Ehrenbürger der Stadt Braunschweig, Folge 9: Otto Bennemann
Otto Bennemann (1903 bis 2003) zählte zu den bedeutendsten Braunschweiger Politikern der Nachkriegszeit. Als Sozialdemokrat prägte er den demokratischen Neuanfang der Stadt und später auch des Landes Niedersachsen entscheidend mit. 1948 trat Bennemann als Braunschweiger Oberbürgermeister die Nachfolge von Ernst Böhme an. Nach einer zweijährigen Unterbrechung übernahm er 1954 erneut für weitere fünf Jahre die Verantwortung. Seine Amtszeiten waren vom Wiederaufbau der kriegszerstörten Stadt geprägt. Für seine Lebensleistung wurde Otto Bennemann 1968 mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband sowie die Niedersächsische Landesmedaille.
Außerordentliches Ansehen
Bereits 1946 gehörte Bennemann dem für kurze Zeit eingesetzten Braunschweigischen Landtag an. Von 1947 bis 1974 war er Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags. Als niedersächsischer Innenminister von 1959 bis 1967 stärkte er durch die während seiner Amtszeit eingeleitete und 1974 abgeschlossene Gebietsreform die Stellung der Gemeinden und Kreise. Zudem gehörte Bennemann dem Parteirat der SPD an und war Mitautor des Godesberger Programms. Mit diesem Programm wandelte sich die SPD 1959 von einer sozialistischen Arbeiterpartei zu einer modernen linken Volkspartei und öffnete sich damit der breiten Mitte der Gesellschaft. Über die Parteigrenzen hinweg genoss Bennemann aufgrund seiner Sachlichkeit und Kompetenz sowie seiner Toleranz und Fairness außerordentliches Ansehen.
Otto Bennemann wurde 1903 als drittes von fünf Kindern einer Arbeiterfamilie geboren. In seinem gewerkschaftlich geprägten Elternhaus erhielt er seine erste politische Prägung, der er zeitlebens treu blieb. Die siebenköpfige Familie lebte in einer beengten Zweizimmerwohnung im Westlichen Ringgebiet. Nach dem Besuch der „Unteren Bürgerschule Sophienstraße“ und einer kaufmännischen Lehre arbeitete Bennemann als Industriekaufmann. 1919 trat er einer Gewerkschaft bei, 1923 der SPD und 1926 dem Internationalen Sozialistischen Kampfbund. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau Franziska Stellmacher kennen. Im Selbststudium bildete er sich unter anderem in Volkswirtschaft und Staatswissenschaften weiter.

Im aktiven Widerstand
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde aus seinem politischen Engagement aktiver Widerstand. In Braunschweig koordinierte Bennemann die illegale Arbeit des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes. Verfolgung, eine kurze Haft und der Druck der Gestapo zwangen ihn 1938 zur Flucht über die Schweiz und Frankreich nach England. Nach Kriegsbeginn wurde Bennemann dort als „feindlicher Ausländer“ interniert und später nach Australien gebracht. Bereits 1942 durfte er aber nach England zurückkehren, wo er sich an der Organisation des Widerstands gegen die Nationalsozialisten beteiligte.
Für Braunschweig war von entscheidender Bedeutung, dass Bennemann trotz Verfolgung und Exil nicht mit seiner Heimatstadt brach. Schon 1945 kehrte er, zunächst in amerikanischer Uniform, nach Braunschweig zurück. Unverzüglich beteiligte er sich am Aufbau eines unumkehrbar demokratischen Gemeinwesens in Deutschland. Dabei kamen ihm seine guten Verbindungen zu den Amerikanern, in deren Diensten er anfangs stand, und später zu den britischen Besatzungsbehörden im Braunschweigischen zugute.
Bennemann übernahm schnell eine führende Rolle innerhalb der SPD. Seit Ende 1945 gehörte er dem Rat der Stadt Braunschweig an, 1948 wurde er erstmals Oberbürgermeister. Große Teile der Stadt lagen in Trümmern, Wohnraum war knapp und die Versorgungslage schwierig. Zugleich mussten zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene aufgenommen sowie Straßen, Schulen und die städtische Infrastruktur wiederhergestellt werden. Bennemann wirkte an wegweisenden Entscheidungen mit, die das Braunschweig der Nachkriegszeit bis heute prägen. Als Mitbegründer der Arbeiterwohlfahrt setzte er sich für die Einrichtung von Suppenküchen ein und kümmerte sich um die Landverschickung der Kriegskinder.
Bleibendes Vermächtnis
1990 errichtete Bennemann die Franziska-und-Otto-Bennemann-Stiftung zur Förderung der Forschung über Idee und Gestaltung der demokratisch-sozialen Rechtsordnung und ihrer ethisch fundierten Grundwerte. 1994 gründete er zusätzlich die Otto-Bennemann-Stiftung Braunschweig. Diese fördert über seinen Tod hinaus dauerhaft das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung, das Internationale Haus Sonnenberg und die Lebenshilfe. Im Jahr 2005 wurde die damalige Berufsbildende Schule III der Stadt Braunschweig in Otto-Bennemann-Schule umbenannt. Seit 2008 trägt zudem die Bennemannstraße, die in das Quartier Sankt-Leonhards-Garten führt, seinen Namen.





