3435 Gesichter voller Freude, Wut und Schmerz

Aufbau in den früheren Stallscheunen Sankt Leonhard. Foto: manyFACES
Aufbau in den früheren Stallscheunen Sankt Leonhard. Foto: manyFACES

Die Ausstel­lung manyFACES zeigt das Ergebnis von Christoph Boreks Langzeit­pro­jekt zu mensch­li­chen Regungen

Mit manyFACES ist in Braun­schweig ein Projekt entstanden, das weit über die Grenzen klassi­scher Porträt­fo­to­grafie hinaus­reicht. In einer achtjäh­rigen Langzeit­pro­jekt hat der Fotograf Christoph Borek 1145 Menschen aus unter­schied­li­chen Genera­tionen, sozialen Hinter­gründen und Herkunfts­län­dern porträ­tiert – jeweils in drei univer­sellen Emotionen: Freude, Wut und Schmerz. Entstanden ist ein visuelles Archiv mensch­li­cher Regungen, das in seiner Dimension und Konse­quenz in Deutsch­land einzig­artig ist.

Bis 27. September zu sehen

Wer sich ein eigenes Bild von dem spannenden Projekt machen möchte, kann dies vom 14. Juni bis zum 27. September in Sankt Leonhard 2a jeweils von Donnerstag bis Sonntag in der Zeit von 12 bis 18 Uhr oder nach Verein­ba­rung tun. Der Eintritt beträgt für Erwach­sene fünf Euro, für Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren drei Euro sowie für Schul­klassen zwei Euro je Kind. Der Erlös fließt nach Kosten für die Ausstel­lung in die manyFACES Stiftung.

Mit der Ausstel­lung öffnet manyFACES erstmals sein vollstän­diges Archiv. Für Museen, die sich mit visueller Anthro­po­logie, ikono­gra­fi­scher Forschung oder zeitge­nös­si­scher Fotografie beschäf­tigen, könnte das Projekt zu einer relevanten Position im inter­na­tio­nalen Ausstel­lungs­be­trieb werden. Denn manyFACES zeigt nicht nur Bilder, sondfern eine Gesell­schaft, die sich selbst in die Augen blickt.

Christoph Borek ist der Initiator und Fotograf von manyFACES. Foto: manyFACES
Christoph Borek ist der Initiator und Fotograf von manyFACES. Foto: manyFACES

Ohne ästhe­ti­sche Glättung

Was manyFACES besonders macht, ist nicht die schiere Zahl der Porträ­tierten, sondern die anthro­po­lo­gi­sche Perspek­tive, die das Projekt einnimmt. Borek verzichtet bewusst auf Insze­nie­rung, Rollen­bilder und ästhe­ti­sche Glättung. Statt­dessen schafft er einen Raum, in dem Menschen für einen Moment ihre sozialen Masken ablegen. Die daraus entstan­denen Schwarz­weiß-Porträts wirken wie eine zeitge­nös­si­sche Fortset­zung histo­ri­scher Bildnisse – von ägypti­schen Toten­masken bis hin zu den physio­gno­mi­schen Studien des 19. Jahrhun­derts.

Kunst­his­to­riker und Kuratoren sehen in den Arbeiten zunehmend einen Beitrag zum aktuellen gesell­schaft­li­chen Diskurs über Identität, Empathie und Diver­sität. Die Serie zeigt nicht, wie Menschen aussehen, sondern wie sie fühlen – und berührt damit ein Thema, das in vielen Museen an Bedeutung gewinnt: die Frage nach der „Human Condition“ im 21. Jahrhun­dert.

Die Porträtserien werden in Alurahmen gehalten. Foto: manyFACES
Die Porträt­se­rien werden in Alurahmen gehalten. Foto: manyFACES

Dokumen­ta­tion im Deutschen Kunst­verlag

Besondere Aufmerk­sam­keit erhält manyFACES auch durch seine Publi­ka­tion: Das Projekt erscheint im Deutschen Kunst­verlag (DCV), einem der führenden Kunst­ver­lage im deutsch­spra­chigen Raum, der zahlreiche Publi­ka­tionen bedeu­tender Museen betreut. Für viele Insti­tu­tionen gilt dies als Hinweis auf edito­ri­sche Qualität, museale Anschluss­fä­hig­keit und inter­na­tio­nale Sicht­bar­keit.

Auch insti­tu­tio­nell ist manyFACES bemer­kens­wert. Das Projekt wird durch eine gemein­nüt­zige Stiftung getragen, die das entste­hende Archiv langfristig sichern und öffent­lich zugäng­lich machen soll. Dieser Ansatz entspricht einem Trend, der in der Museums­land­schaft zunehmend Beachtung findet: die Verbin­dung von kultu­reller Nachhal­tig­keit, öffent­li­cher Teilhabe und wissen­schaft­li­cher Dokumen­ta­tion.

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