Neue Hoffnung für das alte Wallring-Haus

Mit diesem Plakat wirbt ein Investor für seinen Neubau anstelle einer Wallring-Villa. Foto: Der Löwe
Mit diesem Plakat wirbt ein Investor für seinen Neubau anstelle einer Wallring-Villa. Foto: Der Löwe

Das Nieder­säch­si­sche Landesamt für Denkmal­pflege überprüft, ob das Gebäude Am Hohen Tore 6 schützens- und erhal­tens­wert ist

Für einen Neubau auf dem Grund­stück Am Hohen Tore 6 gibt es aktuell keinen Bauantrag und demzu­folge auch keine Geneh­mi­gung, teilt die Stadt­ver­wal­tung auf Anfrage von „Der Löwe – das Portal für das Braun­schwei­gi­sche“ mit. Dennoch wirbt ein Investor mit einem großflä­chigen Plakat, auf dem es heißt: „Neubau: Hier entstehen 14 exklusive Eigen­tums­woh­nungen in begehrter Okerlage mit Tiefga­rage“. Für diesen Neubau müsste eines der ältesten erhal­tenen Wallring-Häuser weichen. Mit der Plaka­tie­rung hat der Investor der Entwick­lung vorge­griffen, mittler­weile soll er seinen bereits gestellten Antrag vorerst zurück­ge­nommen haben. Nach unserer Bericht­erstat­tung ist Bewegung in die Angele­gen­heit gekommen.

Aktuell Bestands­schutz

Das verputzte Fachwerk­haus zählt aktuell noch nicht zu den reprä­sen­ta­tiven Villen, die am Wallring unter Denkmal­schutz stehen. Aber das könnte sich ändern, denn das Nieder­säch­si­sche Landesamt für Denkmal­pflege hat sich der Sache angenommen. Solange in der Sache nicht entschieden ist, darf das Haus nicht abgerissen werden. Das Gebäude ist in der Mitte des 19. Jahrhun­derts entstanden und steht exempla­risch für die frühe Bebauung des Wallrings. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es sich in einem schlechten Zustand befindet und eine Sanierung in einem wirtschaft­lich verträg­li­chen Rahmen nur schwer möglich ist.

Von Krahe 1803 geplant

Der Wallring entstand nach 1803 vorge­stellten Plänen von Hofbau­meis­ters Peter Joseph Krahe anstelle der ehema­ligen Basti­ons­be­fes­ti­gungen des 17. und 18. Jahrhun­derts entlang der Okerum­flut. Prägend sind spätklas­si­zis­ti­sche Stadt­villen wie die Am Hohen Tore 6 und Baumal­leen. „An der Erhaltung des Braun­schweiger Wallrings besteht aufgrund seiner geschicht­li­chen Bedeutung als Zeugnis- und Schauwert für Bau- und Kunst­ge­schichte … aufgrund seiner städte­bau­li­chen Bedeutung … ein öffent­li­ches Interesse“, heißt es im Nieder­säch­si­schen Denkmal­atlas. Das freilich gilt nicht automa­tisch für jedes Gebäude.

Satzung seit 1939

Um den Charakter als grüne Basti­ons­be­fes­ti­gung zu erhalten, gibt es die sogenannte Wallring­sat­zung der Stadt. Bereits 1939 wurde für weite Teile des Wallrings ein Bebau­ungs­plan erlassen, der bis heute gilt. Zum Erhalt der Grund­struktur des Wallrings hat die Stadt 1951 im Zusam­men­hang mit ihrer Bauver­ord­nung städte­bau­li­ches Regelwerk erlassen. Ergän­zungen durch den Rat der Stadt gab es im Jahr 2010. Hinter­grund ist die auch inter­na­tional besondere Bedeutung des Städte­bau­kon­zepts „Wallring“.

Regeln für Neubauten

Geregelt sind städte­bau­liche Gestal­tungs­richt­li­nien auch für etwaige Neubauten. Sollte die Nieder­säch­si­sche Landesamt für Denkmal­pflege also zu dem Ergebnis kommen, dass das Gebäude „Am Hohen Tore 6“ nicht unter Denkmal­schutz­richt­li­nien schützens- und erhal­tens­wert ist, darf der Investor dennoch an dieser Stelle nicht bauen, was er will.

Wichtige Fragen ungeklärt

Zum Geltungs­be­reich für den Bebau­ungs­plan „Wallring West“ (IN 215) zählt das Stadt­ge­biet zwischen Westli­chem Umflut­graben der Oker, Celler Straße, Petri­tor­wall, Am Alten Petritore, Neustadt­müh­len­graben und Gieseler. Darin sind Bedin­gungen für eine Neube­bauung festge­schrieben, die für das Grund­stück am Hohen Tore 6 gelten. Daraus ergeben sich folgende Fragen: Hält das Vorhaben die festge­schrie­bene Baugrenze zur Okerseite ein? Wird nach Umsetzung des Projekts die in der Gebiets­fest­le­gung „Misch­ge­biet“ veran­kerte paritä­ti­sche Nutzung für Gewerbe und Wohnen einge­halten? Hält die Neube­bauung die maximal bebaubare Grund­fläche von 342 Quadrat­me­tern ein? Hält das neue Gebäude die maximal erlaubte Breite von 18 Metern ein? Es ist spannend, wie das Projekt weiter­geht. Wir werden es verfolgen.

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