Ein Gestalter des Wieder­auf­baus

Otto Bennemann (vorn links) wurde 1968 Ehrenbürger der Stadt Braunschweig, rechts der damalige Oberstadtdirektor Hans-Günther Weber. Foto: Stadtarchiv
Otto Bennemann (vorn links) wurde 1968 Ehrenbürger der Stadt Braunschweig, rechts der damalige Oberstadtdirektor Hans-Günther Weber. Foto: Stadtarchiv

Ehren­bürger der Stadt Braun­schweig, Folge 9: Otto Bennemann

Otto Bennemann (1903 bis 2003) zählte zu den bedeu­tendsten Braun­schweiger Politi­kern der Nachkriegs­zeit. Als Sozial­de­mo­krat prägte er den demokra­ti­schen Neuanfang der Stadt und später auch des Landes Nieder­sachsen entschei­dend mit. 1948 trat Bennemann als Braun­schweiger Oberbür­ger­meister die Nachfolge von Ernst Böhme an. Nach einer zweijäh­rigen Unter­bre­chung übernahm er 1954 erneut für weitere fünf Jahre die Verant­wor­tung. Seine Amtszeiten waren vom Wieder­aufbau der kriegs­zer­störten Stadt geprägt. Für seine Lebens­leis­tung wurde Otto Bennemann 1968 mit der Ehren­bür­ger­würde ausge­zeichnet. Darüber hinaus erhielt er das Große Bundes­ver­dienst­kreuz mit Stern und Schul­ter­band sowie die Nieder­säch­si­sche Landes­me­daille.

Außer­or­dent­li­ches Ansehen

Bereits 1946 gehörte Bennemann dem für kurze Zeit einge­setzten Braun­schwei­gi­schen Landtag an. Von 1947 bis 1974 war er Abgeord­neter des Nieder­säch­si­schen Landtags. Als nieder­säch­si­scher Innen­mi­nister von 1959 bis 1967 stärkte er durch die während seiner Amtszeit einge­lei­tete und 1974 abgeschlos­sene Gebiets­re­form die Stellung der Gemeinden und Kreise. Zudem gehörte Bennemann dem Parteirat der SPD an und war Mitautor des Godes­berger Programms. Mit diesem Programm wandelte sich die SPD 1959 von einer sozia­lis­ti­schen Arbei­ter­partei zu einer modernen linken Volks­partei und öffnete sich damit der breiten Mitte der Gesell­schaft. Über die Partei­grenzen hinweg genoss Bennemann aufgrund seiner Sachlich­keit und Kompetenz sowie seiner Toleranz und Fairness außer­or­dent­li­ches Ansehen.

Otto Bennemann wurde 1903 als drittes von fünf Kindern einer Arbei­ter­fa­milie geboren. In seinem gewerk­schaft­lich geprägten Eltern­haus erhielt er seine erste politi­sche Prägung, der er zeitle­bens treu blieb. Die sieben­köp­fige Familie lebte in einer beengten Zweizim­mer­woh­nung im Westli­chen Ringge­biet. Nach dem Besuch der „Unteren Bürger­schule Sophien­straße“ und einer kaufmän­ni­schen Lehre arbeitete Bennemann als Indus­trie­kauf­mann. 1919 trat er einer Gewerk­schaft bei, 1923 der SPD und 1926 dem Inter­na­tio­nalen Sozia­lis­ti­schen Kampfbund. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau Franziska Stell­ma­cher kennen. Im Selbst­stu­dium bildete er sich unter anderem in Volks­wirt­schaft und Staats­wis­sen­schaften weiter.

Otto Bennemann genoss parteiübergreifend hohes Ansehen. Foto: Stadtarchiv
Otto Bennemann genoss partei­über­grei­fend hohes Ansehen. Foto: Stadt­ar­chiv

Im aktiven Wider­stand

Nach der Macht­über­nahme der Natio­nal­so­zia­listen wurde aus seinem politi­schen Engage­ment aktiver Wider­stand. In Braun­schweig koordi­nierte Bennemann die illegale Arbeit des Inter­na­tio­nalen Sozia­lis­ti­schen Kampf­bundes. Verfol­gung, eine kurze Haft und der Druck der Gestapo zwangen ihn 1938 zur Flucht über die Schweiz und Frank­reich nach England. Nach Kriegs­be­ginn wurde Bennemann dort als „feind­li­cher Ausländer“ inter­niert und später nach Austra­lien gebracht. Bereits 1942 durfte er aber nach England zurück­kehren, wo er sich an der Organi­sa­tion des Wider­stands gegen die Natio­nal­so­zia­listen betei­ligte.

Für Braun­schweig war von entschei­dender Bedeutung, dass Bennemann trotz Verfol­gung und Exil nicht mit seiner Heimat­stadt brach. Schon 1945 kehrte er, zunächst in ameri­ka­ni­scher Uniform, nach Braun­schweig zurück. Unver­züg­lich betei­ligte er sich am Aufbau eines unumkehrbar demokra­ti­schen Gemein­we­sens in Deutsch­land. Dabei kamen ihm seine guten Verbin­dungen zu den Ameri­ka­nern, in deren Diensten er anfangs stand, und später zu den briti­schen Besat­zungs­be­hörden im Braun­schwei­gi­schen zugute.

Bennemann übernahm schnell eine führende Rolle innerhalb der SPD. Seit Ende 1945 gehörte er dem Rat der Stadt Braun­schweig an, 1948 wurde er erstmals Oberbür­ger­meister. Große Teile der Stadt lagen in Trümmern, Wohnraum war knapp und die Versor­gungs­lage schwierig. Zugleich mussten zahlreiche Flücht­linge und Vertrie­bene aufge­nommen sowie Straßen, Schulen und die städti­sche Infra­struktur wieder­her­ge­stellt werden. Bennemann wirkte an wegwei­senden Entschei­dungen mit, die das Braun­schweig der Nachkriegs­zeit bis heute prägen. Als Mitbe­gründer der Arbei­ter­wohl­fahrt setzte er sich für die Einrich­tung von Suppen­kü­chen ein und kümmerte sich um die Landver­schi­ckung der Kriegs­kinder.

Bleibendes Vermächtnis

1990 errich­tete Bennemann die Franziska-und-Otto-Bennemann-Stiftung zur Förderung der Forschung über Idee und Gestal­tung der demokra­tisch-sozialen Rechts­ord­nung und ihrer ethisch fundierten Grund­werte. 1994 gründete er zusätz­lich die Otto-Bennemann-Stiftung Braun­schweig. Diese fördert über seinen Tod hinaus dauerhaft das Georg-Eckert-Institut für inter­na­tio­nale Schul­buch­for­schung, das Inter­na­tio­nale Haus Sonnen­berg und die Lebens­hilfe. Im Jahr 2005 wurde die damalige Berufs­bil­dende Schule III der Stadt Braun­schweig in Otto-Bennemann-Schule umbenannt. Seit 2008 trägt zudem die Benne­mann­straße, die in das Quartier Sankt-Leonhards-Garten führt, seinen Namen.

Das könnte Sie auch interessieren