Sein Schlach­tentod besie­gelte seinen Helden­status

Tod des Schwarzen Herzogs auf dem Schlachtfeld bei Quatre Bras, Friedrich Matthäi, um 1835. Foto: Braunschweigisches Landesmuseum
Tod des Schwarzen Herzogs auf dem Schlachtfeld bei Quatre Bras, Friedrich Matthäi, um 1835. Foto: Braunschweigisches Landesmuseum

Aus dem Stadt­ar­chiv, Folge 10:  der „Schwarze Herzog“ Friedrich Wilhelm

Ein Gedächt­nisort für Einge­weihte ist der Obelisk in Ölper heute. Achtlos rauscht der Verkehr vorbei am halb verdeckten Denkmal an der Celler Heerstraße. Dabei erinnert er seit fast 180 Jahren gemeinsam mit anderen Monumenten und Erinne­rungs­orten in der Region an den legen­dären Zug des Herzogs Friedrich Wilhelm und seiner „Schwarzen Schar” im Jahr 1809.

Helden werden in Krisen­si­tua­tionen geboren. Als solche empfanden große Teile der Bevöl­ke­rung die Nieder­lage und den Tod ihres alten Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand in der Schlacht bei Jena und Auerstedt im Jahr 1806. Napoleo­ni­sche Truppen­ver­bände besetzten das Herzogtum Braun­schweig; es wurde 1807, als auch Preußen kapitu­lieren musste, dem neuge­grün­deten König­reich Westphalen einver­leibt. Der franzö­si­sche Kaiser Napoleon Bonaparte ernannte seinen Bruder Jérôme zum Monarchen und kürte Kassel zur Haupt­stadt des künstlich gebil­deten Muster­staates aus den eroberten nord- und mittel­deut­schen Terri­to­rien.

Von Franzosen besetzt

Aufge­klärte Geister unter den Einhei­mi­schen begrüßten die von den franzö­si­schen Besatzern einge­führten Reformen: allen voran die erste Verfas­sung auf deutschem Boden, Aufhebung der Standes­un­ter­schiede, Religi­ons­frei­heit, Trennung von Kirche und Staat und die geplante umfas­sende Boden­re­form. Viele empfingen zunächst auch das neue Königs­paar mit großem Jubel. Angesichts der Halbher­zig­keit bei der Durch­füh­rung der Reformen, der Korrup­tion und der hohen Abgaben­last verstummte er jedoch bald.

Die Einfüh­rung der allge­meinen Wehrpflicht beför­derte Skepsis und Ablehnung der Fremd­herr­schaft. Das neue Regime reagierte mit verstärkter Überwa­chung und speiste damit ein erwachendes deutsches Natio­nal­be­wusst­sein, zusätz­lich befeuert durch antina­po­leo­ni­sche Propa­ganda verschie­denster Form.

Schwarze Uniform, ernster Blick: Der „Schwarze Herzog“ verdankt seinen Beinamen seiner Uniform. Detail aus: Friedrich Wilhelm, der Schwarze Herzog, als Reiteroffizier, Friedrich Barthel, um 1840.
Schwarze Uniform, ernster Blick: Der „Schwarze Herzog“ verdankt seinen Beinamen seiner Uniform. Detail aus: Friedrich Wilhelm, der Schwarze Herzog, als Reiter­of­fi­zier, Friedrich Barthel, um 1840.

Wenige leisteten hingegen aktiven Wider­stand, nur verein­zelt unter­nahmen Freischärler militä­ri­sche Versuche zur Bekämp­fung oder Schwä­chung der Besat­zungs­macht. Einen hohen Stellen­wert im kollek­tiven Gedächtnis der Braun­schweiger gewann vor allem der Durchzug des entmach­teten Herzogs Friedrich Wilhelm und seiner selbst angewor­benen Truppe. Man nannte sie wegen ihrer schwarzen Uniformen und Toten­köpfe am Tschako die „Schwarze Schar”. Mit dieser begab sich der Herzog 1809 in sein angestammtes Herzogtum, um es mit Hilfe der Bevöl­ke­rung zurück­zu­ge­winnen. Bewun­dernd, aber wenig tatbereit begrüßten viele ehemalige Unter­tanen die wagemu­tigen Kämpfer. Diese behaup­teten sich am 1. August erfolg­reich in einer Ausein­an­der­set­zung bei Ölper, wobei ihnen die militä­ri­sche Fehlein­schät­zung der Gegner behilf­lich war; es folgte die Flucht Richtung Nordsee.

Mit Begeis­te­rung empfangen

Freikor­ps­at­ta­cken wie diese oder diejenige des preußi­schen Majors Ferdinand von Schill, der in Stralsund den Tod von franzö­si­scher Hand fand, zeigten wenig unmit­tel­bare Wirkung, schädigten länger­fristig aber das Image der Unbesieg­bar­keit Napoleons und seiner Verbün­deten. Als das König­reich Westphalen wie Napoleons gesamtes Imperium in Folge verhee­render militä­ri­scher Nieder­lagen zusam­men­brach, wurde Friedrich Wilhelm als resti­tu­ierter Herzog von Braun­schweig mehrheit­lich mit Begeis­te­rung empfangen. Der Erfolg gab der von Zeitge­nossen wegen der erheb­li­chen Folgen für einige seiner Anhänger nicht nur positiv beurteilten militä­ri­schen Episode im Nachhinein recht und spielte keine unerheb­liche Rolle bei der Erhaltung des Herzog­tums im Zuge der Neuauf­tei­lung Europas auf dem Wiener Kongress 1814. Als Napoleon kurz darauf noch einmal versuchte, seine Herrschaft militä­risch zurück­zu­er­langen, zögerte Friedrich Wilhelm nicht und zog erneut in den Kampf.

Sein Schlach­tentod am 16. Juni 1815 bei Quatre Bras besie­gelte seinen Helden­status. Unmit­telbar danach begannen zuerst die Braun­schweiger seiner in vielfa­cher Weise zu gedenken. Inzwi­schen versteht es die Geschichts­schrei­bung als ihre Aufgabe, nicht Helden­ge­schichten fortzu­schreiben, vielmehr kenntlich zu machen, in welchen Zusam­men­hängen histo­ri­schen Personen Prädikate wie „Heldin“ oder „Held“ zugeschrieben wurden.

Zum „Schwarzen Herzog“ und seinen Gedenk­orten gibt es in den Archiven vielfäl­tige Dokumente. Unter­lagen über Entwurf, Errich­tung und Erhaltung des gussei­sernen Denkmals in Ölper, das auf Initia­tive des Herzogs Wilhelm von Braun­schweig-Lüneburg aufge­stellt und am 15. Oktober 1843, zum 30. Jahrestag der Völker­schlacht bei Leipzig, einge­weiht wurde, sind im Nieder­säch­si­schen Landes­ar­chiv, Abteilung Wolfen­büttel, überlie­fert. Weitere Quellen für die Planung und Errich­tung von Denkmä­lern zum Gedenken an Herzog Friedrich Wilhelm, beispiels­weise zur Verzie­rung der Friedrich-Wilhelm-Eiche am Petritor 1860–1861, finden sich im Stadt­ar­chiv Braun­schweig. Über den Zug des Herzogs Friedrich Wilhelm im Jahr 1809 infor­mieren im Wesent­li­chen zeitge­nös­si­sche Publi­ka­tionen von Militär- und Privat­per­sonen.

Obelisk zur Erinnerung an das Gefecht bei Ölper 1809 an der Celler Straße, Foto: Henning Steinführer
Obelisk zur Erinne­rung an das Gefecht bei Ölper 1809 an der Celler Straße, Foto: Henning Stein­führer

Birgit Hoffmann ist Landes­kir­chen­ar­chiv­rätin der Evange­lisch-luthe­ri­schen Landes­kirche in Braun­schweig. Der Beitrag erschien zuerst im Buch „Von Asse bis Zucker. Funda­mente Braun­schwei­gi­scher Regio­nal­ge­schichte“. Heraus­ge­geben von der Braun­schwei­gi­schen Landschaft.

Mit dieser Reihe in Koope­ra­tion mit dem Stadt­ar­chiv wollen wird unsere Leserinnen und Leser auch auf das Jubiläum zum 1000-jährigen Bestehen Braun­schweigs im Jahr 2031 vorbe­reiten. Anlass dafür ist die Ersterwäh­nung der Stadt in der Weihe­ur­kunde der Magni­kirche von 1031.

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