Hans-Dieter Karras, Gründer des Internationalen Orgelsommers Riddagshausen, in den Ruhestand verabschiedet.
Mit der Versetzung von Hans-Dieter Karras in den Ruhestand endet eine herausragende Ära der Braunschweiger Kirchenmusik. Karras arbeitete seit 1982 in Braunschweig. Er wirkte zunächst 19 Jahre lang an der Brüdernkirche-St.Ulrici und seit 2001 an der Klosterkirche Riddagshausen. Beides sind Klosterkirchen, die eine der Franziskaner und die andere die der Zisterzienser. „Und das war für mich prägend und wichtig, weil ich schon immer einen besonderen Bezug zur Gregorianik, der liturgischen und geistlichen Musik des Mittelalters hatte und dies in beiden Kirchen auch intensiv einbringen konnte“, sagt der gebürtige Jenaer.
Der Musik wird er selbstverständlich erhalten bleiben. „Nun ist die Zeit da, mein kompositorisches Werk weiter zu betreiben und den sechs bisherigen Sinfonien für Orchester weitere folgen zu lassen, wie auch Kirchenmusik und Orgelwerke“, beschreibt der 66-jährige seine Zukunft. Zudem will er wieder stärker als zuletzt, auch international, konzertieren. Hans-Dieter Karras spielte bereits weltweit und begeisterte überall. „Er beherrscht die Technik. Er hört die Orgel. Er hört den Raum. Unter anderem führt dies zu genau den Registrierungen, die die Musik wahrlich zum Klingen bringen“, beschrieb sein Freund, Verleger und Produzent Andreas Lamken (prospect-al.de) das Besondere an Karras‘ virtuosem Spiel. Lamken hielt die Laudatio zur Verabschiedung in der Klosterkirche Riddagshausen.

Und er fügte ein Beispiel aus einer von vielen gemeinsamen CD-Produktionen an: „Bei Aufnahmen in Paris waren wir stets zu viert. Hans-Dieter als Interpret, ein Assistent an der Orgel, ein Assistent in der Regie und ich als Tonmeister. Während der frühen Morgenstunden einer Aufnahmesession – wir durften immer nur zwischen 20 und 6 Uhr produzieren – vermisste ich meinen Regieassistenten und fand ihn inmitten der riesigen Kirche Madeleine sitzend. Mit feuchten Augen sagte er mir nur vier Worte: ‚Boah, ist das schön!‘“
Während seiner 43 Dienstjahre sei Karras, so Lamken, auf 15.184 gespielte Gottesdienste gekommen. „Was Hans-Dieter macht, das macht er ganz und gar. Sicher oft über die Grenzen des Sinnvollen hinaus. Aber so ist er. Dienst nach Plan ist für einen Kirchenmusiker nach seinem Verständnis nicht möglich. Wo und wann der Dienst gebraucht wird, dort wird er erbracht“, beschrieb Lamken die Einstellung seines Freundes.
Hans Dieter Karras hinterlässt also tiefe Spuren in der Braunschweiger Kirchenmusik. An der Klosterkirche gründete er den „Internationalen Riddagshäuser Orgelsommer“, der längst weit über die Stadtgrenzen hinaus große Bedeutung in der Kirchenmusik genießt. In diesem Jahr wird er zum 23. Mal veranstaltet und noch ein letztes Mal von Karras verantwortet (5. Juli bis 9. August jeweils sonntags um 17 Uhr). Viele bedeutende Organistinnen und Organisten aus der ganzen Welt konzertierten in der Klosterkirche und trugen zum großen Erfolg der Konzertreihe bei. Viele der internationalen Kontakte hatte Karras selbst bei seinen eigenen Konzertreisen geknüpft.
Bereits an der Brüdernkiche hatte er als Intendant der Braunschweiger Kreuzgangmusiken dutzende Kammerkonzerte mit hochkarätigen internationalen Interpretinnen und Interpreten organisiert. Einen guten Kirchenmusiker zeichne eben aus, so Lamken, dass Kunst, Musik und Kirche untrennbar miteinander verbunden seien. Er selbst sei als junger Mann, wann immer es ihm möglich gewesen sei, sonntags um 17 Uhr aus Helmstedt in die Brüdernkirche gekommen, um Karras spielen zu hören. „Dort hörte ich Orgelmusik, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte“, erinnert er sich.
Die Anzahl der musikalischen Gemeinschaftsprojekte von Hans-Dieter Karras ist lang. Dazu zählen unter anderem die Ensembles der Klosterkirche, der Posaunenchor der Propstei Braunschweig unter seinem Leiter Kantor Jürgen Schwanke und der Riddagshäuser Kammerchor unter Leitung seines Dirigenten Georg Renz, der Solotrompeter des Staatsorchesters Dennis Melzer bei den Osterkonzerten, der Saxofonist Holger Lustermann bei den Pfingstkonzerten. Eine besondere Freundschaft und Zusammenarbeit verbindet Karras zudem mit dem Konzertmeister im Staatsorchester Josef Ziga. Aber auch sein Interesse an zeitgenössischer Musik konnte er an beiden Klosterkirchen bei zahlreichen Konzerten erfolgreich umsetzen. Dabei haben unter anderem seine Improvisationspartner Warnfried Altmann (Saxofon) und Hermann Naehring (Percussion) sowie Vlady Bystrov eine wichtige Rolle gespielt.
Vor seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik 1982 hatte Karras an der Musikhochschule und an der Kirchenmusikschule in Dresden studiert. Später besuchte er die Hochschule für Kirchenmusik in Herford sowie die Hochschule für Musik in Detmold. Es folgten weitere Studien in Frankreich und England.
„Wir sagen Danke, Hans-Dieter Karras, dem Kirchenmusiker und Konzertorganisten, dem Chorleiter und Dirigenten, dem Komponisten und Arrangeur, dem Orgelsachver-ständigen, dem Begleiter, dem Organisator und Inspirateur, dem Kantor und Sänger, dem Ehemann und Familienvater, dem guten Freund!“, schloss Andreas Lamken seine Laudatio, die gleichzeitig ein Fanal zum Aufbruch in den neuen Lebensabschnitt von Hans-Dieter Karras war. Wir sind gespannt.
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