Erstmals 1860 im Adress­buch aufge­taucht

Steintor um 1820. Foto: Stadt Braunschweig
Steintor um 1820. Foto: Stadt Braunschweig

Geschichte(n) von nebenan, Folge 8: Die Helmstedter Straße und das Steintor

Das alte Steintor befand sich am Ausgang des Steinwegs und erhielt seinen Namen wohl durch die Stein­trans­porte aus dem Elm und dem Nußberg. Alle Stadt­kir­chen, das Ägidi­en­kloster und die St. Leonhard­ka­pelle wurden mit Muschel­kalk-Sandstein gebaut. Der sumpfige Hagen­bruch machte für die Fuhrwerke aus dem Nußberg einen Umweg erfor­der­lich. Dieser führte im Mittel­alter nördlich des Streit­bergs entlang, dem Fahrweg nach Riddags­hausen. Erst 1670 wurde die Straße nach Helmstedt angelegt, 1721 beider­seits der Straße Linden angepflanzt. Heute steht davon nur ein spärli­cher Rest stadt­aus­wärts am Haupt­friedhof.

Im histo­ri­schen Atlas der Stadt von 1671 ist die Straße ohne Namen, ausgehend vom Steintor, vorbei am Mastbruch und Schöp­pen­stedter Turm einge­zeichnet. Der Verlauf der Helmstedter Straße entspricht dem der alten Kaiser­straße und der Reichs­straße Köln – Königs­berg.

Steintor Anfang des 19. Jahrhunderts. Foto: gemeinfrei
Steintor Anfang des 19. Jahrhun­derts. Foto: gemein­frei

Torhäuser 1819 errichtet

Beim Bau der Bastio­närs­be­fes­ti­gungen ab 1692 verlegte man das Steintor nach Süden und verband es mit dem Magnitor. 1819 wurden die Torhäuser am Steintor nach Plänen des Herzog­li­chen Baumeis­ters Peter Joseph Krahe errichtet. Zwischen den Torhäu­sern entstand ein recht­eckiger Platz, der 2026 nach Plänen des Bezirks­rates Mitte „Käthe-Buchler-Platz“ heißen soll. Das Steintor selbst war dreiteilig und monumental gestaltet. Auf zwei großen Mittel­pfei­lern ruhten zwei gussei­serne Löwen, die inzwi­schen vor der Herzog August Biblio­thek in Wolfen­büttel ihren Platz gefunden haben.

In der Stadt­karte von 1755 gibt es nur noch eine Haupt­stra­ßen­ver­bin­dung nach Osten, die sogenannte Magde­burger Heerstraße. Der Name „Helmstedter Straße“ tauchte erstmals 1860 im Adress­buch und 1872 im Stadtplan auf. Der Stadt­er­wei­te­rungs­plan von Stadt­bau­meister Carl Tappe weist 1870 bereits eine lücken­hafte Bebauung der Helmstedter Straße bis zum Altewie­kring aus. Im Ortsbau­plan von Ludwig Winter erreichte die Bebauung die Eisen­bahn­linie nach Helmstedt. Östlich davon befanden sich um 1889 nur die Gebäude der Braun­schweiger Actien­brauerei, der Actien Cicho­ri­en­darre und des Haupt­fried­hofs.

Steintor um 1900. Foto: Stadtarchiv Braunschweig, H XVI A III 1
Steintor um 1900. Foto: Stadt­ar­chiv Braun­schweig, H XVI A III 1

Erst spärlich bebaut

Die eigent­liche Geschichte der Helmstedter Straße beginnt mit der Schlei­fung der Befes­ti­gungs­an­lagen und mit dem Bau des Steintors um 1819. Die Stadt­er­wei­te­rung geschah in diesem Bereich nur langsam. Um 1855 nannte das Adress­buch lediglich Georg Friedrich Howaldt (später Nr. 7), Louis Steding und den Schenk­wirth Johann Heinrich Pahlmann außerhalb des Stein­tores. Der Rat der Stadt bestimmte aber erst 1870 die Außen­stadt­be­reiche als Baugrund. Gleich­zeitig trat ein Stadt­er­wei­te­rungs­statut in Kraft.

Die heutigen Besitz­rechte lassen sich größten­teils bis in die Gründer­zeit zurück­ver­folgen. Auch die Neben­straßen wurden Zug um Zug angelegt: Von 1880 an die Caser­nen­straße (heute Howaldt­straße), Riddags­häuser Weg (heute Georg-Wester­mann-Allee), Bertram­straße, Leonhard­straße, Kasta­ni­en­allee, Wörth­straße (heute Schill­straße) und die Martha­straße. Die Helmstedter Straße war bis 1895 bis zum Bahnüber­gang ein städti­scher Kommu­nalweg. Erst 1912 wurde das Teilstück bis zur Gaststätte Moritz­burg (heute Krema­to­rium und Wende­schleife) in die kommunale Verwal­tung übernommen. Und erst seit 1974 gehört die Straße ab Schöp­pen­stedter Turm zur Stadt Braun­schweig.

Karl-Heinz Löffel­send ist Stadt­teil­hei­mat­pfleger des Bezirks Viewegs Garten-Bebelhof

Die Helmstedter Straße mit den Torhäusern. Foto: Karl-Heinz Löffelsend
Die Helmstedter Straße mit den Torhäu­sern. Foto: Karl-Heinz Löffel­send

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