Degra­diert zu einer Verkehrs­dreh­scheibe

Blick von Süden auf die Augusttorbrücke mit Torhäusern, um 1930. Foto: Stadtarchiv Braunschweig.

Braun­schweigs Plätze, Folge 14: Als der John F. Kennedy-Platz noch August­platz hieß, war er der „schönste Stadt­ein­gang des klassi­zis­ti­schen Wallrings“.

Die aktuelle Situation vom Süden kommend auf den John F. Kennedy-Platz. Foto: Elmar Arnhold

Der John F. Kennedy-Platz erhielt seinen Namen nach der Ermordung des US-Präsi­denten im November 1963. Zu dieser Zeit war die vollstän­dige Umgestal­tung des einstigen August­platzes zu einem Verkehrs­kno­ten­punkt gerade abgeschlossen.  Den Kennedy-Platz eint damit das traurige Schicksal der Mutation zu einem bedeu­tenden Verkehrs­kno­ten­punkt in einer damals zum Ziel erhobenen „autoge­rechten“ Stadt nach den Bomben­zer­stö­rungen während des Zweiten Weltkriegs mit dem Radeklint.

Einst geniale Konstruk­tion

„Die heutige Bebauung des trich­ter­förmig nach Süden geöff­neten Platzes zeigt sämtliche Stilrich­tungen der Archi­tektur nach 1950. Aus der Zeit vor 1945 sind neben dem dreieckigen Gründer­zeit­block zwischen Kennedy- und Lessing­platz nur wenige histo­ri­sche Relikte erhalten“, schreibt der renom­mierte Bauhis­to­riker Elmar Arnhold, der auch Stadt­teil­hei­mat­pfleger für die Innen­stadt Braun­schweigs ist. Den vorhe­rigen August­platz bezeichnet er als „geniale Konstruk­tion“ mit neuer Okerbrücke und einem Straßen­d­rei­strahl der zentral in die Innen­stadt führte und abzwei­gend zum Löwenwall und zum Lessing­platz.

Der einstige Plan von Peter Josef Krahe (Norden unten) für das Augusttor. Foto: Stadt­ar­chiv

Gemeinsam mit ihm stellt „Der Löwe – das Portal für das Braun­schwei­gi­sche“ Braun­schweigs Innen­stadt-Plätze in monat­li­cher Folge vor. Die Serie basiert auf dem von ihm verfassten und von der Richard Borek Stiftung heraus­ge­geben Buch „Braun­schweiger Plätze in Geschichte und Gegenwart“ (s.u.). Anlass für das Buch waren die Umgestal­tungs­pläne für den Hagen­markt. Heraus­ge­kommen ist ein attrak­tives Standard­werk. Eine zweite Auflage ist in Planung. Mit dem Erscheinen ist nach den Sommer­fe­rien zu rechnen.

Da vom histo­ri­schen August­platz nach der Umgestal­tung nichts mehr übrig­ge­blieben war, sei die Umbenen­nung nach einer zeitge­nös­si­schen Persön­lich­keit seiner­zeit „durchaus folge­richtig“ gewesen, meint Arnhold. Mit den Wieder­auf­bau­plänen nach 1945 endete aber die Geschichte der von Peter Josef Krahe im Zuge der Anlage des Wallrings geschaf­fenen Torsi­tua­tion. Für Bauhis­to­riker Arnhold war es von 1806 an „der wohl schönste Stadt­ein­gang des klassi­zis­ti­schen Wallrings“.

Portikus im Bürger­park

Den ersten einschnei­denden Eingriff hatte die großzügig und nach Vorbil­dern der Stadt­bau­kunst der Renais­sance und des Barocks gestalte Platz­an­lage mit der dreieckigen Bebauung zwischen den drei Torstraßen. Dem Bauvor­haben fiel ein klassi­zis­ti­sches Wachge­bäude zum Opfer, dessen Portikus heute im Bürger­park zu finden ist.

Das ehemalige klassi­zis­ti­sche Wachge­bäude wurde 1895 abgebro­chen. Foto: Archiv der Heimat­pfleger Braun­schweig

Der reprä­sen­ta­tive Platz­cha­rakter blieb bis zur autoge­rechten Umgestal­tung erhalten. Es hatte während des Krieges Beschä­di­gungen an der Randbe­bauung gegeben, aber eine völlige Zerstö­rung war ausge­blieben. Brand­bomben zerstörten aller­dings den gründer­zeit­li­chen Palais Riedesel, in dem Dannes Hotel unter­ge­bracht gewesen war.

Ursprung um 1200

Der histo­ri­sche August­platz war nach dem einstigen Augusttor, einem der wichtigsten Stadttore Braun­schweigs, benannt. Es führte die Ausfall­straße in Richtung Süden zur ehema­ligen Residenz­stadt Wolfen­büttel. Der Name des Tores ging auf Herzog August Wilhelm (1662 – 1731) zurück. Das mittel­al­ter­liche Aegidi­entor war vermut­lich während der ersten Gesamt­be­fes­ti­gung der Stadt durch Otto IV. um 1200 entstanden. Der Torturm befand sich am Südende der heutigen August­straße und hätte seinen Standort heute mitten auf dem weitläu­figen Platz. Der Torturm war bereits 1728 abgebro­chen worden. Eine Platz­si­tua­tion war jedoch erst mit der Schaffung des Wallrings anstelle der Befes­ti­gungs­an­lagen entstanden.

Das ehemalige Palais Riedel wurde während des Zweiten Weltkriegs völlig zerstört. Foto: Archiv der Heimat­pfleger

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