Gedenken zum 150. Geburtstag an den Widerstandskämpfer Graf von der Schulenburg.
Der 20. Juli 1944 ist ein nationales Gedenkdatum mit dem gescheiterten Attentat auf Hitler und dem Versuch, dem „anderen Deutschland“ einen letzten Weg zu eröffnen. Schon kurze Zeit nach dem Geschehen haben Persönlichkeiten der Kultur wie Ricarda Huch und Reinhold Schneider den Attentätern als Opfer der Diktatur in schriftlichen Ausarbeitungen gedacht, während bei großen Kreisen der Bevölkerung das Narrativ von den „Hoch- und Landesverrätern“ aufgebaut wurde. Erst 1952 mit dem Remer-Prozess und Fritz Bauer in Braunschweig erfolgte eine erste amtliche Rehabilitierung der Attentäter vom 20. Juli 1944, unterstrichen von den Worten des damals amtierenden Bundespräsidenten Theodor Heuss zum zehnjährigen Jahrestag 1954.
Diesem grundlegenden Ereignis der Zeitgeschichte soll regelmäßig und, mit Blick auf die Jugend, muss gedacht sowie erinnert werden! Eine Gelegenheit dazu war auch der 20. November 2025, denn es war der 150. Geburtstag von Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, einem der namhaften und nach dem Attentat hingerichteten Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. Gleichzeitig kommt seine persönliche Verbindung zur Braunschweiger Region hinzu, um die Rolle als Widerstandskämpfer beim Hitler-Attentat lokal zu würdigen.
Abitur in Braunschweig
Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg war am 20. November 1875 in Kemberg in der Provinz Sachsen geboren. Nach einem familiären Umzug 1887 nach Braunschweig besuchte er das 1885 gegründete Herzogliche-Neue Gymnasium (heute Wilhelm-Gymnasium), wo er 1894 sein Abitur ablegte. Mit seinem frühen Berufsziel, in den diplomatischen Dienst einzutreten, studierte er 1895–1900 Jura in Lausanne, Berlin und München, war Gerichtsreferendar und Regierungsassessor in Braunschweig, ehe er 1901 in den konsularischen Dienst im Auswärtigen Amt eintrat.
Nach Diensttätigkeiten in Barcelona, Lemberg, Prag und Neapel orientierte er ab 1907 seine Interessen auf das russische Zarenreich und war 1907–1911 Vizekonsul in Warschau und 1911–1914 in Tiflis. Nach kurzem Militärdienst im Ersten Weltkrieg wurde er seit 1915 mehrfach Konsul im Nahen Osten. Nach mehreren Zwischenstationen war Graf von der Schulenburg ab 1919 im diplomatischen Dienst der Weimarer Republik, darunter Gesandter in Teheran, in Bukarest und seit 1934 deutscher Botschafter in Moskau.
Dort war er unter anderem maßgeblich am deutsch-sowjetischen Nichtangriffspackt vom August 1939 beteiligt. Bis zuletzt versuchte er den Überfall auf die Sowjetunion 1941 zu verhindern. In diese Zeit fiel auch eine seiner wichtigsten Entscheidungen für die geplante Zukunft und in der Pension, nämlich 1936 der Erwerb der Burg Falkenstein in Oberbayern und deren Wiederaufbau. Der persönliche Traum sollte sich nicht erfüllen, die Burg aber ein wichtiger Erinnerungsort für den Grafen und seine Geschichte werden.
Als Außenminister vorgesehen
Mit seiner Verbindung zur militärischen Opposition kam er in Kontakt zum deutschen Widerstand um Carl Friedrich Goerdeler. In den Umsturzplänen der Widerstandskämpfer war Graf von der Schulenburg zeitweilig als Außenminister vorgesehen. Nach dem gescheiterten Attentatsversuch vom 20. Juli 1944 wurde er noch am gleichen Tag festgenommen, nach einem ersten Verhör aus der Haft entlassen, um am 16. August 1944 erneut verhaftet zu werden. Schließlich wurde Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg am 23. Oktober 1944 unter demütigenden Umständen vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 10. November 1944 schließlich in Berlin-Plötzensee mit dem Strang hingerichtet.
Jährlich am 20. Juli findet an der Grabstätte der Eltern auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof an der Helmstedter Straße eine Kranzniederlegung und ein Gedenken statt. Es ist dieser Ort heute eine historische Gedenkstätte an das Attentat vom 20. Juli 1944. Eine Gedenkinschrift erinnert daher im Kontext der Familie und des Widerstands gegen das Nazi-Unrecht an Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg als beteiligtem Widerständler des 20. Juli 1944.



