Was die Zisterzienser mit Schlittschuhlaufen in Riddagshausen zu tun haben
Schlittschuhlaufen auf dem Kreuzteich gehört neben Rodeln auf dem Nußberg zu den größten sportlichen Winterfreuden in Braunschweig. Während in früheren Jahrzehnten die Eisdecke in den Wintern oft viele Wochen hielt, ist es heutzutage eher die Ausnahme, dass das Eislaufen über einen langen Zeitraum möglich ist. Eine solche Wetterlage gibt es aktuell. Frost ist auch für die nächsten Wochen angesagt. Was zum ganz großen Glück noch fehlt, ist ausgiebiger Sonnenschein.
Gute Bedingungen
Das Eislaufen auf Kreuzteich besitzt eine lange Tradition und wird aktuell auch wieder auf eigene Gefahr hin von der Stadt geduldet. Dazu muss das Eis so wie jetzt mehr als 20 Zentimeter dick sein. Das wird durch die geringe Tiefe und keiner Strömung anders als beim Südsee oder Ölper See begünstigt. Die Zisterzienser hatten die Teiche vor rund 900 Jahren zur Fischzucht angelegt. Sie hielten die Gewässer so flach, weil die Fische im wärmeren, niedrigeren Wasser besser gedeihen. Zur Fischzucht genutzt werden bis heute vor allem der Kreuzteich und der Mittelteich.



Auflage der Stadt
Wie vor Jahrhunderten wird vor dem Abfischen das Wasser über Schleusen abgelassen. Im Gegensatz zum Mittelteich wird der Kreuzteich allerdings im Winter nicht komplett trockengelegt, sondern nach dem Abfischen wieder halb aufgefüllt. Das ist eine Auflage der Stadt, damit das Schlittschuhlaufen bei entsprechender Witterung möglich ist. Fischer Klaus Lübbe übrigens würde auch den Kreuzteich lieber komplett trockenlegen, weil so am Grund abgelagerter Faulschlamm durch Frost abgebaut würde und sich die Wasserqualität für die Fischzucht im Frühjahr so verbessern ließe.
Erste Schlittschuhe vor 6000 Jahren
Wann das Eislaufen auf dem Kreuzteich begann, ist nicht nachzuweisen, aber es dürfte Jahrhunderte zurückliegen. „Vor 6000 Jahren wurden aus dem Ansporn heraus, sich schneller und sicherer über zugefrorene Seen und Wasserflächen bewegen zu können, Tierknochen an Schuhe gebunden. Archäologische Funde bezeugen diese Tatsache und machen das Eislaufen somit zur ältesten Wintersportart überhaupt“, heißt es auf der Internetseite der Deutschen Eislauf-Union. Im 13. Jahrhundert begann man, Schlittschuhe aus einem Holzblock mit einer darunter befestigten flachen Eisenklinge zu bauen, schreibt die Berliner Morgenpost in ihrem Beitrag „Auf Kufen übers Eis: Die Geschichte des Schlittschuhs.“




Drei Jungen brachen ein
Verbrieft ist aber dank eines Artikels in der Braunschweiger Tageszeitung ein besonderes Ereignis aus dem Jahr 1938. Der Titel lautete „Drei Jungen im Kreuzteich eingebrochen. Unfreiwilliges Bad auch für den Retter – Aufregender Vorfall in Riddagshausen“. Nur durch die beherzte Tat eines Lehrlings sei ein Unglück vermieden werden. „Gegen 17 Uhr hörte der Schlachterlehrling Hermann Strübig vom Kreuzteich her gellende Hilferufe. Strübig, der auf dem Hofe seines Meisters stand, sah auf dem Teiche einen Jungen, der im Eise eingebrochen war, und hilflos im Wasser schwamm. Kurz entschlossen holte er eine Leiter, ging auf das Eis und versuchte, den Eingebrochenen zu retten. Ein anderer Junge wollte ihm dabei helfen, drückte dabei aber Strübings Leiter ein, so dass schließlich alle drei, die beiden Retter und der andere im eiskalten Wasser lagen.“

Und weiter: „Der Schlachterlehrling, der, als er um Hilfe gerufen wurde, das Kontobuch seines Lehrherrn mit einem größeren Geldbetrag in der einen Hand trug, ließ das Geld nicht los, und kämpfte mit der freien Hand gegen das Eis an. Es gelang ihm auch, die beiden herauszuziehen, und in Sicherheit zu bringen … Dieser Vorfall zwingt zu größerer Vorsicht. Es ist doch selbstverständlich, dass Ende Februar, bei den augenblicklichen Temperaturverhältnissen die Eisdecke an Stärke, und damit auch an Tragfähigkeit verliert.“

Eisfläche freiräumen
Das ist gegenwärtig nicht der Fall. Die Eisverhältnisse sind angesichts des Schneefalls allerdings nicht die besten. Deswegen bitten Unentwegte, es ihnen gleichzutun und mit Schneeschiebern weitere Flächen zum Schlittschuhlaufen und Eishockeyspielen freizuräumen. Sonst bleiben die Winterfreuden auf dem Kreuzteich doch eher Spaziergängern vorbehalten.








