Geschichte(n) von nebenan, Folge 8: Die Helmstedter Straße und das Steintor
Das alte Steintor befand sich am Ausgang des Steinwegs und erhielt seinen Namen wohl durch die Steintransporte aus dem Elm und dem Nußberg. Alle Stadtkirchen, das Ägidienkloster und die St. Leonhardkapelle wurden mit Muschelkalk-Sandstein gebaut. Der sumpfige Hagenbruch machte für die Fuhrwerke aus dem Nußberg einen Umweg erforderlich. Dieser führte im Mittelalter nördlich des Streitbergs entlang, dem Fahrweg nach Riddagshausen. Erst 1670 wurde die Straße nach Helmstedt angelegt, 1721 beiderseits der Straße Linden angepflanzt. Heute steht davon nur ein spärlicher Rest stadtauswärts am Hauptfriedhof.
Im historischen Atlas der Stadt von 1671 ist die Straße ohne Namen, ausgehend vom Steintor, vorbei am Mastbruch und Schöppenstedter Turm eingezeichnet. Der Verlauf der Helmstedter Straße entspricht dem der alten Kaiserstraße und der Reichsstraße Köln – Königsberg.

Torhäuser 1819 errichtet
Beim Bau der Bastionärsbefestigungen ab 1692 verlegte man das Steintor nach Süden und verband es mit dem Magnitor. 1819 wurden die Torhäuser am Steintor nach Plänen des Herzoglichen Baumeisters Peter Joseph Krahe errichtet. Zwischen den Torhäusern entstand ein rechteckiger Platz, der 2026 nach Plänen des Bezirksrates Mitte „Käthe-Buchler-Platz“ heißen soll. Das Steintor selbst war dreiteilig und monumental gestaltet. Auf zwei großen Mittelpfeilern ruhten zwei gusseiserne Löwen, die inzwischen vor der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel ihren Platz gefunden haben.
In der Stadtkarte von 1755 gibt es nur noch eine Hauptstraßenverbindung nach Osten, die sogenannte Magdeburger Heerstraße. Der Name „Helmstedter Straße“ tauchte erstmals 1860 im Adressbuch und 1872 im Stadtplan auf. Der Stadterweiterungsplan von Stadtbaumeister Carl Tappe weist 1870 bereits eine lückenhafte Bebauung der Helmstedter Straße bis zum Altewiekring aus. Im Ortsbauplan von Ludwig Winter erreichte die Bebauung die Eisenbahnlinie nach Helmstedt. Östlich davon befanden sich um 1889 nur die Gebäude der Braunschweiger Actienbrauerei, der Actien Cichoriendarre und des Hauptfriedhofs.

Erst spärlich bebaut
Die eigentliche Geschichte der Helmstedter Straße beginnt mit der Schleifung der Befestigungsanlagen und mit dem Bau des Steintors um 1819. Die Stadterweiterung geschah in diesem Bereich nur langsam. Um 1855 nannte das Adressbuch lediglich Georg Friedrich Howaldt (später Nr. 7), Louis Steding und den Schenkwirth Johann Heinrich Pahlmann außerhalb des Steintores. Der Rat der Stadt bestimmte aber erst 1870 die Außenstadtbereiche als Baugrund. Gleichzeitig trat ein Stadterweiterungsstatut in Kraft.
Die heutigen Besitzrechte lassen sich größtenteils bis in die Gründerzeit zurückverfolgen. Auch die Nebenstraßen wurden Zug um Zug angelegt: Von 1880 an die Casernenstraße (heute Howaldtstraße), Riddagshäuser Weg (heute Georg-Westermann-Allee), Bertramstraße, Leonhardstraße, Kastanienallee, Wörthstraße (heute Schillstraße) und die Marthastraße. Die Helmstedter Straße war bis 1895 bis zum Bahnübergang ein städtischer Kommunalweg. Erst 1912 wurde das Teilstück bis zur Gaststätte Moritzburg (heute Krematorium und Wendeschleife) in die kommunale Verwaltung übernommen. Und erst seit 1974 gehört die Straße ab Schöppenstedter Turm zur Stadt Braunschweig.
Karl-Heinz Löffelsend ist Stadtteilheimatpfleger des Bezirks Viewegs Garten-Bebelhof







