Ehrenbürger der Stadt Braunschweig, Folge 10: Erich Walter Lotz
Die Wertschätzung der Mehrheit der Bevölkerung für die Stadtpolitik von Oberstadtdirektor Erich Walter Lotz (1895 – 1966) kam an seinem 65. Geburtstag, dem 11. Februar 1960, in der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Braunschweig zum Ausdruck – nur wenige Wochen vor seinem Ausscheiden aus dem. Auch im Ruhestand blieb Lotz aktiv und nahm zahlreiche Ehrenämter wahr. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens ausgezeichnet und als prägende Persönlichkeit des Wiederaufbaus der Stadt gewürdigt. Er starb am 20. Dezember 1966 im Alter von 71 Jahren.
Erich Walter Lotz wurde am 11. Februar 1895 in Aschersleben geboren. Er war das vierte Kind des Schneidermeisters Bernhard Lotz und dessen Ehefrau Berta. Bis 1909 besuchte er die Elementarschule und anschließend vier Jahre lang eine Präparandenanstalt zur Vorbereitung auf das Lehrerseminar, das er 1914 erfolgreich abschloss. Nachdem er als Soldat gedient hatte, legte er 1919 die zweite Lehrerprüfung ab. Bis 1930 war er im öffentlichen Schuldienst tätig.
Im Jahr 1919 trat Lotz der SPD bei. Zudem wurde er Stadtverordneter und Stadtverordnetenvorsteher in Aschersleben. 1930 übernahm er die Leitung des Landeserziehungsheims in Nordhausen am Harz. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er entlassen, systematisch überwacht und bespitzelt. Von 1936 an war er als Geschäftsführer im Gaststättengewerbe in Braunlage und Danzig tätig.
Oberstadtdirektor von 1946 bis 1960
1945 begann für Lotz ein neuer beruflicher Abschnitt im öffentlichen Dienst. Zunächst war er in Eutin in Ostholstein tätig, wo er Oberkreisdirektor wurde. Am 12. September 1946 übernahm er das Amt des Oberstadtdirektors in Braunschweig. Er trat dieses Amt in einer schwierigen Zeit an. In der zweigleisigen Verwaltung nach englischem Vorbild trug er als hauptamtlicher Verwaltungsleiter bis zum 29. Februar 1960 die Verantwortung für die Verwaltung der Stadt.
Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehörten der Wiederaufbau der kriegszerstörten Stadt und ihre infrastrukturelle Entwicklung. Es war in mehrfacher Hinsicht ein Neuanfang. Lotz war der erste Hauptverwaltungsbeamte der Stadt, während der Oberbürgermeister vor allem repräsentative Aufgaben wahrnahm. Zugleich galt es, die Folgen der weitgehenden Zerstörung Braunschweigs zu bewältigen. Hinzu kamen Zehntausende Flüchtlinge und Vertriebene, die aufgenommen und versorgt werden mussten, sowie die akute Wohnungsnot.
Sein verwaltungsorientiertes und auf zügige Umsetzung gerichtetes Handeln stieß bei parteipolitisch oftmals zögernden Kritikern auf Widerspruch. Unbeirrt setzte Lotz jedoch sein Konzept um und erzielte während seiner Amtszeit sichtbare Erfolge beim Wiederaufbau. Zu den bedeutenden Projekten gehörten der Bau des Hauptbahnhofs, die Gründung der Messe „Harz und Heide“ sowie umfangreiche Planungen für den Auf- und Ausbau der Technischen Hochschule, durch den der Wissenschaftsstandort Braunschweig und die gesamte Region gestärkt wurden.
Die Anerkennung seiner Arbeit zeigte sich auch in zahlreichen überregionalen Ämtern und Funktionen. So gehörte Lotz dem Präsidium des Deutschen Städtetages an und war Vizepräsident des Bundes Deutscher Fremdenverkehrsverbände. Dem Fremdenverkehr kam in der frühen Wirtschaftsförderung besondere Bedeutung zu, da Braunschweig plötzlich von seinem natürlichen Hinterland im Osten abgeschnitten war. Lotz galt zudem als Spiritus Rector eines Instituts für Fremdenverkehrswissenschaften an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt, an dem er zeitweise selbst in Forschung und Lehre tätig war.
Wertschätzung in der Bevölkerung
Weitere Ehren- und Nebenämter nahm er im Interesse der Stadt Braunschweig wahr, unter anderem im Hochschulbund der hiesigen Hochschule und in der Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtforschung. Die Luft- und Raumfahrtforschung bildete einen besonderen Standortschwerpunkt der Stadt. Zahlreiche Ehrungen würdigten sein Wirken: Seit 1950 war Lotz Ehrensenator der Technischen Hochschule; am 3. Juli 1954 wurde ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Außerdem war er Ehrenbürger der Universität Frankfurt. Am 30. September 1963 erhielt er zudem das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland.






