Prost aufs neue Jahr!

Die beiden nahezu identischen Likörgläser sind feinste Produkte der böhmischen Glasmacherkunst.
Die beiden nahezu identischen Likörgläser sind feinste Produkte der böhmischen Glasmacherkunst.

Objekt des Monats, Folge 23: Zwei Likör­gläser aus dem Besitz des letzten braun­schwei­gi­schen Herzog­paares.

Ein festli­cher Anlass, ein erhobenes Glas und der feine Klang von Kristall. Das elegante Likör­glä­ser­paar aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun­derts beglei­tete besondere Momente – sei es ein Anstoßen zum neuen Jahr oder einfach der stilvolle Genuss von Likör. Derartige Gläser waren nicht nur Trink­ge­fäße, sondern Ausdruck von Stil, Reprä­sen­ta­tion und handwerk­li­cher Kunst­fer­tig­keit.

Böhmi­sches Glas Handwerks­kunst auf höchstem Niveau

Die beiden 8,5 cm hohen Gläser bestehen aus farblosem böhmi­schen Kristall­glas. Der jeweils tulpen­för­mige, mit einem Henkel versehene Kelch wurde mit einem umlau­fenden Facet­ten­schliff veredelt, bei dem das Glas in flache, geome­tri­sche Flächen (Facetten) geschliffen wird. Dieser Schliff erzeugt eine lebendige Licht­bre­chung, lässt das Kristall­glas funkeln und verstärkt seine optische Klarheit. Die Technik erfor­derte ein präzises Handwerk: Nach dem Schleifen wurden die Facetten poliert, um die kristall­klare Oberfläche zu erhalten. Solche Arbeiten waren typisch für die böhmi­schen Glasma­nu­fak­turen des 19. Jahrhun­derts, die für ihre hochwer­tigen Schliff- und Gravur­ar­beiten weltbe­rühmt waren.

Die jeweils auf den Kelch gravierte herzog­liche Krone unter­streicht den reprä­sen­ta­tiven Charakter der Gläser und weist auf ihre ursprüng­liche Verwen­dung im höfischen Umfeld hin.

Genuss und Eleganz

Die angesetzten Henkel erfüllen eine wichtige funktio­nale Aufgabe. Sie ermög­li­chen das Halten des Glases, ohne den Kelch direkt zu berühren, wodurch eine unerwünschte Erwärmung des Likörs durch die Handwärme vermieden wurde. Darüber hinaus erlaubten sie das sichere Servieren auch von leicht erwärmten Spiri­tuosen. Likör­gläser dieser Art gehörten im 19. Jahrhun­dert zur gehobenen Tafel­kultur und wurden für den Genuss von Kräuter‑, Frucht- oder Bitter­li­kören verwendet.

Aus herzog­li­chem Besitz bewahrt

Das Gläser­paar stammt aus dem Besitz des letzten braun­schwei­gi­schen Herzog­paares, Herzog Ernst August (1883–1953) und Herzogin Victoria Luise (1892–1980), der einzigen Tochter von Kaiser Wilhelm II. Später gelangten sie in den Besitz eines ehema­ligen Schloss­die­ners, dessen Familie sie über Genera­tionen bewahrte. Im Jahr 2007 wurden sie schließ­lich für die Sammlung der Richard Borek Stiftung von einem Nachkommen des Schloss­die­ners angekauft.

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