für den restli­chen Tag zu schließen.

Der Vorfall ist für viele Beobachter kein isoliertes Ereignis. Der Schloss­platz entwi­ckelt sich nach Einschät­zung von Anliegern zunehmend zu einem Brenn­punkt. Immer wieder kommt es dort im Zusam­men­hang mit Alkohol- und Drogen­konsum sowie gewalt­tä­tigen Ausein­an­der­set­zungen zu Einsätzen von Polizei und Rettungs­dienst. Verschie­dene Gruppen nehmen regel­mäßig die Treppe des Schloss­mu­seums in Beschlag.

Die Schlosstreppe wird immer wieder belagert. Foto: privat
Die Schloss­treppe wird immer wieder belagert. Foto: privat

Geschäfts­schä­di­gende Entwick­lung

„Unser tägliches Geschäft leidet massiv unter der negativen Entwick­lung des Schloss­platzes. Immer wieder werden unsere Gäste auf der Terrasse und wir als Mitar­beiter in unschöne Zwischen­fälle bis hin zu Gewalt­an­dro­hungen einbe­zogen. Vom Verschmutzen des Schlosses und seiner vielen Ecken ganz zu schweigen“, berichtet ein Anlieger, der am Schloss­platz auch Außen­gas­tro­nomie betreibt. Die Abwärts­spi­rale des Schloss­platzes war bereits mehrfach Thema in der sogenannten AG Schloss, in der Vertreter der ECE Projekt­ma­nage­ment, der Stadt und der Richard Borek Stiftung gemeinsam sitzen.

Für Freisitz­flä­chen im öffent­li­chen Raum müssen Gastro­nomen Gebühren bezahlen. Innerhalb der Okerum­flut ist dafür die Braun­schweig Stadt­mar­ke­ting GmbH zuständig. Darauf, dass die Gebüh­ren­zahler ihre Flächen tatsäch­lich ungestört nutzen können, habe das Stadt­mar­ke­ting nach eigenen Aussagen jedoch keinen unmit­tel­baren Einfluss. Es verweist auf das Ordnungsamt.

Gerade an einem städte­bau­lich und histo­risch heraus­ra­genden Ort wie dem Schloss­platz besteht dringender Handlungs­be­darf. Der Platz darf nicht weiter verkommen, weder zulasten der Anlieger und Besucher noch zulasten der Beschäf­tigten in den dortigen Einrich­tungen. Gefordert ist nun die Politik. Eine Möglich­keit wäre die Einrich­tung einer Alkohol­ver­bots­zone, wie sie bereits unter den Rathaus-Arkaden am Bohlweg besteht. Hinzu­kommen müssten deutlich häufigere und konse­quen­tere Kontrollen durch den Zentralen Ordnungs­dienst der Stadt.

Stadt­ver­wal­tung wiegelt ab

Die Verwal­tung wiegelt jedoch bereits im Vorfeld ab. Die Stadt könne nicht beliebig Verbots­zonen ausweisen und sei auch personell nicht in der Lage, die Einhal­tung entspre­chender Regelungen jederzeit zu kontrol­lieren. Angebote von Street­wor­kern, die Menschen in schwie­rigen Lebens­si­tua­tionen Unter­stüt­zung anbieten, würden zudem häufig nicht angenommen. Für die Treppe des Schloss­mu­seums gelte außerdem das Hausrecht des Einkaufs­zen­trum-Betrei­bers ECE.

Seitens der Stadt heißt es, dass man im öffent­li­chen Raum ein Stück weit mit Obdach­losen, sogenannten Freitrin­kern und Drogen­ab­hän­gigen leben müsse. Über die Ordnungs- und Sozial­ver­wal­tung werde bereits viel unter­nommen. Die beschrie­benen Probleme ließen sich jedoch weder in Braun­schweig noch in anderen Städten vollständig zurück­drängen.

Zugleich betont die Stadt, dass sie keine Angst­räume dulde. Andau­ernde Beläs­ti­gungen, Pöbeleien und Bedro­hungen dürften nicht hinge­nommen werden. Genau daran wird sich das weitere Handeln nun messen lassen müssen. Der Schloss­platz ist das Herz der Braun­schweiger Innen­stadt, er darf nicht zu einem Ort werden, den Besucher, Beschäf­tigte und Familien aus Sorge um ihre Sicher­heit meiden.

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