Ein Ort der Würde und Zugehö­rig­keit

Beim Frühlingsempfang im Hospiz „Am Hohen Tore“: (von links) Petra Gottsand, Geschäftsführerin, Arzt i.R. Dirk Wellmann, Pastor i.R. Joachim Hempel und Erika Borek, Vorstandsvorsitzende der Hospiz Stiftung für Braunschweig. Foto: Der Löwe
Beim Frühlingsempfang im Hospiz „Am Hohen Tore“: (von links) Petra Gottsand, Geschäftsführerin, Arzt i.R. Dirk Wellmann, Pastor i.R. Joachim Hempel und Erika Borek, Vorstandsvorsitzende der Hospiz Stiftung für Braunschweig. Foto: Der Löwe

Tradi­tio­neller Frühlings­emp­fang der Hospiz Stiftung für Braun­schweig im Hospiz „Am Hohen Tore“

Was einst klein begann, getragen von begrenzten Mitteln, habe sich durch konti­nu­ier­liche Unter­stüt­zung und großzü­gige Spenden zu einer tragfä­higen Insti­tu­tion entwi­ckelt. „Heute sind wir in der Lage, Projekte nicht nur zu begleiten, sondern nachhaltig zu fördern“, betonte Erika Borek, Vorstands­vor­sit­zende der Hospiz Stiftung für Braun­schweig, in ihrer Begrüßung zum tradi­tio­nellen Frühlings­emp­fang für Frauen im Hospiz „Am Hohen Tore“. Die Veran­stal­tung verband Rückblick und Ausblick – und machte deutlich, wie sehr sich das Engage­ment für Sterbe­be­glei­tung in den vergan­genen Jahren zum Positiven entwi­ckelt hat.

Die Gründung der Hospiz Stiftung für Braun­schweig im Jahr 2005 war Garant dafür, dass das Hospiz „Am Hohen Tore“ reali­siert werden konnte. Seither fördert die Stiftung die Hospiz­ar­beit konti­nu­ier­lich. Beispiels­weise müssen im Hospiz jährlich fünf Prozent der Betriebs­kosten über Spenden und weitere Dritt­mittel aufge­bracht werden.

Geschäftsführerin Annika Hinterland und Britta Lange, fachliche Leiterin und leitende Koordinatorin, vom Verein Hospizarbeit in Braunschweig mit Petra Gottsand und Erika Borek. Foto Der Löwe
Geschäfts­füh­rerin Annika Hinter­land und Britta Lange, fachliche Leiterin und leitende Koordi­na­torin, vom Verein Hospiz­ar­beit in Braun­schweig mit Petra Gottsand und Erika Borek. Foto Der Löwe

Fortbil­dungs­kurse für Ehren­amt­liche

Erika Borek hob hervor, dass das bereits vor der Corona-Pandemie begonnene Projekt der Fortbil­dungs­kurse in Pflege­ein­rich­tungen wieder aufge­nommen werden konnte. Sie wertete das als Zeichen für Konti­nuität und neue Kraft nach schwie­rigen Jahren. Durch das vom Verein Hospiz­ar­beit in Braun­schweig koordi­nierte Projekt sollen die pallia­tive Kompetenz der Pflege­kräfte und Ehren­amt­li­chen gestärkt und die Hospiz­kultur in den Einrich­tungen etabliert werden.

Britta Lange, fachliche Leiterin und leitende Koordi­na­torin, und Geschäfts­füh­rerin Annika Hinter­land, bilden das neue Leitungsduo des Vereins Hospiz­ar­beit in Braun­schweig. Lange sagte das Fortbil­dungs­an­gebot sei eine „Win-win-Situation“ für alle Betei­ligten: die Stiftung, die Hospiz­ar­beit und die Menschen, die am Lebens­ende begleitet werden. Im Fokus stehen vor allem Pflege­ein­rich­tungen, in denen ehren­amt­liche Beglei­te­rinnen und Begleiter tätig werden. „Gerade dort, wo Fachkräfte an ihre Grenzen stoßen, können kleine Gesten der Freund­lich­keit Großes bewirken“, sagte sie.

Joachim Hempel zeichnete in seinem Vortrag die Entwicklung des Areals „Vor dem Hohen Tore“ nach. Foto: Der Löwe
Joachim Hempel zeichnete in seinem Vortrag die Entwick­lung des Areals „Vor dem Hohen Tore“ nach. Foto: Der Löwe

Unter­stüt­zung in belas­tenden Situa­tionen

Ein Zitat von Mark Twain zog sich wie ein roter Faden durch ihren Beitrag: „Freund­lich­keit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können.“ Diese Haltung präge das Projekt – insbe­son­dere im Umgang mit hochalt­rigen Menschen, die oft unter Einsam­keit litten. Aktuell werden zehn Ehren­amt­liche auf ihre zukünf­tige Aufgabe vorbe­reitet, um insbe­son­dere in Nacht­stunden oder belas­tenden Situa­tionen Unter­stüt­zung zu leisten.

Einen nachdenk­li­chen Akzent setzte Britta Lange mit dem Verweis auf einen Vortrag von Prof. Dr. Reinhard Lindner, Facharzt für Neuro­logie und Psych­ia­trie wie auch Facharzt für Psycho­so­ma­ti­sche Medizin und Psycho­the­rapie, den sie auf der Messe „Leben und Tod“ gehört hatte. Thema war die zuneh­mende Suizi­da­lität im Alter – ein sensibles und oft verdrängtes Thema. Die Erkennt­nisse unter­stri­chen, so Britta Lindner, die Dring­lich­keit, gerade im hohen Alter Zuwendung, Zeit und mensch­liche Nähe zu schenken.

Jahresempfang für Frauen im Hospiz „Am Hohen Tore“. Foto: Der Löwe
Jahres­emp­fang für Frauen im Hospiz „Am Hohen Tore“. Foto: Der Löwe

Kein Platz für Ausgren­zung

Der anschlie­ßende Beitrag von Dompre­diger i. R. Joachim Hempel zeichnete die Entwick­lung des Areals „Vor dem Hohen Tore“ vom Randge­biet mittel­al­ter­li­cher Stadt­ge­schichte über soziale Brenn­punkte der Indus­tria­li­sie­rung bis hin zum heutigen Standort eines Hauses, das Leben in seiner letzten Phase begleitet nach. Er machte deutlich, wie symbol­trächtig dieser Ort sei als einst ein Platz der Ausgren­zung und heute ein Ort der Würde und Zugehö­rig­keit.

Zum Abschluss griff Erika Borek noch einmal die Entste­hungs­ge­schichte des Hauses auf. Sie habe sich dafür einge­setzt, den Namen „Am Hohen Tore“ trotz prakti­scher Einwände, etwa wegen der Zufahrt für Rettungs­fahr­zeuge, zu bewahren. Dass das histo­ri­sche Tor zunächst weichen und später wieder aufgebaut wurde, ist für sie mehr als eine bauliche Anekdote: Das stehe vielmehr symbo­lisch für den Brücken­schlag zwischen Geschichte und Gegenwart.

Für die musika­li­sche Unter­hal­tung an diesem Abend sorgte Dirk Wellmann, Arzt im Ruhestand, mit modern inter­pre­tierten Frühlings­lie­dern. Wellmann war Anästhe­sist am Städti­schen Klinikum und spielt seit seiner Kindheit Klavier.

Weitere Infor­ma­tionen:

http://www.hospiz-stiftung-fuer-braunschweig.de/

http://www.hospiz-braunschweig.de/

Spenden gehen an:

Hospiz Stiftung für Braun­schweig

Braun­schwei­gi­sche Landes­spar­kasse

IBAN: DE57 2505 0000 0199 9448 77

BIC: NOLADE2HXXX

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