Gutachten empfiehlt ein Modell, das wirtschaftliche Realität und kulturellen Erhalt verbindet
Die Porzellanmanufaktur Fürstenberg steht wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit immer wieder in der Kritik, unter anderem durch den Bund der Steuerzahler. Deshalb gab die Richard Borek Stiftung ein Gutachten in Auftrag, das aufzeigen soll, wie das Traditionsunternehmen im Weserbergland zukunftsfähig aufgestellt werden kann. Das Land steht als Eigentümer weiter vor einer politischen und wirtschaftlichen Grundsatzentscheidung: schließen, verkaufen oder radikal neu ordnen. Der ehemalige Chef der niedersächsische Staatskanzlei und Autor des Papiers, Dr. Lothar Hagebölling, plädiert dabei klar für eine umfassende Restrukturierung und gegen eine Stilllegung des traditionsreichen Standorts an der Weser.
Dauerdefizit in der Kritik
Der Bund der Steuerzahler Niedersachsen kritisiert die Porzellanmanufaktur seit Jahren scharf. Weil sie seit Jahren Verluste einfährt, fordert der Steuerzahlerbund die Landesregierung immer wieder auf, die Landesbeteiligung zu überprüfen und sich konsequent von dem millionenschweren Dauerdefizit zu trennen. Bislang hat das Land aber stets beteuert, an Fürstenberg festhalten und das Kulturgut schützen zu wollen.
Klar ist, dass es bei Fürstenberg nicht nur um ein Unternehmen geht, sondern um ein kulturhistorisches Gesamtgefüge auf dem Gebiet des ehemaligen Landes Braunschweig. Schloss, Museum, Sammlung und Manufaktur sind eng miteinander verwoben. Das Gutachten verweist ausdrücklich darauf, dass sich aus der niedersächsischen Verfassung ein Schutz- und Förderauftrag für derartige historischen Einrichtungen ableiten lasse.
Traditionsunternehmen seit 1740
Die ehemalige Herzogliche Porzellanmanufaktur Fürstenberg wurde im Jahr 1740 von Herzog Carl I. zu Braunschweig und Lüneburg gegründet. Fürstenberg ist damit nach Meißen die zweitälteste Produktionsstätte für Porzellan in Deutschland. Sie leidet aber wie alle Porzellanhersteller unter der Krise auf dem Porzellanmarkt. Das Gutachten beschreibt die Lage der Manufaktur seit Jahren als strukturell defizitär. Ursache seien nicht nur interne Probleme, sondern auch ein schwieriges Marktumfeld. Der Absatz hochwertigen Porzellans stagniere, während günstige Konkurrenz aus Asien den Druck erhöhe.
Eine Schließung hält Hagebölling dennoch für falsch. Sie wäre nicht nur kulturpolitisch problematisch, sondern auch teuer. Zudem stünden das Museum, das denkmalgeschützte Schlossensemble und das kunsthandwerkliche Wissen auf dem Spiel. Auch ein Verkauf an private Investoren gilt in der Analyse als wenig realistisch.
Entflechtung des Konstrukts
Stattdessen empfiehlt Hagebölling eine Entflechtung des bisherigen Konstrukts. Die Manufaktur solle von Lasten befreit werden, die nicht unmittelbar mit Produktion und Vertrieb zusammenhängen. Dazu zählt erstens die Idee, nicht benötigte Gebäude des Ensembles Investoren zur touristischen oder gastronomischen Nutzung zu überlassen. Zweitens solle die Porzellanmanufaktur als Wirtschaftsunternehmen von der Sponsoringverpflichtung für das Porzellanmuseum in Schloss Fürstenberg in Höhe von jährlich mindestens 300.000 Euro entbunden werden. Drittens bringt das Gutachten den Verkauf des historischen Porzellanbestands an eine Stiftung oder einen anderen Garanten des Gemeinwohls ins Spiel.
Parallel dazu fordert Hagebölling jedoch auch einschneidende Sanierungsschritte innerhalb des Unternehmens. Genannt werden mögliche Einsparpotenziale bei Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie bei der Produktvielfalt, aber auch betriebswirtschaftliche Chancen im Online-Handel und im Marketing. Als konkretes Beispiel nennt das Gutachten zudem Energieeinsparungen durch Investitionen, die sich rasch amortisieren würden.
Auf gutem Weg
Das Gutachten empfiehlt ein Modell, das wirtschaftliche Realität und kulturellen Erhalt miteinander verbindet. Das Land, die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und mögliche Förderer sollen die historischen und musealen Aufgaben absichern, während die Manufaktur selbst auf ein tragfähigeres Kerngeschäft zurückgeführt werden soll.
Mit der aktuellen Entwicklung zeigt sich Lothar Hagebölling durchaus zufrieden. „Aufsichtsrat und Geschäftsführung haben bereits sehr konsequent mehrere vorgeschlagene Maßnahmen umgesetzt. Die Porzellanmanufaktur ist auf dem richtigen Weg“, sagte er im Gespräch mit „Der Löwe – das Portal für das Braunschweigische“.






