Im Zentrum der Anlage steht eine große Fachwerkwand mit Nisthilfen für bedrohte röhrennistende Arten
Mit der neu gestalteten Wildbienenstation am Nehrkornweg hat das Haus Entenfang in Riddagshausen ein sichtbares und attraktives Zeichen für den Artenschutz gesetzt. Die Anlage bietet bedrohten Wildbienenarten neuen Lebensraum und ermöglicht Spaziergängerinnen und Spaziergängern, die faszinierenden Insekten aus nächster Nähe zu beobachten. Die Wildbienenstation ersetzt die zuvor dort platzierten Wildbienenhotels, die im Rahmen des Natur-Erleben-Pfads im Jahr 2009 aufgestellt worden waren. Wie die anderen acht Stationen des Pfades soll auch die neue Wildbienenstation noch eine erläuternde Informationstafel erhalten.

Unterschiedliche Bedürfnisse
„Die Station wurde gezielt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Wildbienenarten ausgerichtet. Unter anderem wurden 500 heimische Wildstauden in unmittelbarer Nähe gepflanzt und ein Blühstreifen angelegt, weil Wildbienen im Gegensatz zu Honigbienen meist nur in einem begrenzten Radius unterwegs sind. Wir freuen uns, dass die Station bereits gut angenommen wird und viele Nistplätze schon belegt sind“, sagt Rangerin Anke Kätzel. Anders als die bekannte Honigbiene leben Wildbienen nicht in großen Völkern, sondern als Einzelgänger. Jedes Weibchen baut sein eigenes Nest und versorgt seine Brut selbstständig.
Im Zentrum der Anlage steht eine große Fachwerkwand mit Nisthilfen für röhrennistende Arten. „Von den rund 600 Wildbienenarten in Deutschland gehört etwa ein Viertel zu dieser Gruppe“, erläutert Anke Kätzel. Das Fachwerk besteht aus Eichenbalken, die Nisthilfen wurden aus Bambus, Holunder, Schilf sowie Holz von Eiche und Esche gefertigt. Ergänzt wird die Station durch offene Sand- und Lehmflächen sowie lose in lehmigem Sand verlegte Pflastersteine, die bodennistenden Wildbienen geeignete Brutplätze bieten. Eine Ziegelmauer mit Kalkmörtel sowie in den kommenden Monaten geplante Totholzhaufen erweitern den neuen, artgerechten Lebensraum zusätzlich.

Viel ehrenamtliches Engagement
„Der Entwurf der Station stammt vom Landschaftsarchitekturbüro Lina Verde aus Wolfenbüttel. Ein Großteil der verwendeten Steinmaterialien wurde wiederverwendet“, erläutert Anke Kätzel. Die Wildbienenstation wurde für rund 35.000 Euro von der Stadt Braunschweig, mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins Riddagshausen – Naturschutz und Bürgerschaft, der Bingo-Umweltstiftung, der Volksbank BRAWO sowie vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer realisiert. Besonderer Dank gilt Dr. Martin Bollmeier, dem Vorsitzenden des Fördervereins, für seinen tatkräftigen Einsatz bei der Anlage der Nistplätze.
Die Bedeutung des Projekts geht weit über die Station selbst hinaus. Wildbienen zählen zu den wichtigsten Bestäubern unserer heimischen Pflanzenwelt. Viele Arten sind jedoch durch den Verlust naturnaher Lebensräume, intensive Landwirtschaft und den Rückgang blütenreicher Flächen gefährdet. Die neue Station am Nehrkornweg bildet ein kleines Ökosystem, das unterschiedlichen Arten Nahrung, Schutz und Fortpflanzungsmöglichkeiten bietet.

Begleitende Umweltbildung
Begleitet wird das Engagement durch Umweltbildungsangebote im Haus Entenfang. Dort findet jährlich ein Wildbienen-Aktionstag statt, bei dem Interessierte lernen können, wie artgerechte Nisthilfen gebaut werden. Die erfolgreiche Bildungsarbeit wurde bereits 2024 ausgezeichnet: Das Projekt „Bau von Wildbienennisthilfen mit Kindern und Jugendlichen“ des Fördervereins Riddagshausen – Naturschutz und Bürgerschaft erhielt vom Natur-Netz Niedersachsen einen Preis für herausragende Umweltbildung.







