Gedenken an den Wider­stands­kämpfer Graf von der Schulen­burg

Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg vor dem „Volksgerichtshof” am 23. Oktober 1944. Foto: Bundesarchiv Bildarchiv 151/51/44

Würdigung und Anregung für einen Stolper­stein am Wilhelm Gymnasium in der Leonhard­straße

Der 20. Juli 1944 ist ein natio­nales Gedenk­datum mit dem geschei­terten Attentat auf Hitler und dem Versuch, dem „anderen Deutsch­land“ einen letzten Weg zu eröffnen. Diesem grund­le­genden Ereignis der Zeitge­schichte soll regel­mäßig und mit Blick auf die Jugend muss sogar regel­mäßig gedacht sowie erinnert werden!  Mit Friedrich-Werner Graf von der Schulen­burg zählte eine namhafte Persön­lich­keit mit Verbin­dung zur Braun­schweiger Region zu den Wider­stands­kämp­fern hinzu. Ihn gilt es lokal zu würdigen.

Friedrich-Werner von der Schulen­burg. Foto: Archiv IBRG

Schon kurze Zeit nach dem Geschehen gedachten Persön­lich­keiten der Kultur wie Ricarda Huch und Reinhold Schneider in schrift­li­chen Ausar­bei­tungen den Atten­tä­tern als Opfer der Diktatur, während in großen Kreisen der Bevöl­ke­rung das Narrativ von den „Hoch- und Landes­ver­rä­tern“ herrschte. Erst mit dem 1952er Remer-Prozess und Fritz Bauer in Braun­schweig erfolgte eine erste amtliche Rehabi­li­tie­rung der Hitler-Atten­täter, unter­stri­chen von den Worten des damals amtie­renden Bundes­prä­si­denten Theodor Heuss zum zehnten Jahrestag 1954.

Gerichts­re­fe­rendar in Braun­schweig

Friedrich-Werner Graf von der Schulen­burg war am 20. November 1875 in Kemberg in der Provinz Sachsen geboren. Nach einem familiären Umzug 1887 nach Braun­schweig besuchte er das 1885 gegrün­dete Herzog­liche-Neue Gymnasium (heute Wilhelm-Gymnasium), wo er 1894 sein Abitur ablegte. Mit seinem frühen Berufs­ziel, in den diplo­ma­ti­schen Dienst einzu­treten, studierte er von 1895 bis 1900 Jura in Lausanne, Berlin und München, war Gerichts­re­fe­rendar und Regie­rungs­as­sessor in Braun­schweig, ehe er 1901 in den konsu­la­ri­schen Dienst im Auswär­tigen Amt eintrat.

Nach Dienst­tä­tig­keiten in Barcelona, Lemberg, Prag und Neapel orien­tierte er ab 1907 seine Inter­essen auf das russische Zaren­reich und war von 1907 bis 1911 Vizekonsul in Warschau und 1911–1914 in Tiflis. Nach kurzem Militär­dienst im Ersten Weltkrieg wurde er seit 1915 mehrfach Konsul im Nahen Osten. Nach mehreren Zwischen­sta­tionen war Graf von der Schulen­burg von 1919 an im diplo­ma­ti­schen Dienst der Weimarer Republik, darunter Gesandter in Teheran, in Bukarest und seit 1934 deutscher Botschafter in Moskau. Dort war er u.a. maßgeb­lich am deutsch-sowje­ti­schen Nicht­an­griffs­packt vom August 1939 beteiligt.

Bis zuletzt versuchte er den Überfall auf die Sowjet­union 1941 zu verhin­dern. In diese Zeit fiel auch eine seiner wichtigsten Entschei­dungen für die geplante Zukunft und in der Pension, nämlich 1936 der Erwerb der Burg Falken­stein in Oberbayern und deren Wieder­aufbau. Der persön­liche Traum sollte sich nicht erfüllen, die Burg aber ein wichtiger Erinne­rungsort für den Grafen und seine Geschichte werden.

Grabstätte der Familie von Schulen­burg auf dem Haupt­friedhof. Foto: Archiv IBRG

Als Außen­mi­nister vorge­sehen

Mit seiner Verbin­dung zur militä­ri­schen Opposi­tion kam er in Kontakt zum deutschen Wider­stand um Carl Friedrich Goerdeler. In den Umsturz­plänen der Wider­stands­kämpfer war Graf von der Schulen­burg zeitweilig als Außen­mi­nister vorge­sehen. Nach dem geschei­terten Atten­tats­ver­such vom 20. Juli 1944 wurde er noch am gleichen Tag festge­nommen, nach einem ersten Verhör aus der Haft entlassen, um am 16. August 1944 erneut verhaftet zu werden. Schließ­lich wurde Friedrich-Werner Graf von der Schulen­burg am 23. Oktober 1944 unter demüti­genden Umständen vom „Volks­ge­richtshof“ zum Tode verur­teilt und am 10. November 1944 schließ­lich in Berlin-Plötzensee mit dem Strang hinge­richtet.

Jährlich am 20. Juli findet an der Grabstätte der Eltern auf dem Braun­schweiger Haupt­friedhof an der Helmstedter Straße eine Kranz­nie­der­le­gung und ein Gedenken statt. Es ist dieser Ort heute eine histo­ri­sche Gedenk­stätte an das Attentat vom 20. Juli 1944. Eine Gedenk­in­schrift erinnert daher im Kontext der Familie und des Wider­stands gegen das Nazi-Unrecht an Friedrich-Werner Graf von der Schulen­burg als betei­ligtem Wider­ständler des 20. Juli 1944, auf Burg Falken­stein ist ein dauer­hafter Erinne­rungsort zugäng­lich, einzig ein Stolper­stein am Wilhelm Gymnasium in der Leonhard­straße fehlt, wie er etwa dem Braun­schwei­gi­schen Minis­ter­prä­si­denten Heinrich Jasper gewidmet ist, der zeitgleich mit von der Schulen­burg dort Abitur machte. Eine kleine Anregung dazu mag dieser Beitrag sein.

Fakten

In alter Tradition hält Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel, Gründungs­di­rektor des Instituts für Braun­schwei­gi­sche Regio­nal­ge­schichte der TU Braun­schweig und seit kurzem Mitglied des PEN Deutsch­land, am Donnerstag, den 16. Juli, 18.30 Uhr, in der Reihe der Vorträge zur Braun­schwei­gi­schen Regio­nal­ge­schichte den Gedenk­vor­trag „Zwischen 1944 und 1953“. Der Vortrag findet im Institut am Fallers­leber-Tor-Wall 23 statt.

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