Stolper­steine erinnern an die Meyers­felds

Die Villa von Amsberg war zunächst Standort des Bankhauses Meyersfeld und später des Cafés von Cécile-Berche. Foto: Archiv Richard Borek Stiftung
Die Villa von Amsberg war zunächst Standort des Bankhauses Meyersfeld und später des Cafés von Cécile-Berche. Foto: Archiv Richard Borek Stiftung

Unter dem NS-Regime verlor die Familie ihre wirtschaft­liche Existenz und wurde zur Flucht gezwungen

Vor der ehema­ligen Amsberg-Villa am Friedrich-Wilhelm-Platz werden am Freitag, 3. Juli, vier neue Stolper­steine verlegt. Sie erinnern an Cécile-Berche, Annette, Herbert und Alix („Lixi“) Meyers­feld. Über Jahrzehnte prägte ihre Familie das wirtschaft­liche, gesell­schaft­liche und jüdische Leben in Braun­schweig.

Die Villa hatte der Bankier David Meyers­feld (1805–1885) erworben. Drei Genera­tionen der Familie lebten und arbei­teten dort. Mit der Macht­über­nahme der Natio­nal­so­zia­listen verlor die Familie jedoch ihre wirtschaft­liche Existenz, wurde entrechtet und schließ­lich zur Flucht gezwungen.

Herbert Meyersfeld ließ den Kontakt zu seinem Freund Richard Borek nie abreißen. Foto: privat
Herbert Meyers­feld ließ den Kontakt zu seinem Freund Richard Borek nie abreißen. Foto: privat

Seit 2006 in Braun­schweig

Das Projekt „Stolper­steine“ des Künstlers Gunter Demnig erinnert seit 1995 europa­weit an die Opfer der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft. Die kleinen Messing­ta­feln werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Verfolgten in den Gehweg einge­lassen und machen ihre Namen und Lebens­ge­schichten im Alltag sichtbar.

In Braun­schweig engagiert sich seit 2005 der Förder­verein „Stolper­steine für Braun­schweig“ gemeinsam mit der Stadt sowie zahlrei­chen Schulen für die Erfor­schung der Schick­sale von NS-Opfern. Seit der ersten Verlegung im März 2006 erinnern mittler­weile mehr als 450 Stolper­steine an die Verfolgten.

Die Geschichte der Familie Meyers­feld recher­chierten im Vorfeld der Verlegung Schüle­rinnen und Schüler des Braun­schweig-Kollegs. Die umfas­sende Dokumen­ta­tion beginnt mit der Ansied­lung der Familie, die 1745 von Einbeck nach Braun­schweig zog. Unter Bernhard Meyers­feld (1841–1920) erreichte sie den Höhepunkt ihrer wirtschaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Bedeutung.

Bedeu­tende jüdische Familie

Die Meyers­felds gehörten seit dem späten 19. Jahrhun­dert zu den bedeu­tendsten jüdischen Familien Braun­schweigs. Mit ihrem Bankhaus D. Meyers­feld förderten sie die wirtschaft­liche Entwick­lung der Stadt, engagierten sich in der jüdischen Gemeinde und unter­stützten zahlreiche soziale und kultu­relle Projekte. Unter anderem stifteten sie den Eulen­spie­gel­brunnen am Bäcker­klint. Dort befindet sich auch die Erinne­rungs­tafel an Bernhard Meyers­feld.

Innerhalb weniger Jahre zerstörte das NS-Regime diese über Genera­tionen aufge­baute Existenz. Die vier Famili­en­mit­glieder, an die nun Stolper­steine erinnern, überlebten die Verfol­gung nur durch ihre Flucht ins Exil.

Der von der Familie Meyersfeld gespendete Eulenspiegelbrunnen auf einer kolorierten Postkarte, um 1941. Foto: Stadtarchiv
Der von der Familie Meyers­feld gespen­dete Eulen­spie­gel­brunnen auf einer kolorierten Postkarte, um 1941. Foto: Stadt­ar­chiv

Cécile-Berche Meyers­feld, geborene Rau (21. Februar 1879 in Paris – 7. September 1965 in Johan­nes­burg), versuchte nach dem Zusam­men­bruch des Bankhauses infolge der Weltwirt­schafts­krise im Jahr 1931, mit einem Café in den ehema­ligen Bankräumen die Existenz ihrer Familie zu sichern. Das Café entwi­ckelte sich schnell zu einem beliebten Treff­punkt in Braun­schweig. Weil sich Cécile-Berche am 1. Mai 1933 weigerte, die Haken­kreuz­fahne zu hissen, wurde sie verhaftet und wochen­lang ohne Gerichts­ver­fahren festge­halten. Nach dem Tod ihres Mannes Berthold im Jahr 1934 führte ihre Flucht über Frank­reich, Spanien und Portugal schließ­lich nach Südafrika, wo bereits ihre drei Kinder lebten. Das Café wurde im November 1935 unter dem Namen „Café Börner“ wieder eröffnet.

Annette Meyers­feld (1909 in Braun­schweig – 28. Januar 2001 in Johan­nes­burg) wollte Schau­spie­lerin werden. Die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Verfol­gung zwang sie jedoch zur Emigra­tion. Nach Stationen in Paris fand sie in Südafrika eine neue Heimat. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans Alexander Frank eröffnete sie zunächst ein Modeate­lier und später das weit über Johan­nes­burg hinaus bekannte franzö­si­sche Restau­rant „The Bistro“.

Präsentation der Dokumentation der Familie Meyersfeld durch Kollegiatinnen und Kollegiaten des Braunschweig Kollegs im Roten Saal des Schlosses. Foto: Stolpersteine für Braunschweig
Präsen­ta­tion der Dokumen­ta­tion der Familie Meyers­feld durch Kolle­gia­tinnen und Kolle­giaten des Braun­schweig Kollegs im Roten Saal des Schlosses. Foto: Stolper­steine für Braun­schweig

Herbert Meyers­feld (1911 in Braun­schweig – 20. Oktober 1997 in Kapstadt) floh bereits 1933 nach Paris. Sein weiterer Weg führte ihn über Madagaskar nach Südafrika. Dort baute er sich eine neue Existenz auf, gründete eine Familie und leitete später erfolg­reich das Unter­nehmen seines Schwie­ger­va­ters. Trotz seines Exils blieb er seiner Heimat­stadt eng verbunden und besuchte Braun­schweig regel­mäßig.

Alix („Lixi“) Darvall, geborene Meyers­feld (20. März 1920 in Braun­schweig – 15. Juli 1980 in Johan­nes­burg), wurde bereits als 14-Jährige wegen ihrer jüdischen Herkunft von der Schule ausge­schlossen. Gemeinsam mit ihrer Mutter gelang ihr nach einer abenteu­er­li­chen Flucht über die Pyrenäen und mehreren Haftauf­ent­halten in Spanien die Rettung nach Südafrika. Dort machte sie sich als Karika­tu­ristin und Porträt­zeich­nerin einen Namen und verar­bei­tete ihre Erfah­rungen von Flucht und Verfol­gung in ihren künst­le­ri­schen Arbeiten.

Weitere Stolper­steine werden an diesem Tag für Lina Nachod (Stegmann­straße 22), Selma Senff (Hamburger Straße 297, heute Rebenring/Ecke Mühlen­pford­t­straße), Walter Ott (Gülden­straße 48) und Helene Kiewac­zynski (Wabestraße 4) verlegt.

Mehr unter: https://www.stolpersteine-fuer-braunschweig.de/

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