Dibbesdorf wird 800 Jahre alt: Das Klostergut ist die große Konstante des Orts an der Schunter
Einer der kleinsten Stadtteile Braunschweigs feiert dieser Tage ein bedeutendes Jubiläum: Dibbesdorf wird 800 Jahre alt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1226 als „Thitbechtestorp“. Unter dem Namen „Dibbekes-torp“ verkauften es die Grafen von Wernigerode 1260 an das Zisterzienserkloster Riddagshausen. Das danach entstandene Klostergut wird bis heute betrieben und ist die große Konstante des ehemals eigenständigen Dorfs. Archäologische Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass bereits zwischen 500 und 800 n. Chr. in dieser Gegend Menschen gesiedelt haben müssen. 1974 wurde Dibbesdorf in die Stadt Braunschweig eingemeindet.
Der erste Kern der überlieferten Siedlung lag nahe der damals fischreichen und heute wieder renaturierten Schunter. Die Forelle im Dibbesdorfer Wappen erinnert an jene Anfänge. Aber es gibt noch einen weiteren historischen Aspekt dafür, den der Heraldiker Arnold Rabbow in seinem Entwurf 1980 aufnahm. Die ersten Landesherren Dibbesdorfs waren im Gegensatz zu den meisten Dörfern im Braunschweigischen eben keine Welfen. Das Wappen der Grafen von Wernigerode enthält zwei Forellen, von denen Rabbow eine in das Dibbesdorfer Wappen übernahm.

Von Landwirtschaft geprägt
Die enge Verbindung zwischen Dibbesdorf und dem Kloster Riddagshausen wird durch den rotweiß karierten Balken aus dem Klosterwappen, den sogenannten Zisterzienserbalken, wachgehalten. Die grüne Farbe des Schildfeldes verweist auf die Landwirtschaft, die jahrhundertelang die wichtigste Rolle im Arbeits- und Erwerbsleben des Ortes spielte. Aus einem Dorf, das noch vor etwa 50 Jahren von der Landwirtschaft geprägt war, ist eine moderne Stadtrandgemeinde geworden.
Am Bahnhof Dibbesdorf-Hondelage wurden letztmals in der Saison 1976 Zuckerrüben verladen. Personenzüge hielten schon seit 1975 nicht mehr dort und 1981 wurde auch der Güterverkehr eingestellt. Im Sommer 1983 begann der Rückbau aller Nebengleise. Das Bahnhofsgebäude wurde schließlich verkauft und wird als Wohnhaus genutzt.

Verheerender Brand
Die wesentlichen, bis heute erkennbaren Grundzüge Dibbesdorfs wurden nach 1865 gelegt. Ein verheerender Brand hatte den größten Teil des Dorfes vernichtet. Nur wenige Häuser am südöstlichen Ortsrand wurden nicht Opfer der Flammen, darunter der Gasthof Kersten, der viele Jahrzehnte ein beliebter Treffpunkt gewesen war. Die heute leider geschlossene Gaststätte war seit 1886 von vier Generation als Familienbetrieb bewirtschaftet worden. Der Ort und die Höfe wurden weitestgehend wieder aufgebaut.
Auch das Klostergut war nahezu komplett zerstört worden. Von der einst mittelalterlichen Bausubstanz blieb nichts erhalten. Die unmittelbar nach dem Brand errichtete Hofanlage ist jedoch originär erhalten und in den Denkmalatlas Niedersachsens aufgenommen worden. Darin wird sie wie folgt beschrieben: „Um einen rechteckigen Hofplatz angeordnete ansehnliche Anlage mit Fachwerk‑, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Alte Hofeinfahrt mit flankierenden Sandsteinpfeilern. … An der Erhaltung des Klostergutes Dibbesdorf besteht aufgrund ihrer geschichtlichen Bedeutung als Zeugnis- und Schauwert für Bau- und Kunstgeschichte sowie für Siedlungs- und Stadtbaugeschichte, wie auch aufgrund ihrer städtebaulichen Bedeutung von prägendem Einfluss auf das Straßenbild ein öffentliches Interesse.“

Drei Neubaugebiete
In den 1950er Jahren entstand in unmittelbarer Nähe zum Dorfkern, den das Klostergut unverändert markiert, das Neubaugebiet „Am Holzwinkel“. In den 1960er Jahren wurde in der Nähe des damaligen Bahnhofs das Baugebiet „Kleiner Mooranger“ erschlossen. Beide Ortsteile waren somit etwa 700 m voneinander entfernt. Diese Lücke wurde in den 1980er Jahren mit dem bisher letzten Neubaugebiet „Hühnerkamp“ geschlossen.
Die Einwohnerzahl nahm in jedem Jahrhundert zu. Die Flurkarte von 1749 wies fünf Ackerleute, neun Kotsassen und drei Häuslinge aus, schrieb der damalige Dibbesdorfs Ortsheimatpfleger Günter Weinhausen in einem Beitrag aus dem Jahr 2004. Im Jahr 1791 hatte Dibbesdorf 139 Einwohner in 18 Wohngebäuden, die sich auf 14 Hof- und Gartenstellen und vier Anlagen für Hirten und Gemeindeangestellte aufteilten. Im Jahr 1939 waren 261 Personen gemeldet. Durch die Flüchtlingswelle nach dem Zweiten Weltkrieg lebten im Jahr 1950 knapp 500 Bürger in dm Dorf. 1970 zählte Dibbesdorf 961 Einwohner, und 2004 waren es fast 1700 Personen. Aktuell sind es rund 1400.
Das Jubiläum „800 Jahre Dibbesdorf“ wird am 10. April von 16 Uhr an öffentlich für jedermann im Sowjethaus in Dibbesdorf gefeiert.






