Objekt des Monats, Folge 28: Ein Porträt von Marie von Baden
Bereits 2015 widmete das Schlossmuseum Braunschweig Marie von Baden – mit vollem Namen Marie Elisabeth Wilhelmine Prinzessin von Baden – eine Sonderausstellung zu ihrem kurzen und dramatischen Leben. Porträts von ihr findet man selten – und auch die öffentliche Wahrnehmung ihres Lebens blieb entsprechend zurückhaltend. Marie von Baden entstammte dem großherzoglichen Haus Baden und heiratete 1802 Friedrich Wilhelm von Braunschweig‑Oels, den später als „Schwarzen Herzog“ bekannten Feldherrn und Gegner Napoleons. Die Hochzeit war eine standesgemäße dynastische Verbindung zwischen zwei bedeutenden Adelshäusern und wurde feierlich am badischen Hof in Karlsruhe begangen. Ihre Ehe verband sie zwar mit einer der prägenden Persönlichkeiten der Befreiungskriege, doch sie selbst bleibt in der Überlieferung weitgehend im Hintergrund. Im Alter von nur 26 Jahren starb Marie bei der Geburt ihres dritten Kindes.
Das Pastellbild, das von dem deutschen Porträtmalermaler Johann Christian August Schwartz (1756–1814) um 1804 mit Kreidestiften angefertigt wurde, lässt sich fast wie ein früher „Social‑Media‑Auftritt“ lesen: ein bewusst inszeniertes Bild, bei dem genau überlegt wird, wie man sich zeigt. Nicht das spontane Moment zählt, sondern die kontrollierte Darstellung. Marie, die zu diesem Zeitpunkt gerade Mutter des Erbprinzen Karl (II.) geworden ist, schaut mit ruhigem, gefasstem und zugleich anmutigem Blick zum Betrachter.
Mode und Inszenierung um 1800
Der eigentliche Blickfang des Bildes ist die hier dargestellte Mode, die ganz dem Stil der Zeit um 1800 entspricht. Marie von Baden trägt ein Kleid im Empirestil, erkennbar an der hoch angesetzten Taille direkt unter der Brust und dem danach weich fallenden Stoff. Diese Linienführung orientiert sich an der Antike und galt als modern und aufgeklärt – ein modisches Statement ihrer Zeit. Auffallend ist die kräftige rote Farbe des Kleides, die sich deutlich vom kühlen Hintergrund abhebt. Rot war kostbar und wirkungsvoll und setzt bewusst einen Akzent als Zeichen von Rang und Präsenz. Die feine goldene Bortenverzierung entlang des Ausschnitts und der Ärmel greift diese Wirkung auf und verleiht dem Kleid einen dekorativen, fast grafischen Rahmen. Ein feiner, heller Spitzenbesatz am Ausschnitt lockert das Kleid zusätzlich auf.
Besonders präzise gestaltet sind die Accessoires: Das Haar wird von einem goldenen Stirnband mit verschiedenen Edelsteinen gehalten, das an antike Diademe erinnert und den klassizistischen Stil betont. Es ist farblich und materiell auf den goldenen Armreif abgestimmt und unterstreicht den harmonischen Gesamteindruck der Schmuckwahl. Dazu gehören auch die schlichten Perlohrringe, die zwar gut sichtbar sind, sich jedoch farblich dezent zurücknehmen. Ein Tuch aus leichtem, gazartigem Stoff ist locker über die linke Schulter gelegt und fällt in weichen Falten um die Arme; durch seine zurückhaltende Farbigkeit bleibt es durchscheinend und verbindet die Dargestellte mit dem Hintergrund zu einer ruhigen, harmonischen Einheit. Maries Frisur entspricht ebenso dem Geschmack der Zeit: weich am Kopf anliegend, mit einzelnen gelockten Strähnen, die sich spielerisch über das Diadem legen. Insgesamt wirkt die Frisur deutlich weniger prunkvoll als im Rokoko, dafür natürlicher und „moderner“.
Marie von Baden in der Jubiläumsausstellung
Nun ist das Porträt aus der Sammlung der Richard Borek Stiftung erneut in der Jubiläumsausstellung „15 Jahre Schlossmuseum“ zu sehen, die bis zum 13. September 2026 besondere Momente und Höhepunkte der vergangenen Jahre des Museums präsentiert.






