Kultivierte Stücke statt Klamauk: Im 18. Jahrhundert veränderte Friederike Caroline Neuber die Bühnenkultur
Friederike Caroline Neuber (1697–1760), genannt die Neuberin, gehört zu den wichtigsten Pionieren des deutschsprachigen Theaters. Blankenburg und Braunschweig prägten dabei ihren Weg. Ein eigens eingerichteter Neuberin-Salon im Großen Schloss Blankenburg und die Rückkehr eines wiederentdeckten Gemäldes sind Anlass genug, um an ihr Wirken im Braunschweigischen zu erinnern. Denn hier begann ein entscheidender Teil der Theatererneuerung im 18. Jahrhundert.
„Die Neuberin war weit mehr als eine Schauspielerin. Sie war die wichtigste Wegbereiterin unserer heutigen Theaterkultur im deutschsprachigen Raum“, schrieb Dr. Evelin Wittich, Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Friederike-Caroline-Neuber-Stiftung und Vorsitzende der Stiftung, anlässlich der Aufführung „Friederike Caroline Neuber – Ein Bühnenporträt der großen Theaterfrau“ im Großen Schloss Blankenburg im Jahr 2021.
Unterstützung vom Herzog
In Blankenburg fand die Neuberin die Unterstützung Herzog Ludwig Rudolfs (1671–1735), in Braunschweig heiratete sie im Dom und trat später mit ihrer Truppe im herzoglichen Opernhaus am Hagenmarkt auf. 1735 führte sie dort Johann Christoph Gottscheds (1700 – 1766) Trauerspiel „Der sterbende Cato“ auf. Während der archäologischen Grabungen am Hagenmarkt wurden jüngst Mauer- und Fundamentreste des um 1690 errichteten herzoglichen Opernhaus entdeckt worden.
Der von Hilde Thoms, der Gründerin der Friederike-Caroline-Neuber-Stiftung und des Fördervereins der Stiftung, eingerichtete Neuberin-Salon im Schloss Blankenburg ist dem Leben und Wirken der Künstlerin gewidmet. Unter anderem zeigt eine Grafik, die Spielorte und Reisewege der Neuberin. Auch außerhalb des Schlosses ist sie präsent. Unter anderem wurde eine Straße nach ihr benannt.

Das einzig authentische Porträt
Das wiederentdeckte Gemälde zeigt die Neuberin mit ihrem Ensemble. Es entstand im frühen 18. Jahrhundert und schmückte ursprünglich als Kamingemälde den Redoutensaal, den heutigen Theatersaal im Großen Schloss. Lange galt es als verschollen. Erst Anfang der 1990er-Jahre wurde es bei Dacharbeiten in der Moritzburg/Halle wiederentdeckt. Private Spenden und der Verein Rettung Schloss Blankenburg ermöglichten die Restaurierung und die Rückkehr an den ursprünglichen Platz.
Die Theaterwissenschaftlerin Bärbel Rudin hält das Bild für das einzige authentische Porträt der Bühnenreformerin. Die jüngere Forschung schreibt es Johann Conrad Eichler zu, der als Hof- und Cabinetmaler für die Braunschweig-Wolfenbütteler Herzöge tätig war. Der Theatersaal, in dem das Gemälde jetzt wieder hängt, ist ebenfalls grundsaniert.
Als Caroline Weißenborn 1716 mit dem Schauspieler Johann Neuber nach Braunschweig kam, begann ihre enge Verbindung zum welfischen Hof. Das Paar heiratete 1718 mit herzoglicher Genehmigung im Braunschweiger Dom. Anwesend waren Mitglieder des Hofes und das Blankenburger Fürstenpaar, Ludwig Rudolf und Christine Luise. Die Unterstützung eröffnete der jungen Schauspielerin Zugang zu Förderern, die dem Theater besonderes Gewicht beimaßen.

Mehr als eine Schauspielerin
1731 wurde ihre Truppe als herzogliche deutsche Hofkomödianten privilegiert. Als Ludwig Rudolf nach Braunschweig-Wolfenbüttel wechselte, weitete sich die Verbindung in die größere Residenz aus. Friederike Caroline Neuber war nicht nur eine erfolgreiche Schauspielerin. Sie führte eine eigene Theatertruppe, verfasste Stücke und prägte das Repertoire. Sie wandte sich gegen den damals beliebten Klamauk. Stattdessen setzte sie auf literarisch anspruchsvollere Dramen, regelgebundene Inszenierungen und eine kultivierte Sprache.
Gerd Biegel, Gründungsdirektor des Instituts für Braunschweigische Regionalgeschichte und Präsident des Vereins Rettung Schloss Blankenburg e.V., nennt Friederike Caroline Neuber eine „große Vorbereiterin“. Sie sei „eine deutsche Bühnenkünstlerin, als es bedeutende deutsche Bühnenkunst kaum gab“. Die Neuberin machte die Entwicklung eines anspruchsvollen deutschsprachigen Theaters zu ihrem Lebensprojekt. Gotthold Ephraim Lessing, der für sie übersetzte und ihre Aufführungen sah, sagte später, er habe von Neubers Theater „hundert wichtige Kleinigkeiten gelernt“. 1748 brachte sie sein erstes Stück, „Der junge Gelehrte“, auf die Bühne.
Schlosssanierung geht weiter
Das wieder aufgehängte Porträt erinnert daran, wie eng die Anfänge der Bühnenreform mit Blankenburg und Braunschweig verbunden waren. Und es ist ein Beleg für den Fortschritt der Sanierung des Großen Schlosses Blankenburg, dessen Rettung 2004 mit ersten Sicherungsarbeiten. Seit 2005 führt der Verein Rettung Schloss Blankenburg e.V. diese Arbeit fort und bereitet die Sanierung in Bauabschnitten vor. Komplett saniert ist auch der Graue Saal, in dem Eheschließungen des Standesamtes Blankenburg möglich sind.

Fakten:
Verein Rettung Schloss Blankenburg e.V.
Großes Schloss 1
38889 Blankenburg (Harz)
E‑Mail: info@schlossblankenburg.de
Internetseite: www.rettung-schloss-blankenburg.de
Von April bis Dezember sind Schlosshof und Vestibül von Mittwoch bis Sonntag zwischen 10 bis 16 Uhr zugänglich. Die Innenräume können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden.



