Gerd Biegel bleibt Präsident der Raabe-Gesell­schaft

Gerd Biegel (rechts) wurde als Präsident wiedergewählt und für 25 Jahre ehrenamtlichen Vorsitz der Internationalen Raabe-Gesellschaft von Madleen Podewski und Andreas Blödorn geehrt. Foto: Internationale Raabe-Gesellschaft
Gerd Biegel (rechts) wurde als Präsident wiedergewählt und für 25 Jahre ehrenamtlichen Vorsitz der Internationalen Raabe-Gesellschaft von Madleen Podewski und Andreas Blödorn geehrt. Foto: Internationale Raabe-Gesellschaft

Wilhelm-Raabe-Litera­tur­preis 2019 wird am 3. November an Norbert Scheuer für seinen Roman „Winter­bienen“ verliehen.

Ein Viertel­jahr­hun­dert steht Gerd Biegel bereits der Inter­na­tio­nalen Raabe-Gesell­schaft vor, und es werden mindes­tens drei weitere Jahre hinzu­kommen. Im Anschluss an die Jahres­ta­gung mit dem Thema „Wilhelm Raabe – neue Wege der Forschung“ wurde Biegel einstimmig erneut zum Präsi­denten gewählt. Biegel ist der am längsten amtie­rende Präsident der Raabe Gesell­schaft. Er gehört auch der Jury zur Vergabe des Wilhelm Raabe-Litera­tur­preises an. Biegel war bis 2008 Direktor des Braun­schwei­gi­schen Landes­mu­seums und ist Gründungs­di­rektor des Instituts für Braun­schwei­gi­sche Regio­nal­ge­schichte und Geschichts­ver­mitt­lung der Techni­schen Univer­sität Braun­schweig.

Die Raabe-Gesell­schaft wurde bereits 1911 gegründet. Sie soll seit jeher das Schaffen des Schrift­stel­lers erfor­schen und vermit­teln. Raabe zählt zu den bedeu­tenden Vertre­tern des Realismus in Deutsch­land. Zu seinen bedeu­tendsten Werken zählt „Pfisters Mühle“. Darin machte er auf die Umwelt­ver­schmut­zung durch die Indus­tria­li­sie­rung aufmerksam. Zu den Mitglie­dern der Gesell­schaft gehören Inter­es­sierte aus dem Forschungs- und Univer­si­täts­be­reich im In- und Ausland. Raabe wurde am 8. September 1831 in Eschers­hausen geboren und starb am 15. November 1910 in Braun­schweig. Er lebte 40 Jahre in der Stadt und war dort tief verwur­zelt. Raabe gehörte unter anderem zu den „Kleider­sel­lern“. An sie erinnert der Kleider­seller Weg in Riddags­hausen, der zu ihrem Treff­punkt, dem Ausflugs­lokal „Grüner Jäger“, führt. In der Gaststätte gibt es noch heute einen nach Raabe benannten Veran­stal­tungs­raum.

Ihm zu Ehren hat die Stadt Braun­schweig in Koope­ra­tion mit dem Deutsch­land­funk im Jahr 2000 den hochka­rä­tigen und mit 30.000 Euro dotierten Wilhelm-Raabe-Litera­tur­preis ausge­schrieben. In diesem Jahr hat ihn Norbert Scheuer (Kall/Eifel) für seinen Roman „Winter­bienen“ erhalten. Der Roman spielt in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs. Die summenden Bienen auf den Wiesen konkur­rieren darin mit den alliierten Jagdflug­zeugen am Himmel. Der Preis wird am 3. November im Rahmen eines Matinee-Festaktes im Kleinen Haus des Braun­schweiger Staats­thea­ters überreicht. An Raabe erinnern auch die 1998 von der Stadt gegrün­dete Wilhelm-Raabe-Forschungs­stelle sowie das Museum im Raabe-Haus an der Leonhard­straße.

Raabe zog am 21. Juli 1870 mit seiner Frau Bertha und seinen beiden Töchtern nach Braun­schweig. Zuerst lebt die Familie übergangs­weise bei Berthas Mutter Caroline Leiste in der Straße Kattrep­peln. Danach bezog Raabe mehrere Mietwoh­nungen (Böckler­straße, Wolfen­büttler Straße, Leisewitz Straße, Am Windmüh­len­berg und Leonhard­straße). Raabe wurde auf dem Braun­schweiger Haupt­friedhof in einem Ehrengrab (Abteilung 23) beigesetzt.

Im Rahmen der Tagung wurden neun Vorträge von Wissen­schaft­le­rinnen und Wissen­schaft­lern aus der Schweiz, den USA und aus Deutsch­land gehalten. Ziel war es, einen Überblick über aktuelle Tendenzen der Raabe­for­schung zu erhalten. Raabes exzen­tri­scher Realismus habe schon in die Moderne gewiesen, sei aber doch noch einge­bunden geblieben in der Litera­tur­ge­schichte des 19. Jahrhun­derts, hieß es. Ein Schwer­punkt der Tagung lag darauf, wie Raabe seiner­zeit neue populäre Medien und Insti­tu­tionen (die periodi­sche Presse bzw. Famili­en­zeit­schriften, Leihbi­blio­theken, Bildformen) und Indus­tria­li­sie­rungs­pro­zesse (u.a. mit Eisenbahn und Fabrik) verar­bei­tete.

Zur neuen Vizeprä­si­dentin der Inter­na­tio­nalen Raabe-Gesell­schaft wurde Madleen Podewski gewählt. Sie folgt Andreas Blödorn, der in den wissen­schaft­li­chen Beirat wechselt. Geschäfts­füh­rerin Angela Klein, wie Biegel seit 25 Jahren im Amt, wurde ebenfalls wieder gewählt.

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