Der Portikus des rekonstruierten Residenzschlosses wurde in den Niedersächsischen Denkmalatlas aufgenommen.
Die Enthüllung der rekonstruierten Fassade des wieder aufgebauten Braunschweiger Residenzschlosses war am 26. August 2006 ein herausragendes Ereignis. 20.000 Interessierte waren zum Bohlweg gekommen, um die Enthüllung des Portikus‘ mitzuerleben. Er bildet seither das Herzstück des Schlosses. Kritiker hatten damals abfällig von „Disneyland“ gesprochen. Heute ist der Portikus gleichwohl Bestandteil des Niedersächsischen Denkmalatlasses. Er ist als Einzeldenkmal wegen seiner geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung verzeichnet.
Liste bedeutender Kulturdenkmale
Der Denkmalatlas Niedersachsen ist eine Wissens- und Kommunikationsplattform des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege für die vielseitigen Kulturdenkmale des Landes. Seit 2020 wird das Verzeichnis der Kulturdenkmale geprüft, aktualisiert und online veröffentlicht. Mehr als 30.000 Objekte sind im Denkmalatlas Niedersachsen enthalten.
46 Jahre nach dem umstrittenen Abriss des Residenzschlosses, der am 18. März 1960 begann, war die Hauptfassade des Residenzschlosses mit rund 550 Originalteilen anhand alter Pläne und historischer Fotos in ursprünglicher Größe und am historischen Platz rekonstruiert worden. Anhand der dunklen Färbung der Steine kann noch heute jeder Betrachter einfach erkennen, welche Teile original und welche neu sind.

Zwei Drittel waren intakt
Als der Abriss des Schlosses 1959 vom Stadtrat seinerzeit beschlossen wurde, gingen Gutachten davon aus, dass die damalige Schlossruine noch zu gut zwei Dritteln aus intakter Bausubstanz bestand und hätte wieder komplett aufgebaut werden können. Dennoch verlor Braunschweig einen seiner großen identitätsstiftenden Bauten – zum Glück nicht endgültig. Mit der Enthüllung der „neuen“ Hauptfassade als Kern der neuen dreiflügeligen Schlossanlage wurde die städtebauliche Wunde der Nachkriegszeit wieder geheilt.
Dank der seinerzeit von Richard Borek (1911–1993) angeführten Proteste gegen den Abriss wurden immerhin besonders wertvolle Teile wie die Figurenstücke des Portikusgiebels oder die Großfiguren von Otto IV. und Otto, dem Kind, auf dem städtischen Bauhof an der Ludwigstraße, in der ehemaligen Heinrich-der-Löwe-Kaserne und später auch auf dem Areal des Braunschweigischen Landesmuseums Hinter Ägidien eingelagert.
Kapitelle im Schlosspark
1974 wurden vier Säulenkapitelle im Wasserbecken des an Stelle des Schlosses entstandenen Schlossparks aufgestellt. Auch Privatpersonen besaßen Schloss-Fragmente und gaben sie zurück, als der Wiederaufbau anstand. 67.300 Kubikmeter kleinteiliger Schutt liegen heute auf dem fast 40 Meter hohen „Scherbelberg“ in Kralenriede.

Nach Plan verschüttet
Entscheidend für den originalgetreuen Wiederaufbau von Portikus war, dass seinerzeit ein Plan angelegt und die für Wert gehaltenen Schlossteile nummeriert worden waren, bevor sie damals in einer Lehmkuhle am Madamenweg abgekippt wurden. Mehr als vier Jahrzehnte später wurden sie auf einer Fläche von 45 mal 30 Metern im längst entstandenen Kleingartenverein Holzenkamp wieder ausgegraben. Sie befanden sich in einem erstaunlich guten Zustand, wurden gereinigt und wiederverwendet.
Seit Ende des Zweiten Weltkriegs und auch noch nach dem Abriss 1960 hatte es immer wieder Versuche und Visionen gegeben, erst das Schloss zu retten und später es in Teilen wieder aufzubauen. In erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen war das nie ernsthaft und mit letzter Konsequenz verfolgt worden. Die vorgeschlagenen Nutzungen wie Stadthalle, Kinobetrieb oder Hotel bildeten kein solides Fundament für ein so epochales Projekt.
80 Prozent für Kultur
Das gelang erst mit der 2003 erstmals vorgestellten Symbiose aus Schloss und Schloss-Arkaden, aus Kultur mit Stadtbibliothek, Stadtarchiv, Kulturinstitut, Schlossmuseum und dem beliebten Roten Saal auf der einen sowie dem attraktiven Einkaufszentrum als Kundenmagnet für die ganze Region auf der anderen Seite. Knapp 80 Prozent der Grundfläche des Schlosses sind der Kultur vorbehalten.
Der Portikus im Denkmalatlas:
https://denkmalatlas.niedersachsen.de/viewer/metadata/6598743a-5b32-4f7e-8746-e5d6b9629cfb/1/-/



