Winter­freuden auf dem Kreuz­teich

Schlittschuhlaufen auf dem Kreuzteich. Stadtarchiv/Helmuth Wesemann
Schlittschuhlaufen auf dem Kreuzteich. Stadtarchiv/Helmuth Wesemann

Was die Zister­zi­enser mit Schlitt­schuh­laufen in Riddags­hausen zu tun haben

Schlitt­schuh­laufen auf dem Kreuz­teich gehört neben Rodeln auf dem Nußberg zu den größten sport­li­chen Winter­freuden in Braun­schweig. Während in früheren Jahrzehnten die Eisdecke in den Wintern oft viele Wochen hielt, ist es heutzu­tage eher die Ausnahme, dass das Eislaufen über einen langen Zeitraum möglich ist. Eine solche Wetter­lage gibt es aktuell. Frost ist auch für die nächsten Wochen angesagt. Was zum ganz großen Glück noch fehlt, ist ausgie­biger Sonnen­schein.

Gute Bedin­gungen

Das Eislaufen auf Kreuz­teich besitzt eine lange Tradition und wird aktuell auch wieder auf eigene Gefahr hin von der Stadt geduldet. Dazu muss das Eis so wie jetzt mehr als 20 Zenti­meter dick sein. Das wird durch die geringe Tiefe und keiner Strömung anders als beim Südsee oder Ölper See begüns­tigt. Die Zister­zi­enser hatten die Teiche vor rund 900 Jahren zur Fisch­zucht angelegt. Sie hielten die Gewässer so flach, weil die Fische im wärmeren, niedri­geren Wasser besser gedeihen. Zur Fisch­zucht genutzt werden bis heute vor allem der Kreuz­teich und der Mittel­teich.

Schlittschuhlaufen auf dem Kreuzteich. Stadtarchiv/Helmuth Wesemann
Schlitt­schuh­laufen auf dem Kreuz­teich. Stadtarchiv/Helmuth Wesemann

Auflage der Stadt

Wie vor Jahrhun­derten wird vor dem Abfischen das Wasser über Schleusen abgelassen. Im Gegensatz zum Mittel­teich wird der Kreuz­teich aller­dings im Winter nicht komplett trocken­ge­legt, sondern nach dem Abfischen wieder halb aufge­füllt. Das ist eine Auflage der Stadt, damit das Schlitt­schuh­laufen bei entspre­chender Witterung möglich ist. Fischer Klaus Lübbe übrigens würde auch den Kreuz­teich lieber komplett trocken­legen, weil so am Grund abgela­gerter Faulschlamm durch Frost abgebaut würde und sich die Wasser­qua­lität für die Fisch­zucht im Frühjahr so verbes­sern ließe.

Erste Schlitt­schuhe vor 6000 Jahren

Wann das Eislaufen auf dem Kreuz­teich begann, ist nicht nachzu­weisen, aber es dürfte Jahrhun­derte zurück­liegen. „Vor 6000 Jahren wurden aus dem Ansporn heraus, sich schneller und sicherer über zugefro­rene Seen und Wasser­flä­chen bewegen zu können, Tierkno­chen an Schuhe gebunden. Archäo­lo­gi­sche Funde bezeugen diese Tatsache und machen das Eislaufen somit zur ältesten Winter­sportart überhaupt“, heißt es auf der Inter­net­seite der Deutschen Eislauf-Union. Im 13. Jahrhun­dert begann man, Schlitt­schuhe aus einem Holzblock mit einer darunter befes­tigten flachen Eisen­klinge zu bauen, schreibt die Berliner Morgen­post in ihrem Beitrag „Auf Kufen übers Eis: Die Geschichte des Schlitt­schuhs.“

Drei Jungen brachen ein

Verbrieft ist aber dank eines Artikels in der Braun­schweiger Tages­zei­tung ein beson­deres Ereignis aus dem Jahr 1938. Der Titel lautete „Drei Jungen im Kreuz­teich einge­bro­chen. Unfrei­wil­liges Bad auch für den Retter – Aufre­gender Vorfall in Riddags­hausen“. Nur durch die beherzte Tat eines Lehrlings sei ein  Unglück vermieden werden. „Gegen 17 Uhr hörte der Schlach­ter­lehr­ling Hermann Strübig vom Kreuz­teich her gellende Hilferufe. Strübig, der auf dem Hofe seines Meisters stand, sah auf dem Teiche einen Jungen, der im Eise einge­bro­chen war, und hilflos im Wasser schwamm. Kurz entschlossen holte er eine Leiter, ging auf das Eis und versuchte, den Einge­bro­chenen zu retten. Ein anderer Junge wollte ihm dabei helfen, drückte dabei aber Strübings Leiter ein, so dass schließ­lich alle drei, die beiden Retter und der andere im eiskalten Wasser lagen.“

Abfischen im Herbst. Der Löwe/Andreas Greiner-Napp
Abfischen im Herbst. Der Löwe/Andreas Greiner-Napp

Und weiter: „Der Schlach­ter­lehr­ling, der, als er um Hilfe gerufen wurde, das Kontobuch seines Lehrherrn mit einem größeren Geldbe­trag in der einen Hand trug, ließ das Geld nicht los, und kämpfte mit der freien Hand gegen das Eis an. Es gelang ihm auch, die beiden heraus­zu­ziehen, und in Sicher­heit zu bringen … Dieser Vorfall zwingt zu größerer Vorsicht. Es ist doch selbst­ver­ständ­lich, dass Ende Februar, bei den augen­blick­li­chen Tempe­ra­tur­ver­hält­nissen die Eisdecke an Stärke, und damit auch an Tragfä­hig­keit verliert.“

Drei Jungen brachen 1938 ein. Foto: Archiv Jäckel/Wetterau
Drei Jungen brachen 1938 ein. Foto: Archiv Jäckel/Wetterau

Eisfläche freiräumen

Das ist gegen­wärtig nicht der Fall. Die Eisver­hält­nisse sind angesichts des Schnee­falls aller­dings nicht die besten. Deswegen bitten Unent­wegte, es ihnen gleich­zutun und mit Schnee­schie­bern weitere Flächen zum Schlitt­schuh­laufen und Eisho­ckey­spielen freizu­räumen. Sonst bleiben die Winter­freuden auf dem Kreuz­teich doch eher Spazier­gän­gern vorbe­halten.

Seit jeher ein beliebtes Naherholungsziel auch im Winter. Aus den Riddagshäser Nachrichten. Foto: Archiv Jäckel/Wetterau
Seit jeher ein beliebtes Naherho­lungs­ziel auch im Winter. Aus den Riddags­häser Nachrichten. Foto: Archiv Jäckel/Wetterau

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