Die Ausstellung manyFACES zeigt das Ergebnis von Christoph Boreks Langzeitprojekt zu menschlichen Regungen
Mit manyFACES ist in Braunschweig ein Projekt entstanden, das weit über die Grenzen klassischer Porträtfotografie hinausreicht. In einer achtjährigen Langzeitprojekt hat der Fotograf Christoph Borek 1145 Menschen aus unterschiedlichen Generationen, sozialen Hintergründen und Herkunftsländern porträtiert – jeweils in drei universellen Emotionen: Freude, Wut und Schmerz. Entstanden ist ein visuelles Archiv menschlicher Regungen, das in seiner Dimension und Konsequenz in Deutschland einzigartig ist.
Bis 27. September zu sehen
Wer sich ein eigenes Bild von dem spannenden Projekt machen möchte, kann dies vom 14. Juni bis zum 27. September in Sankt Leonhard 2a jeweils von Donnerstag bis Sonntag in der Zeit von 12 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung tun. Der Eintritt beträgt für Erwachsene fünf Euro, für Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren drei Euro sowie für Schulklassen zwei Euro je Kind. Der Erlös fließt nach Kosten für die Ausstellung in die manyFACES Stiftung.
Mit der Ausstellung öffnet manyFACES erstmals sein vollständiges Archiv. Für Museen, die sich mit visueller Anthropologie, ikonografischer Forschung oder zeitgenössischer Fotografie beschäftigen, könnte das Projekt zu einer relevanten Position im internationalen Ausstellungsbetrieb werden. Denn manyFACES zeigt nicht nur Bilder, sondfern eine Gesellschaft, die sich selbst in die Augen blickt.

Ohne ästhetische Glättung
Was manyFACES besonders macht, ist nicht die schiere Zahl der Porträtierten, sondern die anthropologische Perspektive, die das Projekt einnimmt. Borek verzichtet bewusst auf Inszenierung, Rollenbilder und ästhetische Glättung. Stattdessen schafft er einen Raum, in dem Menschen für einen Moment ihre sozialen Masken ablegen. Die daraus entstandenen Schwarzweiß-Porträts wirken wie eine zeitgenössische Fortsetzung historischer Bildnisse – von ägyptischen Totenmasken bis hin zu den physiognomischen Studien des 19. Jahrhunderts.
Kunsthistoriker und Kuratoren sehen in den Arbeiten zunehmend einen Beitrag zum aktuellen gesellschaftlichen Diskurs über Identität, Empathie und Diversität. Die Serie zeigt nicht, wie Menschen aussehen, sondern wie sie fühlen – und berührt damit ein Thema, das in vielen Museen an Bedeutung gewinnt: die Frage nach der „Human Condition“ im 21. Jahrhundert.

Dokumentation im Deutschen Kunstverlag
Besondere Aufmerksamkeit erhält manyFACES auch durch seine Publikation: Das Projekt erscheint im Deutschen Kunstverlag (DCV), einem der führenden Kunstverlage im deutschsprachigen Raum, der zahlreiche Publikationen bedeutender Museen betreut. Für viele Institutionen gilt dies als Hinweis auf editorische Qualität, museale Anschlussfähigkeit und internationale Sichtbarkeit.
Auch institutionell ist manyFACES bemerkenswert. Das Projekt wird durch eine gemeinnützige Stiftung getragen, die das entstehende Archiv langfristig sichern und öffentlich zugänglich machen soll. Dieser Ansatz entspricht einem Trend, der in der Museumslandschaft zunehmend Beachtung findet: die Verbindung von kultureller Nachhaltigkeit, öffentlicher Teilhabe und wissenschaftlicher Dokumentation.






