Seit 1705 sind die Braun­schwei­gi­schen Farben Blau und Gelb

Eintrachts Meistermannschaft in Blau und Gelb: (obere Reihe von links) Präsident Ernst Fricke, Hans-Georg Dulz, Jürgen Moll, Joachim Bäse, Trainer Helmuth Johannsen, Horst Wolter, Peter Kaack, Lothar Ulsaß, Erich Maas, (untere Reihe von links) Klaus Gerwien, Walter Schmidt, Gerd Saborowski und Klaus Meyer. Foto: Archiv Ralph-Herbert Meyer.
Eintrachts Meistermannschaft in Blau und Gelb: (obere Reihe von links) Präsident Ernst Fricke, Hans-Georg Dulz, Jürgen Moll, Joachim Bäse, Trainer Helmuth Johannsen, Horst Wolter, Peter Kaack, Lothar Ulsaß, Erich Maas, (untere Reihe von links) Klaus Gerwien, Walter Schmidt, Gerd Saborowski und Klaus Meyer. Foto: Archiv Ralph-Herbert Meyer.

Aus dem Stadt­ar­chiv, Folge 10: Herzog Anton Ulrich war entschei­dend

„Unsere Farben sind nicht blau und gelb“, schallt es regel­mäßig am Wochen­ende durch die AWD-Arena in Hannover. Eine klare Front­stel­lung der Fußball­fans von Hannover 96. Blau und Gelb sind die Farben der Braun­schweiger Eintracht und waren die Farben des Landes Braun­schweig. Wie es dazu kam und wann, darüber kursieren im Internet verschie­dene Theorien. Fundierte Antworten hingegen lassen sich nicht so einfach finden.

Die Braun­schweiger Welfen verwen­deten im 16. und 17. Jahrhun­dert als Hoffarben Rot und Gold (Gelb und Gold sind in der Wappen­kunde identisch). Seit Beginn des 18. Jahrhun­derts erscheint die Kombi­na­tion Blau-Gelb auf Gemälden und herzog­li­chen Gebrauchs­ge­gen­ständen. Datiert nachweisen lässt sich ein Übergang der Farbwahl an der Besie­ge­lung herzog­li­cher Urkunden. An Prunk­aus­fer­ti­gungen hingen die schweren Siegel, häufig durch glänzende Metall­kap­seln geschützt, an Seiden­fäden oder ‑schnüren.

Anweisung an Offiziere

Die Herzöge aus der Lüneburger Linie, die 1634 die braun­schwei­gi­schen Fürsten­tümer erbten, kombi­nierten die braun­schwei­gi­schen Farben (Rot und Gelb) mit den lünebur­gi­schen (Blau und Gelb). Sie ließen ihre Urkunden mit Siegeln beglau­bigen, die an rot-gelb-blauen Schnüren hingen. Herzog Anton Ulrich änderte das 1705. Er verwen­dete fortan nur noch blau-gelbe Schnüre und wies seine Offiziere 1710 an, Armbinden aus blauer und gelber Seide zu tragen. Ganz prächtig, blau-gelb in Samt gebunden, wurden die Ehever­träge für Prinzessin Elisabeth Christine und ihren Bräutigam, den Kronprinzen Friedrich in Preußen, den späteren König Friedrich II., im Jahre 1735.

Warum erfolgte der Farbwechsel 1705? In diesem Jahr starb in Celle Herzog Georg Wilhelm, der letzte Heide­herzog. Sein Fürstentum Lüneburg fiel einem Vertrag Georg Wilhelms mit seinem Bruder entspre­chend an Hannover, obwohl auch die Braun­schweiger Ansprüche geltend machten. Herzog Anton Ulrich vertrat die Auffas­sung, dass die Wolfen­büt­teler als die ältere Linie des Welfen­hauses durch unlautere Verträge um das Fürstentum Lüneburg betrogen worden seien.

Besonders ärgerlich: Sein Sohn, den er mit der (eigent­lich illegi­timen) Erbtochter des Celler Herzogs hatte verloben können, war vor der Eheschlie­ßung im Krieg gefallen. Militä­ri­sche Optionen hatte Anton Ulrich nicht mehr. So blieb ihm, dem großen Darsteller barocker Fürst­lich­keit, nur der symbo­li­sche Protest. Blau-Gelb müssen wir also als ursprüng­lich lünebur­gi­sche Farben ansehen, die das braun­schwei­gi­sche Rot-Gelb ablösten.

Die Hoffarben des welfischen Hauses Braunschweig-Wolfenbüttel waren lange Blau, Gelb und Rot. Foto: Niedersächsisches Landesarchiv Wolfenbüttel
Die Hoffarben des welfi­schen Hauses Braun­schweig-Wolfen­büttel waren lange Blau, Gelb und Rot. Foto: Nieder­säch­si­sches Landes­ar­chiv Wolfen­büttel

Herzog Karl II. scherte aus

Und so eindeutig, wie man meinen möchte, verbanden sich diese Farben auch nicht mit der braun­schwei­gi­schen Identität. Herzog Karl II. hatte z. B. eigene Vorstel­lungen. Er befahl 1824, die blau-gelben Schil­der­häus­chen in Braun­schweig und Wolfen­büttel blau-weiß überstrei­chen zu lassen, was nach seiner Vertrei­bung 1830 wieder rückgängig gemacht wurde. Seitdem fanden die Farben Blau und Gelb in Land und Region Braun­schweig vielfältig Verwen­dung. Und 1895 machte der Braun­schwei­gi­sche Turn- und Sport­verein „Eintracht“ sie zu seinen Vereins­farben.

Herzog­liche Urkunden mit farbigen Siegel­schnüren wurden für Kommunen, Insti­tu­tionen und Privat­per­sonen ausge­stellt und gelangten in deren Archive. Die symbo­li­sche Nutzung von Farben bis hin zu Bestim­mungen für gesetz­liche Hoheits­zei­chen hat auch Regierung und Verwal­tung beschäf­tigt. Von der Staats­sym­bolik abgeleitet, diffun­dierten Blau und Gelb in die Kommu­nal­he­raldik.

Körper­schaften und Vereine bekannten sich durch die Verwen­dung der Landes­farben zur braun­schwei­gi­schen Tradition. Neben dem BTSV „Eintracht“ seien nur der Braun­schweiger Kanuclub von 1920 oder der Postsport­verein „Blau-Gelb“ genannt. Die Vereins­re­gister und auch Regis­ter­akten verwahrt das Landes­ar­chiv in den Amtsge­richts­be­ständen. Die Vereins­ar­chive werden unter­schied­lich gut gepflegt; einige sind in öffent­li­chen, meist kommu­nalen Archiven hinter­legt worden und auf diese Weise für die Forschung nutzbar (z. B. das Archiv von Eintracht Braun­schweig im Stadt­ar­chiv).

Dr. Brage Bei der Wieden leitet das Nieder­säch­si­sche Landes­ar­chiv, Abteilung Wolfen­büttel. Der Beitrag erschien zuerst im Buch „Von Asse bis Zucker. Funda­mente braun­schwei­gi­scher Regio­nal­ge­schichte“, heraus­ge­geben von der Braun­schwei­gi­schen Landschaft.

Mit dieser Reihe in Koope­ra­tion mit dem Stadt­ar­chiv wollen wir unsere Leserinnen und Leser auch auf das Jubiläum zum 1000-jährigen Bestehen Braun­schweigs im Jahr 2031 vorbe­reiten. Anlass dafür ist die Ersterwäh­nung der Stadt in der Weihe­ur­kunde der Magni­kirche von 1031.

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