Einst die größte und modernste Saline

Saline „Carlshall“, um 1924. Foto: Braunschweigische Landschaft
Saline „Carlshall“, um 1924. Foto: Braunschweigische Landschaft

Archäo­lo­gi­sche Hinweis­tafel der Arbeits­gruppe Heimat­pfleger der Braun­schwei­gi­schen Landschaft in Schöningen.

Lüneburg ist berühmt für seinen unter der Stadt liegenden Salzstock, der den Reichtum Lüneburgs im Mittel­alter begrün­dete. Das ist bekannt. Was dagegen weniger im Bewusst­sein ist: Im Braun­schweiger Land, in Schöningen gab es ebenfalls eine histo­ri­sche Saline, die sogar deutlich älter war als die in Lüneburg und auch bedeu­tender.

Die ersten urkund­li­chen Erwäh­nungen der Schöninger Salzquellen aus dem Jahr 1112 lassen darauf schließen, dass die Salzsie­dung in Pfannen schon sehr lange vor dieser Zeit betrieben wurde. Es wird sogar davon ausge­gangen, dass die Salzquellen schon in vorchrist­li­cher Zeit genutzt wurden. Auf diese Geschichte weist die neue archäo­lo­gi­sche Hinweis­tafel der Arbeits­gruppe Heimat­pfleger der Braun­schwei­gi­schen Landschaft hin. Sie steht an der Kreuzung Lange Trift/Ohrsleber Werk vor einem ehema­ligen Gebäude der Saline.

Salzaustrag der Siedepfannen der Saline „Carlshall“. Foto: Braunschweigische Landschaft
Salzaus­trag der Siede­pfannen der Saline „Carlshall“. Foto: Braun­schwei­gi­sche Landschaft

Die archäo­lo­gi­schen Hinweis­ta­feln weisen auf besondere regio­nal­ge­schicht­liche Orte hin, die Passanten nicht so ohne weiteres entdecken könnten. Seit 1995 werden sie nach und nach aufge­stellt. Alle Schilder sind in ihrem Erschei­nungs­bild einheit­lich und so leicht zu identi­fi­zieren. Sie stehen an Rad- oder Wander­wegen und sind gut sichtbar angebracht. Auf den gestal­teten Infor­ma­ti­ons­ta­feln wird an jedem Ort mit Texten, Fotos und Grafiken der histo­ri­sche Wert veran­schau­licht.

Modell im Deutschen Museum München

Bis 1970 prägte Salz als wertvoller Rohstoff die wirtschaft­liche und indus­tri­elle Geschichte der Stadt. Die Saline war lange Zeit ein zentraler Wirtschafts­faktor und produ­zierte Speise‑, Vieh- und Gewer­be­salz. Bevor der Betrieb aus Renta­bi­li­täts­gründen einge­stellt wurde, zählte Schöningen zu einem bedeu­tenden Zentrum der Salzge­win­nung.

Ein Diorama der Salzsie­de­an­lage der Saline Carlshall in Schöningen befindet sich im Deutschen Museum München unter­streicht die einstige Bedeutung. Noch heute wird im Landkreis Helmstedt Salz produ­ziert. Das Stein­salz­werk Braun­schweig-Lüneburg in Grasleben ist das letzte von insgesamt fünf Stein­salz­berg­werken in Deutsch­land. Produ­ziert werden Speise‑, Auftau- und Indus­trie­salze.

Die Salzvor­kommen in Nieder­sachsen entstanden vor rund 250 Millionen Jahren. Damals existierte auf dem heutigen Gebiet ein großes Meer. Durch Erdver­schie­bungen gelangte Salzwasser in die Erde, das in Perioden verduns­tete. Das Salz setzte sich ab und wurde durch Sand und Staub bedeckt, so dass es nicht durch Erosion abgetragen werden konnte.

Vegeta­tion und damit organi­sche Materia­lien, Erdschichten durch Verwer­fungen und auch Gletscher überla­gerten zusätz­lich noch die Salzvor­kommen, so dass es Tief in der Erde einge­la­gert wurde.

Carl I. wollte „weißes Gold“

Die Salzsole trat in Schöningen in zwei Quellen zutage, die etwa 800 Meter südlich der damaligen Schöninger Stadt­grenze lagen. Die Sole wurde durch mensch­liche Kraft mit großen Kübeln aus den Brunnen geschöpft und dann durch Holzlei­tungen in die um die Brunnen herum gebauten dreizehn Koten geleitet, in denen sie getrocknet wurde und Salz zurück­blieb.

Da Herzog Carl I. großes Interesse daran hatte, die Wirtschaft im Herzogtum Braun­schweig zu entwi­ckeln, übernahm deswegen die Schöniger Salzwerke in staat­li­ches Eigentum. 1747 erwarb er sämtliche Salzkoten und ersetzte sie durch ein massives Gebäude. Die neue Saline „Carlshall“ enthielt zwei große Siede­pfannen, eine Trocken­kammer und ein Salzma­gazin. Salz galt zu jener Zeit als „weißes Gold“.

Siedehaus der Saline „Neuhall“, 1965. Foto: Braunschweigische Landschaft
Siedehaus der Saline „Neuhall“, 1965. Foto: Braun­schwei­gi­sche Landschaft

Um die Förderung weiter zu erhöhen, wurden von 1845 an Tiefboh­rungen genutzt. Zwei Jahre später wurde im ersten Bohrfeld „Walkmühle“ das Haupt­stein­salz­lager in 571 Metern Tiefe erschlossen.

Die größte Tiefe mit 568 Metern wurde 1861 im Bohrfeld „Grasmühle“ erreicht. 1910 wurde die Saline „Neuhall“ mit Nutzung des Abdampfs des benach­barten Kraft­werks zusätz­lich in Betrieb genommen. Mit dem dritten Bohrfeld „Lange Trift“ gab es insgesamt neun Stellen für Tiefboh­rungen.

Saline Neuhall, 1955. Foto: Braunschweigische Landschaft
Saline Neuhall, 1955. Foto: Braun­schwei­gi­sche Landschaft

155.000 Tonnen Salzfracht

1924 ging das Salzwerk in das Eigentum des Freistaats Braun­schweig über, 1949 folgten ihm das Land Nieder­sachsen und zu Teilen der Braun­schwei­gi­sche Verei­nigte Kloster- und Studi­en­fond als Rechts­nach­folger. Die Saline „Carlshall“ wurde als erste 1954 still­ge­legt. Die Salzwerke in Schöningen entwi­ckelten sich durch Kapazi­täts­er­wei­te­rungen zur größten und modernsten Saline in der damaligen Bundes­re­pu­blik. Obwohl im Jahr 1967 noch 155.000 Tonnen Salzfracht versandt wurden, wurde am 21. Juni 1968 beschlossen, die Saline zum 31. August 1970 still­zu­legen.

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