Das Produktdesign von Bodo Kampmann: Form A eroberte die Porzellan-Welt
Der Künstler Bodo Kampmann (1913 – 1978) ist in Braunschweig als Bildhauer und Goldschmied bekannt geworden. Etliche Werke im öffentlichen Raum zeugen von seiner künstlerischen Arbeit – zuvorderst ist die Justitia (1956) am Gerichtsgebäude am Dom zu nennen sowie der Rufer auf der Magni-Kirche (1957) und der Hahn auf der Petri-Kirche (1970). Doch wenige wissen, dass er auch als Produktdesigner tätig war. Dabei verwundert das nicht, wenn man sich vor Augen führt, dass er in seiner Schaffenszeit an der Werkkunstschule und an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Braunschweig die Fachklasse „Industrielle Formgebung“ unterrichtete.
Silbermedaille auf der Triennale
Einen „großen Wurf“ landete Bodo Kampmann 1956/57 mit dem zeitlosen Teeservice Form A. Dies wurde bei der Porzellanmanufaktur Fürstenberg produziert und gewann 1957 auf der XI. Triennale in Mailand die Silbermedaille. Damals wurde es in einem stylischen Karton angeboten, der heute noch die Herzen der Fünfzigerjahrefans hochschlagen lässt.
Der Inhalt bestand aus der avantgardistisch anmutenden Teekanne mit handgerechtem Stielgriff, deren Bewegung des Ausschenkens eine echte Gebärde des Schenkens suggeriert, sechs „Koppchen“, die auf einer wellenförmigen viereckigen Platte stehen, sowie einem Zuckerbehältnis und einem Milchkännchen. Der Clou waren die Porzellanlöffelchen, die „dem Aroma des Tees“ dienten, wie in der Verkaufsbroschüre zu lesen war. „Im Ganzen ein Teeservice, geschaffen für Menschen, die nicht nur Tee trinken, sondern dabei auch ein wenig den Lärm der Welt vergessen wollen“, ist darin auch zu lesen. Gestern wie heute aktuell.

Das Service Form A wurde bis 1966 hergestellt und im Jahr 2002 noch einmal als „Retrodesign“ in unterschiedlichen Ausführungen aufgelegt. Und ist es auch heute noch zu erwerben? Ja, aber nur bei Sammlern, Auktionen und im Internet. Anschauen kann man es in der Dauerausstellung im Museum Fürstenberg, die übrigens auch ansonsten einen Besuch wert ist. Die dortige Infotafel bezeichnet das Geschirr als „gestalterisch bahnbrechendes Teeservice“.
So wurde das Teeservice ausgeliefert. Foto: Museum Schloss Fürstenberg
Die Goldfischrennbahn von KPM
Mit dem Erfolg eines solch hoch geadelten Geschirrs stellt sich die Frage, ob Kampmann noch weiteres Porzellan hervorbrachte. Ja, Kampmann trat beispielsweise im Produktspektrum der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) auf. Im Jahr 1964 arbeitete er ein einziges Mal für diesen renommierten Hersteller. Es entstand ein Tafelaufsatz, den es in vier Varianten gab. Es handelt es sich um ein zweiteiliges Set aus Vase und aufgesetzter Schale, in die Konfekt oder kleine Früchte dekorativ drapiert werden können. Das Ensemble stellte KPM im Frühjahr 1965 auf der Hannover-Messe mit dem humorvollen Namen Goldfischrennbahn vor. Ein Glücksfall, dass das Archiv der KPM sogar den Entwurf aufbewahrt hat.
„Dauerbrenner“ Peter-Joseph-Krahe-Plakette
Der Begriff „Industrielle Formgebung“ weist auf wiederkehrende Formen hin, die fernab von individuellen Prozessen immer wieder produziert werden (können). Dazu kann auch die Peter-Joseph-Krahe-Plakette gezählt werden. Seit 1956 verleiht die Stadt Braunschweig diesen Architekturpreis, um gelungene Bauwerke oder Landschaftsgestaltungen in Braunschweig zu würdigen. Die Auslobung des Preises erfolgt rund alle fünf Jahre, so auch in diesem Jahr.
Bodo Kampmann bediente sich bei seinem Entwurf des Greifs als Symbol für Wachsamkeit und Klugheit. Dieses Motiv verweist eindeutig auf das geflügelte Fabeltier, das am Aufgang der Braunschweiger Villa Salve Hospes als Schmuckelement dient. Die Auftraggeberinnen oder ‑geber der prämierten Gebäude erhalten diese Plakette, die am jeweils betreffenden Gebäude angebracht wird. Die Architektin oder der Architekt erhält dazu jeweils eine kleinere Plakette überreicht.

Peter-Joseph-Krahe-Plakette von 2009 in der Jakob-Kemenate, Foto: Bärbel Mäkeler
Man darf gespannt sein, wer dieses Jahr die 1954 von Bodo Kampmann gestaltete Plakette in den Händen halten wird.


Entwurf und schwarz-weiße Ausführung des Tafelaufsatzes, Fotos: Archiv KPM






