Nachruf: Wolfen­büttler Holocaust-Zeitzeugin Laura Eppy verstorben

Die Wolfenbüttlerin Laura Eppy ist verstorben. Foto: Stadt Wolfenbüttel

1938 floh die Wolfen­büt­te­lerin Laura Eppy vor der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Verfol­gung in die Verei­nigten Staaten von Amerika. Am 23. September ist die Zeitzeugin gestorben.

Die am 27. März 1921 unter dem Namen Lore Kirch­heimer geborene Wolfen­büt­te­lerin Laura Eppy verstarb in der Nacht zu Freitag, 23. September. Mit großer Trauer reagiert die Stadt Wolfen­büttel auf die Nachricht von ihrem Tod, heißt es im Nachruf der Stadt. „Wir haben mit ihr eine Zeitzeugin aus Wolfen­büt­tels dunkelster Vergan­gen­heit verloren, wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren“, betont Bürger­meister Ivica Lukanic.

Logo Braunschweiger ZeitungDieser Artikel ist zuerst erschienen am 26.09.2022 (Bezahl-Artikel)

Gemeinsam mit ihrem Vater, dem bekannten Wolfen­büt­teler Arzt Dr. Siegfried Kirch­heimer, floh die damals 17-jährige Lore vor der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Verfol­gung in die Verei­nigten Staaten von Amerika und lebte fortan in New York.

Am 17. November 1938 war Lore Kirch­heimer an Bord des Linien­schiffes „SS Manhattan“ von Bremer­haven aus in See gestochen. Ein einma­liges Fotodo­ku­ment von der Überfahrt befindet sich in der Dauer­aus­stel­lung des Bürger Museums Wolfen­büttel und zeigt sie zusammen mit ihrem Vater an Deck des Schiffes. Die Tragik: Lore Kirch­heimer konnte die Flucht über den Atlantik zu diesem Zeitpunkt nur mit ihrem Vater antreten. Erst beim Abholen der Visa im ameri­ka­ni­schen Konsulat in Hamburg, wenige Tage vor der Abfahrt, hatte ihr Vater erfahren, dass die Ausrei­se­ge­neh­mi­gungen für seine Ehefrau und die beiden weiteren Kinder verwehrt worden war.

Flucht ohne die Familie und ein neuer Name

Die Vorge­schichte: Nach dem Terror durch das NS-Regime und dem Entzug der wirtschaft­li­chen Grundlage hatte die jüdische Wolfen­büt­teler Familie Kirch­heimer seit Sommer 1938 bei Verwandten in Bad Driburg gelebt. Dort warteten sie auf die Ausrei­se­ge­neh­mi­gung für die gesamte Familie in die USA. Erst 1941, unmit­telbar bevor die Ausreise für alle Jüdinnen und Juden aus Deutsch­land verboten wurde und Depor­ta­tionen in die Vernich­tungs­lager begannen, konnten die übrigen drei Famili­en­mit­glieder Deutsch­land verlassen und nach New York folgen.

Die Familie Kirch­heimer nahm nach Ende der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herrschaft trotz der trauma­ti­schen Verfol­gungs­ge­schichte den Kontakt zur ehema­ligen Heimat­stadt auf. Lore Kirch­heimer heiratete später in den USA und nannte sich fortan Laura Eppy.

Eine Hörsta­tion in deutscher und engli­scher Sprache, die Biografie Siegfried Kirch­hei­mers und persön­liche Dokumente sowie das Foto von der Überfahrt, die originale Hausnummer der Praxis und zugleich des Wohnhauses und das originale Telegramm nach Besuch des US-Konsulats in Hamburg 1938 dokumen­tieren die Verfol­gungs­ge­schichte der Familie Kirch­heimer in der Dauer­aus­stel­lung des Bürger Museums Wolfen­büttel.

Martha Fuchs stirbt 1966.

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