Mode als Statement –  damals wie heute

Porträt Marie von Baden-Pastell um 1804
Porträt Marie von Baden-Pastell um 1804

Objekt des Monats, Folge 28: Ein Porträt von Marie von Baden

Bereits 2015 widmete das Schloss­mu­seum Braun­schweig Marie von Baden – mit vollem Namen Marie Elisabeth Wilhel­mine Prinzessin von Baden – eine Sonder­aus­stel­lung zu ihrem kurzen und drama­ti­schen Leben. Porträts von ihr findet man selten – und auch die öffent­liche Wahrneh­mung ihres Lebens blieb entspre­chend zurück­hal­tend. Marie von Baden entstammte dem großher­zog­li­chen Haus Baden und heiratete 1802 Friedrich Wilhelm von Braunschweig‑Oels, den später als „Schwarzen Herzog“ bekannten Feldherrn und Gegner Napoleons. Die Hochzeit war eine standes­ge­mäße dynas­ti­sche Verbin­dung zwischen zwei bedeu­tenden Adels­häu­sern und wurde feierlich am badischen Hof in Karlsruhe begangen. Ihre Ehe verband sie zwar mit einer der prägenden Persön­lich­keiten der Befrei­ungs­kriege, doch sie selbst bleibt in der Überlie­fe­rung weitge­hend im Hinter­grund. Im Alter von nur 26 Jahren starb Marie bei der Geburt ihres dritten Kindes.

Das Pastell­bild, das von dem deutschen Porträt­ma­ler­maler Johann Christian August Schwartz (1756–1814) um 1804 mit Kreide­stiften angefer­tigt wurde, lässt sich fast wie ein früher „Social‑Media‑Auftritt“ lesen: ein bewusst insze­niertes Bild, bei dem genau überlegt wird, wie man sich zeigt. Nicht das spontane Moment zählt, sondern die kontrol­lierte Darstel­lung. Marie, die zu diesem Zeitpunkt gerade Mutter des Erbprinzen Karl (II.) geworden ist, schaut mit ruhigem, gefasstem und zugleich anmutigem Blick zum Betrachter.

Mode und Insze­nie­rung um 1800

Der eigent­liche Blickfang des Bildes ist die hier darge­stellte Mode, die ganz dem Stil der Zeit um 1800 entspricht. Marie von Baden trägt ein Kleid im Empire­stil, erkennbar an der hoch angesetzten Taille direkt unter der Brust und dem danach weich fallenden Stoff. Diese Linien­füh­rung orien­tiert sich an der Antike und galt als modern und aufge­klärt – ein modisches Statement ihrer Zeit. Auffal­lend ist die kräftige rote Farbe des Kleides, die sich deutlich vom kühlen Hinter­grund abhebt. Rot war kostbar und wirkungs­voll und setzt bewusst einen Akzent als Zeichen von Rang und Präsenz. Die feine goldene Borten­ver­zie­rung entlang des Ausschnitts und der Ärmel greift diese Wirkung auf und verleiht dem Kleid einen dekora­tiven, fast grafi­schen Rahmen. Ein feiner, heller Spitzen­be­satz am Ausschnitt lockert das Kleid zusätz­lich auf.
Besonders präzise gestaltet sind die Acces­soires: Das Haar wird von einem goldenen Stirnband mit verschie­denen Edelsteinen gehalten, das an antike Diademe erinnert und den klassi­zis­ti­schen Stil betont. Es ist farblich und materiell auf den goldenen Armreif abgestimmt und unter­streicht den harmo­ni­schen Gesamt­ein­druck der Schmuck­wahl. Dazu gehören auch die schlichten Perlohr­ringe, die zwar gut sichtbar sind, sich jedoch farblich dezent zurück­nehmen. Ein Tuch aus leichtem, gazar­tigem Stoff ist locker über die linke Schulter gelegt und fällt in weichen Falten um die Arme; durch seine zurück­hal­tende Farbig­keit bleibt es durch­schei­nend und verbindet die Darge­stellte mit dem Hinter­grund zu einer ruhigen, harmo­ni­schen Einheit. Maries Frisur entspricht ebenso dem Geschmack der Zeit: weich am Kopf anliegend, mit einzelnen gelockten Strähnen, die sich spiele­risch über das Diadem legen. Insgesamt wirkt die Frisur deutlich weniger prunkvoll als im Rokoko, dafür natür­li­cher und „moderner“.

Marie von Baden in der Jubilä­ums­aus­stel­lung

Nun ist das Porträt aus der Sammlung der Richard Borek Stiftung erneut in der Jubilä­ums­aus­stel­lung „15 Jahre Schloss­mu­seum zu sehen, die bis zum 13. September 2026 besondere Momente und Höhepunkte der vergan­genen Jahre des Museums präsen­tiert.

Das könnte Sie auch interessieren