„Benne­manns Weltbild noch heute aktuell“

Bei der Buchvorstellung in der Dornse des Altstadtrathauses (von links) Dr. Rainer Zirbeck, der Autor Dr. Horst-Rüdiger Jarck, Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse, Präsident der Braunschweigischen Stiftung Gerhard Glogowski und Archivdirektor Dr. Henning Steinführer. Foto: Peter Sierigk
Bei der Buchvorstellung in der Dornse des Altstadtrathauses (von links) Dr. Rainer Zirbeck, der Autor Dr. Horst-Rüdiger Jarck, Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse, Präsident der Braunschweigischen Stiftung Gerhard Glogowski und Archivdirektor Dr. Henning Steinführer. Foto: Peter Sierigk

Die Braun­schwei­gi­sche Stiftung präsen­tierte die in Koope­ra­tion mit dem Stadt­ar­chiv entstan­dene Biogra­phie des heraus­ra­genden sozial­de­mo­kra­ti­schen Braun­schweiger Politi­kers in der Dornse.

Zur Präsen­ta­tion der Biogra­phie von Otto Bennemann des Autors Dr. Horst-Rüdiger Jarck waren am Montag­abend mehr als 150 Gäste der Einladung der Braun­schwei­gi­schen Stiftung in die Dornse gefolgt. Unter ihnen waren viele Wegge­fährten des heraus­ra­genden sozial­de­mo­kra­ti­schen Braun­schweiger Politi­kers zu finden.

Kultur­de­zer­nentin Dr. Anja Hesse sprach ihre Grußworte im Namen von Oberbür­ger­meister Ulrich Markurth sowie von Rat und Verwal­tung der Stadt Braun­schweig. Sie hob die Unter­stüt­zung hervor, die der Vorsit­zende der Bennemann-Stiftung, Braun­schweigs ehema­liger Stadt­käm­merer Dr. Zirbeck, bei der Arbeit an diesem Buch einge­bracht hat. Vor allem aber auch den Beitrag, den das Stadt­ar­chiv Braun­schweig geleistet habet, das den schrift­li­chen Nachlass von Otto Bennemann verwaltet. Das Buch erschien in Koope­ra­tion mit dem Stadt­ar­chiv. Eines der letzten Gespräche mit Bennemann sei so faszi­nie­rend gewesen, dass sie erkannt habe: Das ist eine Legende. Es sei beein­dru­ckend, wie aktuell Otto Benne­manns Weltbild noch heute ist.

Gerhard Glogowski, wie Bennemann Ehren­bürger Braun­schweigs, ehema­liger Oberbür­ger­meister, nieder­säch­si­scher Innen­mi­nister, aller­dings auch noch Minis­ter­prä­si­dent, sprach nicht nur als Vorstands­vor­sit­zender der Braun­schwei­gi­schen Stiftung, sondern auch als Benne­manns politi­scher Schüler und langjäh­riger Wegge­fährte.

Er hob hervor, dass die Reihe der Biogra­phien, die die Stiftung initiiert habe, Persön­lich­keiten gewidmet sei, die Vorbild­cha­rakter haben. Das Buch über Carl Lauen­stein sei das erste in der Reihe gewesen. Carl Lauen­stein, aus einer Landwirt­schafts­fa­milie stammend, sei ein Beispiel dafür, dass auch eine konser­va­tive Familie, trotz Verfol­gung und Folter, den Nazis Wider­stand geleistet habe. Der zweite Band beschreibe das Leben des sozial­de­mo­kra­ti­schen Politi­kers Heinrich Jasper, der 1919 mit dafür gekämpft habe, dass in Braun­schweig eine Demokratie entstehen konnte, sei von den Nazis im KZ ermordet worden.

„Es ist die Überzeu­gung der Stiftung”, erklärte Glogowski, „dass wir der Schrift­form bedürfen, um die Erinne­rung an solche Menschen dauerhaft zu sichern.” Ganz nach der Erkenntnis: „Über wen nichts geschrieben ist, der ist vergessen.” Mit Horst-Rüdiger Jarck habe die Stiftung einen Histo­riker gefunden, der wissen­schaft­liche Texte auch für den normalen Leser verständ­lich formu­lieren kann. Das habe er schon bei der Überar­bei­tung der Jasper-Biogra­phie bewiesen.

Glogowski fuhr fort, er habe Otto Bennemann 1965 kennen­ge­lernt, als er als Student in seinem Büro „Akten ordnen” durfte. Er wurde zum politi­schen Schüler des Sozial­de­mo­kraten, dessen Grund­über­zeu­gungen die Erkenntnis gehörte, dass Braun­schweig nur stark sein könne, wenn es starke Verbin­dungen in die Region pflege. Er wünsche sich, es wäre noch heute so, fügte Glogowski hinzu.

Ein weitere Maxime Benne­manns sei gewesen: Worte und Taten müssen immer überein­stimmen. Auch Erkenntnis vermisse er heute häufig, merkte Glogowski an. Und über Diskus­sionen mit seinem politi­schen Vorbild sei ihm in Erinne­rung, dass es schwer gewesen sei, sich Benne­manns Logik und Argumen­ta­tion zu verschließen.

Archiv­di­rektor Dr. Henning Stein­führer blickte noch einmal auf die enge zweijäh­rige Zusam­men­ar­beit mit dem Autoren zurück. Jarck habe der Person Otto Bennemann mit dem Buch ein großar­tiges Denkmal gesetzt.

Der Autor erklärte, er sei an die Arbeit zu dieser Biogra­phie im Sinne der These von Carlo Schmidt gegangen: „Der Mensch ist was er verbirgt“. Durch diesen Satz angeregt sei die Betrach­tung des Lebens­laufs von Otto Bennemann begleitet von dem Wunsch gewesen, den Lebensweg beschrei­bend zu begleiten und – wenn möglich – zu verstehen. Dafür habe er mehr als 25 000 Blatt ausge­wertet und mehr als 200 Bilder gesichtet. Im Anschluss gab Jarck dem Publikum einen Überblick über den Lebensweg des bedeu­tenden Politi­kers.

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