Von 1897 an durften auch Frauen studieren

Prinzregent Albrecht von Preußen. Repro: IBR
Prinzregent Albrecht von Preußen. Repro: IBR

275 Jahre Techni­sche Univer­sität Carolo-Wilhel­mina, Folge 9: Prinz­re­gent Albrecht von Preußen verlieh das Promo­ti­ons­recht.

In der schwie­rigen Phase der Konso­li­die­rung gegen Ende des 19. Jahrhun­derts erreichten die Techni­schen Hochschulen in Deutsch­land ihre Gleich­stel­lung mit den Univer­si­täten. Nachdem Kaiser Wilhelm II. (1859–1941) im Oktober 1899 der TH Berlin anläss­lich ihrer Jahrhun­dert­feier das Promo­ti­ons­recht verliehen hatte, erhielt auch die Techni­sche Hochschule Braun­schweig am 8. Mai 1900 vom Prinz­re­genten Albrecht von Preußen (1837–1906) das Promo­ti­ons­recht sowie das Recht, Ehren­pro­mo­tionen zu verleihen.

Schwie­riger Start

Die neue Verfas­sung vom 1. April 1878 sah statt der bisher vorhan­denen „Schulen“ sechs neu gebildete Abtei­lungen vor: Archi­tektur, Bauin­ge­nieur­wesen, Maschi­nenbau, Chemische Technik, Pharmazie und Allge­mein­bil­dende Wissen­schaften. Schien der univer­si­täts­gleiche Status mit Promo­tions- und Habili­ta­ti­ons­recht eine positive Fortent­wick­lung der Techni­schen Hochschule in der Kaiser­zeit zu gewähr­leisten, so erfüllten sich diese Hoffnungen zunächst nicht.

Betrachtet man die Entwick­lung der neuen Abtei­lungen, so tauchten immer wieder die gleichen Klagen, Beschwerden und Krisen­mo­mente auf. In der Wechsel­wir­kung mit den Bedürf­nissen des Marktes, den Anfor­de­rungen der indus­triell-techni­schen Entwick­lung und dem immer schneller werdenden Wandel von Wissen­schafts­me­thoden und Forschungs­in­halten konnten die Möglich­keiten einer Hochschule im Klein­staat Braun­schweig selten allen Bedürf­nissen gerecht werden.

Kein gutes Zeugnis

Einmal führten weiterhin schwin­dende Studen­ten­zahlen zu Legiti­ma­ti­ons­zwängen, dann wiederum war die Zahl des Lehrper­so­nals zu gering und die Arbeits­be­las­tung einzelner Profes­soren extrem hoch. Fehlende Labora­to­rien erschwerten die Ausbil­dung und die Forschung, und so blieb im Vergleich mit den anderen Techni­schen Hochschulen der Braun­schweiger TH meist nur ein letzter Platz im Vergleich. So jeden­falls lassen sich die häufigsten Klagen zusam­men­fassen, wobei die Entwick­lung natürlich für die einzelnen Abtei­lungen unter­schied­lich verlief.

Tiefgrei­fender Umbruch

Bereits 1897 waren übrigens in Braun­schweig für das Winter­se­mester 1898/99 erstmals Frauen als Gasthö­re­rinnen zugelassen worden. In der Allge­meinen Abteilung, an der Allge­mein­bil­dung und natur­wis­sen­schaft­lich-mathe­ma­ti­sche Grund­lagen gelehrt wurden, vollzog sich mit der vorsich­tigen und zöger­li­chen Einfüh­rung des Frauen­stu­diums „sozial­ge­schicht­lich vielleicht der tiefgrei­fendste Umbruch in dieser Zeit“.

Zunächst blieb der Zugang zu den Fächern der Geistes­wis­sen­schaften vorbe­halten, so dass sie Hörerinnen der Allge­meinen Abteilung waren. Die Unter­richts­fä­cher der Allge­mein­bil­dung traten im Vergleich der Abtei­lungen weitge­hend in den Hinter­grund und wurden überwie­gend durch neben­amt­liche Dozenten gelehrt. Dazu demnächst

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel ist Gründungs­di­rektor des Instituts für Braun­schwei­gi­sche Regio­nal­ge­schichte und Geschichts­ver­mitt­lung an der TU Braun­schweig.

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