Aus dem Stadtarchiv, Folge 8: Ersterwähnung im Jahr 747
Im Stadtarchiv werden Akten über innerstädtische Eingriffe in den Okerverlauf sowie die Anlage und Pflege von Okergräben ebenso wie über die frühe Vergabe von Fischereirechten gelagert. Das Interesse an der Energiegewinnung durch Wasserkraft zum Betreiben von Mühlen findet seinen Niederschlag in vielen Unterlagen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Die Nutzung des Okerwassers für Industrieanlagen erforderte die Genehmigung der zuständigen kommunalen Behörden. Auch staatliche oder kommunale Verkehrs- und Versorgungsbetriebe wie die staatliche Eisenbahn oder das Elektrische Lichtwerk der Stadt Braunschweig nutzten es. Es existiert eine Fülle an behördlichen Informationen.
„Wäre Brunswik Waters rike, so wär‘ nimmer sinns Gelike.“ (Wäre Braunschweig (des) Wassers reich, so wäre niemand ihr gleich.) Dieser 1841 abgedruckte Sinnspruch wird auf das Jahr 1605 zurückgeführt. Gemeint war damit: Hätte Braunschweig einen wasserreichen, für die Schifffahrt geeigneten Fluss, so wäre ihr großer wirtschaftlicher Erfolg beschieden. Zu wirtschaftlichem Erfolg kamen die Stadt Braunschweig und das Braunschweigische Land auch ohne umfangreiche Transporte auf dem Wasser. Im Harz geschlagene Baumstämme wurden früher – zu Flößen zusammengebunden, bei günstigen Wasserverhältnissen bis Braunschweig gebracht und dort als Bauholz zugeschnitten. Zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel fand um 1750 während einiger Jahre ein Frachtverkehr statt.

Fracht- und Personenverkehr
Einen Frachtverkehr von Braunschweig aus auf Oker/Aller/Weser nach Celle/Bremen hat es nur während weniger Jahre im Mittelalter gegeben. Personenverkehr bestand für einige Zeit als Ausflugsverkehr südlich von Braunschweig bis Stöckheim (Großes Weghaus) und nördlich von Braunschweig bis Olper (Mühle). Von der Braunschweiger Innenstadt aus verkehrte zumindest zwischen den beiden Weltkriegen ein Motorschiff, „MS Brunonia“ genannt, zu Ausflugsfahrten zum Heinrichshafen (Nähe Eisenbütteler Straße).
An der zurückgelegten Strecke befand sich eine beliebte Badeanstalt. Am Löwenwall gibt es noch heute einen Bootsverleih und organisierte Bootstouren. Mehrere Wassersportvereine nutzten den Fluss seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart für ihr Freizeit- und Sportangebot.
„Massentaufe der Sachsen“
Die Oker ist erstmalig urkundlich erwähnt im Jahr 747 in einer Wegbeschreibung als Okerübergang bei Ohrum, dort, südlich von Wolfenbüttel, fand im Jahr 780 die „Massentaufe der Sachsen“ statt. Das Quellgebiet der Oker befindet sich in den Höhenlagen des Harzes, westlich im Bruchbergmassiv. Der Flusslauf erstreckt sich allgemein in nördliche Richtung. Die ehemalige Königspfalz Werla (bei Werlaburgdorf), auf einem Plateau westlich der Oker gelegen, hatte um das Jahr 1000 eine reichsweite Bedeutung.
In Braunschweig ist vom ursprünglichen Okerverlauf lediglich unmittelbar östlich der Burg Dankwarderode ein kleiner, inzwischen trockener Abschnitt als gepflasterter Graben erhalten geblieben. Die Innenstadt wird von den beiden Umflutgräben (westlich und östlich) umschlossen. Die weitere Strecke hat im Niederungsgebiet zwischen Ölper und Veltenhof mit dem mäandrierenden Verlauf noch viel vom ursprünglichen Charakter. Die Oker mündete früher bei Wienhausen in die Aller, nach mehrfachen Regulierungen befindet sich die Mündung nunmehr bei Müden.

Hochwasser 1806 und 1946
Auch wenn es nach starken Regenfällen oder infolge der Schneeschmelze zu Überschwemmungen in den Niederungsgebieten kommt, gehören Katastrophen doch der Vergangenheit an. Die Hochwassermarke an der Braunschweiger Katharinenkirche zeigt für den 8. April 1806 einen Wasserstand von etwa 80 Zentimetern auf dem Hagenmarkt, am 9./10. Februar 1946 stand das Wasser dort etwa 40 Zentimeter hoch. Seit Inbetriebnahme der Okertalsperre, 1956, sind derartige Zustände verhindert worden.
Der während Jahrhunderten ausgeübte Bergbau hat noch heute Einfluss auf die Wasserqualität. Die Auswaschungen aus schwermetallhaltigen Sedimenten sind noch heute am Fischbesatz und an uferbegleitendem Grün erkennbar. Die heutigen Einleitungen von geklärten Abwässern aus Industrie- und Wohngebieten unterliegen strengen Vorschriften. Die Entnahme von Trinkwasser ist vor vielen Jahrzehnten bereits eingestellt worden.
Eine wirtschaftliche Bedeutung neben der Fischereinutzung bekam die Oker als Energiequelle, so siedelten sich entlang des Flusslaufes mehrere Mühlen an. Der damit einhergehende Bau eines Stauwehres erforderte dann beispielsweise bei der Rüninger Mühle den Bau einer Schleuse als Durchfahrt für Schiffe und Flöße. Heute gibt es „Fischaufstiege“ seitlich von weiterhin vorhandenen Stauwehren, die beispielsweise der Rothemühle die Erzeugung von Elektroenergie ermöglichen.
Rolf Ahlers leitet die Arbeitsgruppe Plattdeutsch der Braunschweigischen Landschaft. Der Beitrag erschien zuerst im Buch „Von Asse bis Zucker. Fundamente Braunschweigischer Regionalgeschichte“. Herausgegeben von der Braunschweigischen Landschaft.
Mit dieser Reihe in Kooperation mit dem Stadtarchiv wollen wir unsere Leserinnen und Leser auch auf das Jubiläum zum 1000-jährigen Bestehen Braunschweigs im Jahr 2031 vorbereiten. Anlass dafür ist die Ersterwähnung der Stadt in der Weiheurkunde der Magnikirche von 1031.






